Guerilla Projektmanagement

IT Projekte und Zeuch

Grandiose Niederlagen

Normalerweise sind meine Projekte natürlich immer extrem gut in der Zeit, weit unter dem Budget, das Team ist hochzufrieden und der Auftraggeber wirft Rosenblätter auf meinen Weg. Aber manchmal kommt es auch anders …

Es war Sommer. Ich hatte ein Projekt beendet und die Angebote für neue Projekte waren ein wenig mau. Da bekam ich die Anfrage über einen Vermittler, ob ich nicht bei in arbeiten wolle. Start sei in wenigen Tagen. Die Bezahlung war auch in Ordnung.

Ok, ich hätte ein wenig misstrauischer sein sollen. Der Vermittler hat keinerlei Bewerbungsgespräch mit mir geführt. Auch der potentielle Kunde hat mich vor meinem ersten Arbeitstag nicht gesehen oder gesprochen. Das sind schon schlechte Zeichen.

Der erste Tag. Ich komme in die Firma und lerne meinen Auftraggeber zum ersten Mal kennen. Mein Ansprechpartner leitete eine Abteilung mit >100 Mitarbeitern und war eigentlich sehr nett.
O-Ton der Begrüßung: „Also ich halte ja nichts von Beratern. Aber ich dachte, ich probiere das mal aus“.
(Okaaaay, das geht ja schon mal gut los)
Ich: „Dann liegt es jetzt also am mir, Sie davon zu überzeugen, dass Sie durch Berater wirklich Ihren Erfolg steigern können. Wie kann ich Ihnen denn helfen?“
Auftraggeber: „Wir sind in unserer Branche führend. Also wollen wir auch das beste IT System haben. Sie sollen uns das planen“
Ich: „Was ist denn ihre Definition so eines Systems. Soll es möglichst schnell sein? Sollen die Kunden möglichst zufrieden sein? Was sind Íhre Kriterien?“
Auftraggeber: „Was soll denn diese Frage? Die Kriterien erwarte ich von Ihnen!“
Ich: „Sehr gerne. Was sind die Rahmenbedingungen?“
Auftraggeber: „Äh, was für Bedingungen? Die sollen Sie doch definieren“
Ich: „Ok, geben Sie mir 15 Mio EUR, 30 Entwickler und 12 Monate Zeit. Dann bekommen Sie ihr System“
Auftraggeber: „So ein Blödsinn. So viel Geld gibt es nicht. Und so viel Zeit haben wir nicht“
Ich: „Gut, dann kommen wir doch den Rahmenbedingungen schon näher. Jetzt kümmern wir uns noch um die Zieldefinition“.

So in der Art ging es dann weiter. Es ist nun nicht ungewöhnlich, dass ein Kunde nicht weiß, was er will. Aber in diesem Fall wollte der Kunde auch bei dem Projekt nicht mitziehen. Kein Ansatz fand Zustimmung, keine Projektdefinition wurde angenommen. Eigentlich ein 08/15 Projekt. Ist-Analyse, Zieldefinition, Migrationsstrategie. Aber hier klappte so mal gar nichts.

Nach 2 Wochen habe ich das „Projekt“ von mir aus beendet. Die Reaktion des Kunden war, dass er meinte, er macht es dann halt selber und wird mir anschließend das Ergebnis zeigen damit ich endlich verstehe, was er denn überhaupt gewollt hat. Unnötig zu erwähnen, dass ich nie wieder etwas von diesem Kunden gehört habe …

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