Archiv für den Monat: August 2005

Die 1000 Fehler in der Projektleitung: 3

Kein Fehler, sondern eine Fehlannahme: Projekte sind gut für die Karriere.
Gerne wird erzählt, Projektarbeit sei in Bezug auf die eigene Karriere besser als Linienarbeit. In Wirklichkeit kann man sich in beiden Positionen alle Chancen problemlos versauen :-)
Die „echten“ Faktoren für eine Karriere sind andere. Hier kommen nun Svens 3 superduper Voraussetzungen zur Karriere:
– Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein
– Einen Mentor finden der einen in die entscheidenden Bahnen lenkt
– Eine Tätigkeit haben die einem leicht fällt (achtung, Falle: das bedeutet nicht, sie muss einem Spaß machen.)
Das bedeutet also, dass 2 von 3 Faktoren nicht in der eigenen Hand liegen und sogar ein wenig vom Zufall abhängen. Das ist nicht schön und für den ein oder anderen auch ungerecht. Aber wer hat gesagt, dass es gerecht zugeht…

Berlin Nachtrag

Mein liebster Thai in Berlin ist das Thai Bistro in Moabit.

Nachtrag 2: Mein Hotel war am Savignyplatz, trotzdem bin ich zum essen in meinen alten Kiez in Moabit gewesen. — Kurzer Einschub: In Hamburg meint man mit „Kiez“ St.Pauli. In Berlin versteht man unter seinem Kiez die Wohngegend. Der Kiez ist kleiner als der Stadtteil, also z.B. gibt es in Moabit z.B. Beusselkiez (um die Beusselstraße, möchte man nicht wohnen) . Ende des Einschubs — Obwohl ich schon 4 Jahre nicht mehr in Berlin wohne, ist das immer noch irgendwie „mein“ Stadtteil. keine Gegend in der sich Touristen verirren – und falls doch, nur weil sie bei der Hotelauswahl nicht aufgepasst haben (wobei es schöne Hotels in Moabit gibt). Aber ich fühle mich hier wohler, als in Mitte oder Charlottenburg.

Der letzte Nachtrag: Berlin bei gutem Wetter ist grandios. Im Winter möchte man sich umbringen, aber im Sommer kommt selbst Hamburg nicht gegen Berlin an. Überhaupt, man darf eigentlich nur in einer Stadt wohnen, durch die ein Fluss fließt. Dortmund ist zwar schön, aber wir haben hier nur die die Emscher – und die zählt irgendwie nicht.

Der jetzt aber wirklich letzte Nachtrag: Berlin entdeckt man am besten zu Fuß. Gemütlich vom Zoo durch den Tiergarten (mit Halt im Cafe am neuen See) zum Haus der Nationen (wieder ein Biergarten …), dann über das Regierungsviertel zum Mahnmal. Weiter zum Potsdamer Platz, Checkpoint Charly, und Friedrichstraße. Dauert mit Pausen und alles anschauen 4 Stunden und ist besser als jede Bustour.

Die 1000 Fehler in der Projektleitung: 2

Entscheidungsgrundlagen
Projektleiter glauben oft, Entscheidungen seien immer sachbezogen. Das ist für sie auch richtig. Aber:
Projektleiter treffen Sachentscheidungen
Manager treffen Machtentscheidungen

