Archiv für den Monat: März 2007

Ich und Technik

Das wöchentliche Statusmeeting steht an. Ich komme (als Moderator) ein paar Minuten früher und überprüfe den Raum:
– Whiteboard geputzt?
– Raum sauber und gelüftet?
– Genug Kaffee vorhanden
– Genug Stifte vorhanden
– (…)
– Beamer testen und Präsentation …

… hmm, warum ist Bild zu verschwommen? Und warum kann ich es nicht scharf stellen. Ich hantiere herum während die ersten Teilnehmer der Raum betreten.

Ein Teilnehmer kommt herein, sieht mein Problem und meint lächelnd „Du, ich zeig dir mal ‚was“. Anschließend nimmt er die Verschlussklappe von der Linse des Beamers …

Warum das Internet grandios ist

Wenn wir zu den Anfängen des Internets – oder früher der Mailboxszene – über die Möglichkeiten der Geschichte gesprochen haben, gab es immer das Argument: Die Welt wird zu einem globalen Dorf. Egal, was für ein Problem ich habe, es findet sich immer jemand, der eine Lösung hat.

Hier ein aktuelles Erlebnis.

Ich hatte im Kommentar eines Blogs in einem Nebensatz den Fiscatron Fusionsreaktor erwähnt. Das war eine „Erfindung“ eines legendären Professors an der Uni-Dortmund dessen Vorlesungen zur Werkstoffkunde zu den absoluten Höhepunkten des Studiums gehörten. Ich glaube, es war der einzige Prof. der schon beim betreten des Hörsaals Applaus bekam.

Und was geschieht? Mich schreibt jemand an, der die Highlights der Vorlesung vor 20 Jahren auf Cassette aufgenommen hat bietet mir Kopie davon an (ich konnte ihm im Gegenzug eine Kopie des Scripts machen)

Ja, manchmal liebe ich das Internet.

Marathon Countdown: Noch 7 Wochen

So langsam wird es. Die durch die neuen Einlagen bedingten Umstellungen in meinem Bewegungsapparat verursachen kaum noch Schmerzen und auch mein Verbrauch an Blasenpflastern nimmt langsam ab.

Einen „Langen Lauf“ kann man es zwar immer noch nicht nennen, aber diese Woche habe ich zumindest mal 1 3/4 Stunden ohne Probleme am Stück geschafft. Dabei fühlte es sich an, wie ein lockerer Trainingslauf. Also alles supi!

Für Nichtläufer: Zur Vorbereitung auf einen Marathon sind diese langen Läufe extrem wichtig. Der Rest ist quasi Kür, aber ohne ca. 6 Läufe über 20-35Km wird die Sache schwierig. Der Körper wird bei diesen Läufen immer wieder an die Grenze geführt an der er von Kohlenhydrat- auf Fettverbrennung umschaltet. Beim Marathon passiert dies so ca. bei Km 35. Das ist dann der Moment, wo „der Mann mit dem Hammer“ auf einen wartet. Etwas platter ausgedrück: Der Körper schaltet dann einfach nur in den „Überlebensmodus“ um und hofft, dass die „Gefahr“ (früher der Säbelzahntiger, heute der Marathon) bald aufhört. Je mehr lange Läufe, je weiter kann man diese Grenze hinauszögern.

Ansonsten bin ich von meiner GPS Uhr (Forerunner) extrem begeistert. Gerade wenn man viel in fremden Städten unterwegs ist macht es Spaß, einfach loslaufen zu können. Den Rückweg findet man ja auf jeden Fall. Die Zeit zur ersten Positionsfindung ist etwas lang. Aber ich lege die Uhr jetzt einfach bevor ich mich umziehe auf die Balkon (oder die Fensterbank) und habe dann keine Probleme damit.

