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Die Beraterkrankheit

Gibt es eine Berufskrankheit bei Beratern?

Definitiv! Es sind allerdings weniger körperliche Probleme. Natürlich hinterlassen die Wochen im Hotel mit vielen Geschäftsessen und einer aus Langeweile geleerten Minibar ihre Spuren. Aber das bekommt man mit genügend Sport wieder hin.

Nein, es gibt eine viel schlimmere Krankheit an der wir Berater leider. Und unglücklicherweise ist die Heilung extem schwierig. Unsere Krankheit: Wir lösen Probleme.

Jetzt mag jemand einwerfen: Wie bitte? Natürlich lösen Berater Probleme. Das ist doch nun mal ihr Job. Wo ist da die Berufskrankheit.

Klar, die Aufgabe eines Berater ist es, Probleme zu lösen. Der Haken ist nur: Wir können nicht damit aufhören. Wir lösen immer und überall Probleme. Die Welt ist unvollkommen. Die Welt um uns herum besteht quasi nur aus Problemen. Und wie ein dressierter Hund springen wir sofort los, wenn wir ein Problem finden.

Es ist zu mühsam, im Urlaub den Strandkorb zur Sonne hin auszurichten? Kein Ding: Dann baue ich doch eben mal eine Vorrichtung, den „automatischen Strandkorbdreher“. Die Freundin macht eine Onlineschulung. Kein Problem, verraten wir ihr doch einfach die Lösungen. Geht doch dann viel schneller als wenn sie es selber macht.

Auf dem Weg von der Wohnung zur Waschküche sehe ich:
– Ein lockeres Schanier an der Kellertür
– Eine klemmende Tür
– Holzreste in einer Ecke
– Schimmel an einer Wand
– lockere Türgriffe an der Tür zu Waschküche

Ich mach das mal eben … Und um 19:55 renne ich zum C&A und kaufe mir frische Socken. Zum Waschen bin ich leider nicht mehr gekommen.

Zu allem Unglück haben wir gelernt, nicht nur ergebnisorientiert zu denken, sondern Probleme auf eine Meta-Ebene für alle Zeiten zu lösen. Statt den Rasen zu mähen planen wir also erstmal, wie man in Zukunft den Rasen nicht in 35, sondern in 32 Minuten schneiden kann. Sind die Planungen abgeschlossen, ist der Rasen zu hoch für einen normalen Rasenmäher. Super: Ich wollte schon immer eine Sense haben. Aber dafür muss ich den Umgang erst lernen und einen Kurs belegen und vielleicht ist das Schaf auch die bessere Lösung.

Dazu kommt noch das „Desaster-Phänomen“. Wir Berater werden ja meistens erst dann hinzugeholt, wenn die Lage aussichtslos erscheint. Warum sollte man sich einen externen Berater holen, wenn das Projekt super läuft. Die Projekte die wir zu Gesicht bekommen sind meistens die Projekte, an die schon meiner mehr glaubt. Die Alltagsprobleme sind aber lösbar, also stürzen wir uns mit Freunde drauf um mal wieder Erfolgserlebnisse zu haben (wobei: Die Frage, wie ich die Boxenkabel in dem L-förmigen Wohnzimmer verlegen ist nicht zu meiner Zufriedenheit gelöst …).

Schlussanmerkung: Ok, so schlimm es natürlich nicht. Ich übertreibe manchmal. So, jetzt mache ich mir eine Suppe. Vorher räume ich aber noch den Schrank mit den Töpfen um, man kommt da so schlecht an die großen Töpfe. Dafür muss ich aber erst die Pfannen umräumen. Und wenn ich schon mal dabei bin, dass Bohrloch dort in der Ecke …

2 thoughts on “Die Beraterkrankheit

  • Nicolas Kübler sagt:

    Ich seh da einen Teufelskreis und ein wenig viel Perfektionismus (allgemein deutsche Krankheit) :P

    Wer in einem großen, amerikanischen Konzern arbeitet, der weiß, dass die Anzahl der Probleme eher zu wachsen scheint und dass, schnelle aber unüberlegte Lösungen eher eingesetzt werden als gutüberlegte – auch wenn ich mir sicher bin, dass Sie das schon selbst erlebt haben :)

    Ich bin eher PM orientiert und delegiere gerne die Aufgaben an andere und widme mich den wirklich wichtigen Dingen des Lebens – kann ich nur empfehlen!

  • fjodo sagt:

    Lern doch einfach einen anständigen Beruf, z.B. Musiker!

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