Will sagen: Manager richten ihre Entscheidungen auch (die schlechtere nur) daran aus, wieweit es ihren Einflussbereich stärkt – oder zumindest ihre Macht nicht verringert. Projektleiter neigen dazu, diese Ebene auszublenden. Das ist nicht ganz falsch. Sie sind dann nur wie vor den Kopf gestoßen, wenn es sie auf Grund dieser verschiedenen Entscheidungsgrundlagen völlig zerbröselt. Der klassische Fall: Ihre Empfehlungen werden ignoriert und wenn es schief geht sind sie trotzdem schuld… Außerdem hält das Entwicklungsteam einen für völlig durchgeknallt weil man scheinbar unsinnige Entscheidungen „durchprügelt“.
Was soll man machen? Gegen die politische Entscheidung argumentieren? Klappt eher selten. Die Meinung nur halbherzig umsetzen? Auch schlecht – macht einen angreifbar. Bevor man sowas macht, sollte man die Geschichte besser gleich abblasen.
Sehr praktisch ist es, die beiden Ebenen auf mehrer Schultern zu verteilen – z.B. Projektleiter und Account Manager. Wenn das nicht geht, muss Plan B in der Schublade liegen. Man sagt dem Auftraggeber zu, dass man seine Richtung nach besten Wissen und Gewissen unterstützen wird, für den (unwahrscheinlichen Fall …) das es Probleme gibt könne man das Problem evtl. ja auch auf eine leicht andere Art lösen (nämlich so, wie man es selber schon die ganze Zeit wollte).
Vorteil: Erweist sich die „Managerentscheidung“ als richtig: Super, man ein sein Projekt umgesetzt. Gibt es Probleme zaubert die Manager Plan B aus der Schublade und beweist, dass er auch Kriesen managen kann.

Berlin – Holocaust Mahnmal

Jetzt wo ich schon einige Jahre nicht mehr in Berlin wohne, macht es richtig Spaß, in Ruhe durch die Stadt zu schlendern wenn ich mal wieder hier bin. Zufällig bin ich auch am Mahnmal vorbeigekommen. In den letzten Tagen gab es ja ein riesen Getöse, weil einige Leute auf die Idee gekommen sind, neben dem Mahnmal eine Würstchenbude aufzustellen. Sowas aber auch.
Angeblich wird durch solche Aktionen ja das Mahnmal gestört – kann man doch nicht mit Würstchen in der Hand wohl nicht ordentlich betroffen sein. Man man man… Zwei Dinge stören mich an der Diskussion:
1. Das Mahnmal ist kein „Betroffenheitsmahnmal“. Es ist ein Mahnmal wider des Vergessens. Und entsprechend ist es völlig egal, was man dort macht (verstecken, laufen, essen). Man kennt den Namen und dadurch verschwindet die Erinnerung nicht. Mal muss nicht immer andächtig still vor sich hin sinnieren um einen PLatz zu würdigen.
2. Das Mahnmal ist 150m (?) vom Brandenburger Tor und 50 Meter vom Potsdamer-Platz entfernt. Soll der Subway jetzt auch schließen? Er ist ja in Sichtweise des Mahnmals – oh wie schrecklich. Leute: Das Mahnmal steht nicht im Nirgendwo. Es steht mitten in der Stadt (da gehört es auch hin). Es steht mitten im Leben und auch das ist richtig. Was soll das Gezänke um Leute, die Geschäfte an Touri-Punkten machen wollen?!?
Just My $0.02 …

Wahl-O-Mat

Wahl-O-Mat sagt, ich soll Grüne, SPD, oder (oh Schreck) Linke.pds wähen. FDP und CDU liegen ganz hinten.
Das wäre doch überhaupt mal eine Idee. Am Wahltag stimmt man nicht für eine Partei, sondern füllt den Wahl-O-Mat Fragebogen aus. Das Ergebnis zäht dann als Wahlentscheidung.
Damit müssten sich die Leute wirklich mal Gedanken machen. In einem Land in dem 60% der Bevöllkerung keine Ahnung hat, von welcher Partei der amtierende Außenminister ist doch keine schlecht Idee, oder?