Spaß mit Spam

Man, fast hätte ich dieses Kleinod in meinem Spamordner übersehen. Aber da es in den letzten Tagen immer mehr werden, habe ich Glück gehabt.
Hier der Inhalt:

… wir empfehlen die kommende Super-Kursrakete mit sehr hoher Dynamik:

Cargolifter AG

Branche: Transport und Logistik
Kurs: 0,08 Euro
7-Tage-Ziel: 0,21 Euro
4-Wochen-Ziel: 3,50 Euro

Sehr, sehr geil. Wenn ich es richtig gesehen habe, hat sich vor zwei Jahren Cargolifter als GmbH&Co neu
gegründet, aber mit den Aktien kann man doch besser sein Klo tapezieren.

Und was passiert? Der aktuelle Kurs der Aktie liegt (am 23.3.) bei 14 Cent und ist um 32% gestiegen bei 1.5 Mio gehandelten Stück. Bei einer AG, wo nur noch deren Mantel existent ist. Wahrscheinlich haben da einige Schwachmaten ohne Limit gekauft. Der Aktienmarkt ist schon ein lustiger Spielplatz.

Marathon Countdown: Noch 8 Wochen

Na, das mit den neuen Einlagen klappt ja super. Wie zu erwarten war habe ich mir erstmal ein paar Mörderblasen gelaufen. Den langen Lauf am Wochenende habe ich mir dann doch geschenkt.

Egal, die Blasen von heute sind die Hornhaut von morgen. Ich bin auch so in der Woche auf ca. 40 KM gekommen.

Durch die Einlagen hat sich allerdings auch – logischerweise – meine ganze Bewegung geändert. Ergebnis: Jetzt tun mir Muskeln wie, die vorher keine Probleme gemacht haben. Ok, aber auch das wird vorbeigehen.

Ach ja: Und ich würde gerne mal nicht im Regen laufen.

Die angebliche Web 2.0 Blase

Es gehört ja zu einer der Lieblingsbeschäftigung deutscher Journalisten. Man jubelt eine Sache in die Höhe um kurz danach diesen selber errichteten Podest unter dem Johlen der Zuschauer wieder einzureißen – hochjubeln und niedermachen. Gerade ist die sogenannte Web 2.0 Blase „dran“. Ich sehe das ein wenig anders

Blase, welche Blase?
Gerne wir die aktuelle Situation mit dem Boom der New Economy zur Jahrtausendwende verglichen. Damals gab es tatsächlich eine Blase die in sich zusammenfiel. Die Aktienkurse befanden sich weit ab jeder Realität. es galt die Regel: Geld beschaffen, groß werden, Geld verdienen. Es war ein Spiel und es war von Anfang an klar, dass Chancen und Risiken enorm waren. Funktioniert hat es z.B. bei Amazon (welche ihr Wachstum anfänglich mit enormen Verlusten bezahlen mussten). Tatsächlich hat dieses Spiel aber funktioniert. Es gab Gewinner: u.a. Ebay, Amazon, Google. Wer in diese Firmen investriert hatte, kann sich heute freuen. Wer in Pixelpark und Biodata Geld gesteckt hatte – Pech.
Heute ist es ein wenig anders. Die Anfangshürde zur Umsetzung einer Idee ist viel kleiner. Die Web 2.0 Firmen beschaffen sich nicht mehr 100 Mio. EUR Risikokapital. Sie fangen einfach an und probieren einige Ideen aus. Vielleicht 10% der Ideen funktionieren. Kein Problem, da die Investition gering waren. Aktuelle Web-Projekte kann man in 1-2 Monaten umsetzen. Wenn es keinem gefällt, wird es wieder eingestampft. Welche Blase soll da platzen?

