Meine Krise mit der Krise

Folgende Meldung gab es auf WDR in der „Aktuellen Stunde“.

Henkel hat im aktuellen Quartal einen massiven Gewinneinspruch zu verzeichnen. Der Gewinn sank auf 1/3 des Vorjahres (oder 2/3, habe ich vergessen) und beträgt 230 Mio. EUR. Der Konzern plant nun massive Sparmaßnahmen. Kurzarbeit wird es laut einem Unternehmenssprecher nicht geben.

Hallo? Kurzarbeit? Nur zur Sicherheit: Die machen keine Verluste, die machen nur nicht mehr so hohe Gewinne. 2008 waren es 1.5 Mrd. EUR, 2009 werden es vielleicht nur 1.0 Mrd. EUR.

Ja, da würde ich auch dringend über Kurzarbeit nachdenken…

3 Gedanken zu „Meine Krise mit der Krise

  1. Frank

    Tja,
    ganz so einfach ist es nicht….
    Der Gewinn ist eine einfache, aber eben nur eine (!!) betriebswirtschaftliche Kennzahl. (Meist wird von EBIT, also dem Überschuss vor Steuern und Zinsen gesprochen, da er weltweit unterschiedliche Steuern unberücksichtigt läßt und so ein besserer Vergleichsmasstab für internationale Unternehmen darstellt)
    Fällt der Gewinn und bleiben weitere betriebliche Parameter gleich so heißt dies, daß die Rendite des eingesetzten Kapitals zurückgegangen ist.
    Mit anderen Worten: das (börsennotierte) Unternehmen
    – kann/ wird weniger Dividende zahlen
    – es steht weniger Kapital für Entwicklung neuer Produkte, Marketingmassnahmen, Ersatzinvestitionen in abgeschriebene Produktionsanlagen etc. zur Verfügung
    – steht schlechter da als Unternehmen der peer-Group
    Die wichtigste Konsequenz aus diesen Tatsachen:
    – die anleger verlassen das Unternehmen und verkaufen ihre Aktien, und der Bösenkurs fällt (weil das Kapital sich immer in die Richtung der besseren Renditen bewegt)
    Ein niedriger Aktienkurs hat jedoch eine Vielzahl an bitteren Konsequenzen:
    – das Rating fällt
    – damit wird es für das Unternehmen teuerer neue Kredite zu bekommen (jetzt kommt der Teufelskreis)
    – die Refinanzierungskosten erhöhen sich und das Unternehmen muss an anderer Stelle Kosten reduzieren, da sonst der EBIT weiter fällt!!
    – fällt der Aktienkurs zu stark, so wird das Unternehmen Kandidat für eine Übernahme
    …….
    Man könnte dies nun weiter denken bis hin zu Verlagerung der kompletten Produktion in Billiglohnländer bis hin zu einer Schliessung des Gesamtunternehmens und Aufgang in eine anderes Unternehmen.

    Nun aber kurz:
    der Einbruch des EBIT um 1/3 in einem Quartal läßt ein grundsätzlich gesundes Unternehmen nicht wanken, aber: passiert dies mehrere Quartale in Folge, so sind die Auswirkungen enorm.

    Was nun zu fragen bleibt:
    – woher kommt der Gewinneinbruch?
    – Da Gewinn die Differenz zwischen Erträgen und Aufwendungen ist bleiben zwei mögliche Ansatzpunkte
    – Da die Produktion voll weiterfährt handelt es sich wohl weniger um marktseitige Einflüsse -> der Absatz ist o.k., die Kosten sind zu hoch
    – dies würde langfristig zu nicht wettbewerbsfähigen Produktpreisen führen, die Konsequenzen siehe oben

    Also: schnelles Handeln ist bei signifikanten Gewinneinbrüchen nicht nur die Regel sondern auch zwingend notwendig

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  2. Andrea

    Hallo Sven,
    brauchtest Du mal was zum „motzen“ ? .-)

    Der Gewinneinbruch (ca. 100 Mio €) zum Vorjahresquartal bei Henkel kommt mEn im wesentlichen von den Industrieprodukten (z.B. Kleber für Automobilindustrie..), in diesem Bereich ging der EBIT von 150 auf 45 Mio € zurück.

    Klar sind 45.000.000 € Gewinn pro Quartal immer noch viel. Wenn meine kleine Firma soviel Gewinn machen würde, würde ich hier eine schicke Party schmeissen.

    In der Relation betrachtet, bei den Grössenordnungen von Henkel, können in der betroffenen Sparte aus den 45 Mio Plus aber recht schnell 45 Mio Minus werden, also halte ich tatsächlich vorausschauendes Handeln für angebracht (was das ist kann ich aber „von Aussen“ nicht beurteilen, ohne voreilige Schlüsse zu ziehen).

    Warum wirfst Du Henkel vor, daß sie Kurzarbeit als Reaktion ausschliessen?
    Vermutlich haben sie es gar nicht von sich aus erwähnt, sondern erst als ein Redakteur (der seine Checkliste mit aktuellen „Themen“ abklapperte) sie fragte und sie darauf antworten.

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  3. Steffen

    Hallo Sven,

    das Ziel eines Unternehmensführers ist es, den für das Unternehmen wirtschaftlichsten Weg zu finden. Wenn also bestimmte Arbeitskräfte aufgrund von Produktionsrückgängen nicht mehr benötigt werden, bleibt wenig anderes übrig, als Kurzarbeit.

    Mit Projekten ist es ähnlich. Wenn ein Projektmitarbeiter (z.B. Freelancer) auf dem Projekt nicht mehr benötigt wird, weil seine Aufgaben aus dem Leistungsumfang herausgenommen werden, kenne ich keinen Projektleiter, der diesen Mitarbeiter weiter auf dem Projekt halten möchte, weil er einmal benötigt wurde. Auch wenn das Projekt mit diesem Mitarbeiter im Kostenrahmen bleiben würde, sähe die Entscheidung nicht anders aus. Einem Projektmanager wäre aber vorzuwerfen, nicht benötigte Ressourcen auf dem Projekt zu halten und Kosten zu verursachen, die nicht notwendig sind – auch wenn das Projektbudget noch gehalten werden kann.

    Kurzarbeit hat zudem den Vorteil, dass die Arbeitskräfte nicht verloren gehen und bei Produktionsausweitungen wieder zur Verfügung stehen.

    So schlimm Kurzarbeit auch für die betroffenen Mitarbeiter auch ist. Für Betriebe bleiben meist wenig andere Möglichkeiten. Löblich wäre es, wenn die Betriebe jetzt in Qualifizierungsmaßnahmen setzen würden, die dafür sorgen, nach der Krise eine besser qualifizierte Belegschaft zu haben.

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