Komplexität

Wir Menschen sind mit einem automatischen Komplexitätsfilter ausgestattet. Dieser filtert aus den Unmengen an Informationen und Eindrücken die relevanten Daten heraus und nur diese werden von unserem Gehirn verarbeitet. Dadurch konnten wir früher den Säbelzahntieger im dichten Wald gut erkennen.
Menschen, bei denen dieser Filter nicht richtig funktoniert nennen wir Autisten. Autisten leiden darunter, dass sie zuviele Informationen verarbeiten müssen. Manchmal führt das zu Inselbegabungen (siehe „Rain Man“ mit Dustin Hoffmann – es gab tatsächlich ein reales Vorbild). Die Krankheit ist schrecklich für Betroffene und Angehörige. Ein Schutzmechanismus von Autisten ist, dass sie ihre Welt extrem durchorganisieren. So darf bei einigen z.B. nichts an der Wohnung verändert werden, inkl. Aufhängung der Bilder oder Lage der Sofakissen.
Eine schwache Form des Autismus nennt sich „Asperger Syndrom“. Ein anderer Name (Kein Schwerz) ist „Geek Syndrom“. Angeblich leiden wohl viele Informatiker an einer schwachen Form. Wer möchte, kann hier einen kleinen Selbsttest durchführen.
Dies würde erklären, warum viele Techies ein gestörtes Sozialleben haben.
Für Informatiker ist diese Krankheit gar nicht mal so schlecht. In ihrem Job müssen sie ständig mit extrem viele Informationen jonglieren. Gut für den Job, schlecht für Parties.
Projektleiter sitzen (wie immer) zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite gehört Komplexität zu ihrem Job. Wäre die Aufgabe nicht so komplex, bräuchte man keinen Projektleiter. Ein Projektleiter muss oftmals tief in die Details einsteigen und mehr Details kennen als der Rest des Teams. Auf der anderen Seite müssen sie sehr viel vermitteln und entsprechend gut auf Menschen zugehen können. Sprich: „Generalist“ oder „Spezialist“?
Darum gibt es meiner Meinung nach so wenig wirklich gute Projektleiter. Für den Job muss man einfach ein gewisses Maß an Schizophrenie besitzen. Man muss genug „Spezialist“ sein um das Vertrauen der Entwickler zu besitzen und genug „Generalist“ um die Probleme der Chefetage erklären zu können.
Was ist dem Auftraggeber wichtiger? Das scheint wohl Mode zu sein und ständig zu wechseln. Die letzten Jahre waren eher die Generalisten gefragt – und haben einige Projekte mit Anlauf in den Sand gesetzt. Jetzt geht es wieder mehr um Spezialwissen – solange bis auch hier genug Projekte gescheiter sind …

Spaß mit Abkürzungen

Kaum eine Branche kennt soviele Abkürzungen wie die Telekommunikations-Branche. Die in meinen Augen schönste, weil ständig falsch definiert, ist NGOSS.
OSS steht für Operations Suport Systems und bezeichnet neben den BSS (Business Suport Systems) die Systeme bei einem Telco, welche für den Betrieb notwendig sind.
NGOSS steht nun für New (viele meinen auch „Next“) Generation ….
… ha!, leider nicht für Operation Suport System, sondern für „New Generation Operations Systems and Software…
So merkt man schon an den Verkaufsprospekten vieler Hersteller, dass sie die Standards nicht wirkliche gelesen haben.
Der Google Test:
1 „New Generation Operations Systems and Software“ : 709 Treffer
2 „Next Generation Operations Systems and Software“: 49 Treffer
3 „Next Generation Operations Support System“: 565 Treffer
4 „Next Generation Operations Support Systems“: 345 Treffer
Das TelemanagementForum definiert es wie im ersten Suchbegriff. Und da die es erfunden haben, sollte es wohl auch stimmen.

Also liebe Einkäufer von Telco-Dienstleistungen. Wenn ihr eure potentiellen Dienstleister testen wollt, fragt mal nach NGOSS.
Und wenn ich morgen nicht schlafen kann, schreibe ich, was eTOM ist und warum in meinen Augen viele Leute eTOM völlig falsch anwenden.

Die 1000 Fehler in der Projektleitung: 1

Angenommen, ein Projektleiter hat 10 Aufgaben/Themen. Von 9 Themen hat er keine Ahnung. Preisfrage: Was machen jetzt 90% aller Projektleiter? Richtig: Sie kümmern sich zuerst um die Aufgabe, die sie beherschen. Auf den ersten Blick ist das verständlich, verspricht es doch schnell erste Ergebnisse. Das kommt gut beim Team an und der Auftraggeber sieht, dass er die richtige Person für den Job gewählt hat. Es gibt einen winzig kleinen Haken: Das Projekt in in diesem Moment den Bach runter gegangen.

Wichtige PM Regel: First Things First!