Der Holtzbrinck Deal
Aber, werden nun einige Schlauberger sagen, was ist denn mit dieser komischen StudiVZ Geschichte. Ging es da nicht um enorm viel Geld für eine an sich einfache Idee. Jein. Holtzbrinck hat mit StudiVZ ja erstmal Adressen von Studenten gekauft. Eine gut gepflegte Adresse kostet auf dem Markt so 2-3 EUR (falls sich jemand mal gefragt hat, wieso man an vielen Bahnhöfen für das Ausfüllen einer Postkarte ein Auto „gewinnen“ kann: That’s why). Rechnet man noch das Wachstum ein und die Tatsache, dass Holtzbrinck-Ventures eh‘ schon Geld in den Laden gesteckt hatte, war der Preis schon ok. Ob der Deal sinnvoll war, kann ich natürlich nicht beurteilen.

User Generated Content
„Die armen, armen User. Die werden doch voll ausgebeutet. Sie erzeugen den Inhalt und andere kassieren“.

Zu meinen Pixelpark-Zeiten sind wir mit dem Spruch Content->Community->Commerce unterwegs gewesen. Sprich: Schaffe Inhalte, sammle eine Community und dann kannst du Umsatz machen. Das Problem bei der Geschichte war, dass es schwierig und teuer war, den richtigen Inhalt zu erzeugen. Also war es nur konsequent es umzudrehen: Community->Content->Commerce. Das hat allerdings einen kleinen Haken: Die User sind keine armen ausgebeuteten Geschöpfe mehr.

User haben Macht! Die E-Mail eines frustrierten T-Com Mitarbeiter schafft es zu SpiegelOnline und zwingt den Vorstandsvorsitzenden dazu, eine Antwort zu seiner Rechtfertigung zu schreiben (am Rande: Die Blog-Einträge eines genervten selbstständigen Projektleiters über seinen Ärger mit der T-Com bei seinem Umzug bringen diesem eine direkte Reaktion aus der Führungsetage ein). Die Firmen sind bei solchen Themen extrem nervös und ängstlich. Wenn Firmen auf User Generated Content setzen bedeutet dies automatisch auch, dass sie viel stärker kontrolliert werden. Und diese Offenheit erzeugt Druck. Frosta lässt
jeden in seine „Kochtöpfe“ schauen. Und siehe das: McDo startet eine riesen Werbekampagne bei denen „Kunden“ sich den Produktionsprozess anschauen dürfen „Jetzt weiß ich, dass der Salat für meinen Burger frisch vom Feld kommt“ – Ach …

Wie auch immer. Man kann die ganze Web 2.0 Geschichte vielleicht als Modewelle sehen die wieder verebben wird. Aber eine Blase die platzen könnte ist es sicherlich nicht.

Buchtipps

Das Gesetz Der Himbeermarmelade.

Wie immer bei Büchern über Projektmanagement: 80% des Inhaltes kennt man. Erfreut stellt man fest, dass man nicht der einzige Depp auf der Welt ist. Gerald Weinberg schreibt sehr unterhaltsam. Schönes Buch

Die neuen Spießer. Von der fatalen Sehnsucht nach einer überholten Gesellschaft

Kein Projektmanagement-Buch, aber trotzdem gut. Habt ihr auch langsam die Nase voll davon, dass alle Welt zurück zu irgendwelchen alten, besseren Werten will? Die Familie ist wichtig und wer nicht mindestens 5 Kinder hat ist eh‘ kein guter Bürger? Die Renten sind nicht mehr sicher und die Jugend von heute hat keine Zukunft.
Der Autor (Redakteur bei FTD) liefert ein paar interessante Fakten. Zum Beispiel ist der Anteil der kinderlosen Frauen mit ca. 25% heute genau so hoch wie um 1910. Die Familien sind nur kleiner geworden. Der Trend geht also nicht hin zu Kinderlosigkeit, sondern zur Kleinfamilie. Diese Entwicklung, dass Familien kleiner werden wenn es einer Gesellschaft besser geht und Kinder nicht mehr zur Alterssicherung herangezogen werden ist völlig normal und nicht ungewöhnlich. Anderes Beispiel: Es wird immer behautet, 40% der Akademikerinnen seinen Kinderlos. Tja, wie lügt man mit Statistik. Richtig ist: 40% der Frauen unter 39 haben keine Kinder. In Wirklichkeit sind es aber <30% (also nahe an den 25% im Durchschnitt). Klar, durch das Studium verschiebt sich der Kinderwunsch.
Lesen!