Aufgaben müssen in der richtigen Reihenfolge angegangen werden. Da geht es nicht darum, was einem liegt. Es geht darum, was das Projekt voran treibt. Natürlich sind schnelle Ergebnisse ein positives Signal, aber leider nicht für das Projekt, sondern eher für das eigene Ego. Und darum geht es leider nicht (was übrigens zu meiner Beobachtung passt, dass die richtig guten Projektleiter in großen Firmen selten Karriere machen da sie ständig von Dampfplauderern überholt werden…)

Bürgergeld

Verdammt, sollte ich tatsächlich FDP wählen müssen?!?
Die FDP hat mit den Konzept des Bürgergeldes etwas in ihrem Programm was ich schon seit Jahren ausnehmend gut finde.
Die Idee (vereinfacht) : Jeder Bürger bekommt monatlich einen Betrag X. Es gibt keine Sozialhilfe, kein ALG-II, kein BafÖG etc. Statt dessen hat jeder Anrecht auf diese Summe (bei der FTP mit Einschränkungen welche ich für unnötig halte). Im Gegenzug muss jedes Einkommen ab dem 1. EUR versteuert werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Staat wird drastisch verschlankt. Es gibt nicht mehr duzende verschiedene Leistungsstellen, sondern nur diese eine Stelle. Das senkt natürlich die Kosten.
So ein Bürgergeld wird allerdings schon seit vielen Jahren diskutiert und nicht umgesetzt. Schade eigentlich.

Micro Festival in Dortmund

Dortmund ist, zugegeben, nicht die Kulturhauptstadt Deutschlands. Es gibt zwar eine sehr aktive Blues, Soul & Rock Szene, aber kein Vergleich mit Hamburg, Berlin, Lüneburg und vielen anderen Städten. Das hat auf der anderen Seite den Vorteil, dass man die wenigen Höhepunkte genießen kann. Ich habe eine Zeit lang in Berlin gewohnt. Dort wird man zum Kultur-Autisten. Es gibt einfach zuviele Veranstaltungen…

Dieses Wochenende ist, wie immer am letzten Wochenende der Sommerferien, das Micro-Festival, eine Mischung aus Straßentheater und Welt-Musik. Ich habe mir heute 3 Veranstaltungen angeschaut.
Zuerst eine Gruppe aus Kanada, Corpus. Das war nettes Straßentheater. Das Tansiteatteri Minimi aus Finnland war ein wenig verwirrend, aber ok. Abends eine Frauen-Rap-Crew: Nun ja, schlechter Rap bleibt auch dann schlecht, wenn er aus Westafrika kommt. hat mir nicht gefallen.

Höhepunkt war ein Auftritt von Antagon aus Frankfurt. Sie haben ihr Stück TIME OUT gezeigt. Das hat mir wiederum sehr, sehr gut gefallen. Es ging – falls ich es verstanden habe, aber man muss ja auch nicht alles verstehen – um den ständigen Kampf um Freiheit. Darum, wie wir uns befreien um uns nur selber wieder unfrei zu machen. Viel Musik, schöne Szenen, viel Feuer.

Schön ist ja, das man beim Straßentheater immer gleich zwei Stücke zu sehen bekommt. Neben den Schauspielern kann man auch am Publikum viel Spaß haben. Ja, du kannst nichts sehen. Das ist schade, aber warum brüllst du es mir ständig ins Ohr? Und wenn du es 100 Mal deiner Begleitung erzählst, was erwartest du? Das deine Begleitung die störende Menschen wegträgt?!? Aber man muss ja auch nix sehen, man kann auch so ständig quatschen. Jetzt weiß ich, dass die Frau die hinter mir stand schon alles an Haarfaren hatte, Blond, Schwarz Rot … rasend interessant. Besser waren nur die 4 Polen die sich erst 15 Minuten vor Ende durch die Massen „tankten“, anschließend – echte Kavaliere – ihre Freundinnen auf Stühle gestellt haben und dann mit einer unglaublichen Lautstärke gequatscht haben – hauptsächlich gibt es wohl, mein Polnisch ist leider nicht so gut, darum, das sie das Stück nicht verstehen. Ja wie auch, wenn man die ersten 60 Minuten nicht da ist.
Hat sich gelohnt.