Das Sauce Bernaise Syndrom

Worum geht es? Beim Sauce Bernaise Syndrom wird man auf Grund eines einzigen Ereignisse konditioniert. Man isst ein bestimmtes Lebensmittel und wird danach ernsthaft krank. Auch wenn die Krankheit überhaupt nichts mit diesem Lebensmittel zu tun hat – weil es eine simple Erkältung war – wird man von nun an dieses Lebensmittel meiden. Mehr noch: Alleine beim Anblick dieses Lebensmittels fühlt man sich schon krank. Die Natur hat sich dabei natürlich etwas schlaues gedacht. Es ist eine simple Überlebensstrategie die uns dabei geholfen hat, nicht ständig die gleichen giftigen Dinge in uns hineinzuwerfen.

Dummerweise ist diese „Konditionierung durch ein einziges Ereignis“ natürlich extrem ungenau. Aber diese Fehler lassen sich bei Lebensmitteln verschmerzen. Da macht es Sinn, einfach mal weniger Dinge zu essen – auch wenn einige falsche „Treffer“ dabei waren.

Wie wir Menschen nun mal konstruiert sind, setzen wir dieses Lernverhalten jetzt nicht nur bei Lebensmittel ein, sondern gleich auf zu ziemlich alle anderen Bereiche unseres Lebens. Heraus kommen dabei dann Aussagen wie „rothaarige Frauen bringen mir Unglück“ – statistische Schlussfolgerungen aus einer viel zu geringen Datenbasis.

Wir Projektleiter sind für dieses Syndrom besondern anfällig. Weil wir in einem Projekt mit einer Sache auf die Nase gefallen sind, glaube wir, das dies immer so sein muss: „Agile Methoden wie SCRUM? Ach, da habe ich nur schlecht Erfahrungen gemacht“. Fragt man weiter nach, ist damit genau ein Projekt gegen die Wand gefahren – bedingt durch mangelnde Erfahrung und interne Widerstände.

Noch schlimmer ist der umgekehrte Fall: „Wenn ich krank bin, hilft mir immer Milchsuppe“. „Eine Middleware ist die Lösung aller Probleme“. „Zwieback ist das absolute Krankheitsessen“. „MDA ist toll“, „Ich mache nur noch J2EE“ usw. usw.

Woran liegt das? Nun, wie auch bei originalen Sauce Bernaise Syndrom ist es ein Problem der falschen (oder gar nicht vorhandenen) Fehleranalyse. Ockams Rasiermesser hält uns an, die einfachste Erklärung zu suchen. In der Praxis suchen wir statt dessen oft die Erklärung die am schnellsten ist, möglichst wenig Auswirkungen hat, einen selber im bestmöglichen Licht stehen lässt und (ganz wichtig) möglichst wenig mit uns zu tun hat.

Das Ergebnis: Projektleiter neigen unabhängig von ihrer Erfahrung dazu, ihr ganzen Berufsleben nach einem einmal gelernten Schema zu arbeiten. Eine Auswirkung: Man bekommt z.B. das Wasserfallmodell nicht aus den Leuten heraus. Die Bereitschaft, gerade unter Stress einen neuen Weg zu versuchen tritt höchstens erst dann zu Tage, wenn eh‘ alles zu spät scheint und es „jetzt ja auch egal ist, also versuchen wir es mal so“.

Was kann man dagegen machen? Ständig lernen, ständig alles in Frage stellen. Und vor allem: Sich selber ständig in Frage stellen. Flexibilität kann man lernen und muss man üben.