Guerilla Projektmanagement

IT Projekte und Zeuch

Was ist eigentlich ein Projekt?

Wir sprechen ja ständig von Projekten, Unternehmungen Vorhaben usw. Da stellen wir uns doch mal ganz dumm und fragen: Watt is‘ eigentlich ein Projekt?

Ähm, tja .. also … Nach DIN ist ein Projekt

„ein Vorhaben, bei dem innerhalb einer definierten Zeitspanne ein definiertes Ziel erreicht werden soll, und das sich dadurch auszeichnet, dass es im Wesentlichen ein einmaliges Vorhaben ist.“

Tja, wenn ich also mit meinen Kumpels in die Kneipe gehe um mich zu betrinken, ist das ein Projekt? Wir haben ein definiertes Ziel, eine definierte Zeitspanne und dieser Kneipenbesuch ist auch einmalig.
Wenn ich aber jede Woche zum Stammtisch gehe, ist das immer noch ein Projekt?

Und was unterscheidet ein Projekt eigentlich von einer Unternehmung?
„Als Unternehmen oder Unternehmung wird allgemein ein von Personen durchzuführendes Vorhaben bezeichnet.“
Ok, das ist einfach. Ein Projekt hat ein klares Ende und klarer definierte Ziele.

Wenn ich eine Verabredung habe (Kino mit anschließendem Abendessen), ist das denn ein Projekt?

Ok, jetzt mal ernsthafter. Das Problem ist, dass viele Dinge die keine Projekte sind als Projekt bezeichnet werden und andere Dinge die besser Projekte sein sollten in der Linie hängen.

Regel 1: Ein Projekt benötigt einen klaren Projektauftrag. Es muss vorher – zumindest bis zu einer gewissen Detailtiefe – klar sein, welches Ergebnis erreicht werden soll. Man kennt das aus vielen gescheiterten Projekten: „Da wusste doch niemand, was wir eigentlich machen sollten“. Darüberhinaus müssen Projektziele spezifisch sein. Das Ziel „Wir wollen den Umsatz um 20% steigern“ ist zwar ein Ziel, aber weniger ein Projektauftrag. Aus dieser Vorgabe kann man natürlich Projekte ableiten. Und schließlich müssen die Projektziele messbar sein. Ich muss – wie auch immer – am Ende des Projektes sagen können, ob das Ziel erreicht wurde oder nicht.

2. Regel: Ein Projekt besitzt einen definierten Anfang und eine Vorlaufphase vor diesem Projekt. „Mach mal XYZ, wir fangen gestern damit an“ – das ist kein Projekt.

3. Regel: Ein Projekt hat ein Ende. Klingt banal, wird aber oft übersehen. Ich hatte mal einen „Projektauftrag“ bekommen der da lautete „Wir wollen die beste E-Business Landschaft Europas haben“. Dies war aus zwei Gründen so in der Form kein Projekt. Es war erstmal ein Ziel und kein Projektauftrag mit messbarem Ergebnis. Darüber hinaus muss man an so einem Ziel ständig arbeiten. Man kann zwar für den Moment ganz vorne stehen, aber die Entwicklungen in der IT überholen einen schneller als man glaubt.

Ok, können wir jetzt zwischen Projekt- und Linienarbeit unterscheiden? Kann ich jetzt die Einladung zum Abendessen als Projekt bezeichnen oder nicht? Leider nein. Die Grauzone ist immer noch vorhanden und nicht wegdefinierbar. Wichtig ist einfach folgendes: Wenn ein Projekt gestartet wird sollte die erste Frage lautet: Ist das überhaupt ein Projekt?. Sind die Aufgaben projektgemäß? Gibt es vielleicht bessere Möglichkeiten zur Lösung der Aufgabe, als eine Projektstruktur? Ich behaupte, man kann 20% aller Projekte schon zum Start streichen – weil sie schlicht und einfach keine Projekte sind.

6 thoughts on “Was ist eigentlich ein Projekt?

  • Andreas sagt:

    Hmm, die zitierte DIN Formulierung ist (ausnahmsweise) ja mal prägnant. Wolltest Du diese Formulierung jetzt nur erläutern, oder wolltest Du dem etwas fehlendes hinzufügen? Aus Deinen Ausführungen ist mir das nicht klar.

  • Sven Rimbach sagt:

    Hallo Andreas.
    Echt, die Definition hilft dir?
    Wenn ich du dir nach Hause komme und dir eine Flasche über den Kopf schlage, ist das nach DIN ein Projekt:
    – Es findet in einer definierten Zeitspanne statt (einige Sekunden)
    – Es hat ein definiertes Ziel (Schmerzen)
    – Es ist ein einmaliges Vorhaben (ein Schlag reicht mir …)

    Wie unten geschrieben geht es einfach darum, dass viele Projekte gar keine Projekte sind.

  • Klaus sagt:

    Hi,

    das mit der Definition/Festlegung „Wann machen wir was in einem Projekt bzw. in der Linie?“ ist meines Erachtens auch noch von den Punkten

    * Unternehmenskultur/Unternehmensorganisation und
    * Land/kulturelles Umfeld

    abhängig.

    Folgende Zeilen sind jetzt etwas überspitzt und verallgemeinert:
    1. „In den USA ist fast alles ein Projekt, da gibt es so etwas wie eine DIN- oder XYZ-Definition nicht.“

    2. „In stark projektgetriebenen Unternehmen wird man die klassische Linienorganisation nicht finden.“

    Mir ist klar das beide Aussagen nicht zu 100% zutreffen. Sie sollen nur zeigen, dass es viele Parameter und Umstände gibt die zu Berücksichtigen sind. Mit DER EINEN Definition tue ich mir schwer.

    Lg,
    Klaus

  • Great Gonzo sagt:

    1) Nicht jede Anforderung ist ein Projekt, vielmehr kann kein Projekt die Umsetzung einer Menge dieser Anforderungen sein. Nur zu gern wird in letzter Zeit alles als Projekt bezeichnet. Meist aus Unwissenheit.

    2) Wir können leider nicht nur zwischen Projektarbeit und Linienorganisation differenzieren. Oft genug werden Projektmanager gebeten, sich einer Problemstellung zu widmen – ob aus Sachkenntnis oder aufgrund ihres Organisationstalentes oder aus Mangel an Alternativen sei dahingestellt. Allein die Mitarbeit eines Projektmanagers macht einen Auftrag aber noch nicht zu einem Projekt. Viele Zwischenformen von Projekt und Linie können als Prozess identifiziert werden.

  • Nicolas Kübler sagt:

    @Great Gonto:
    Wenn du so eine Aussage machst, hätte ich gerne ein Beispiel, damit ich weiß, worauf du hinauswillst. Denn Projekte starten typischerweise mit einem Lastenheft/Requirements Dokument.

    Zu Projekt gegenüber Linie sollte vielleicht gesagt werden, dass diese theoretisch sehr gut dokumentiert sind, aber dass die Praxis so aussieht, dass vieles abgekürzt wird und deswegen solche Mischformen entstehen. Schließlich soll Zeit und Geld gespart werden und dabei werden einige Schritte ausgelassen, so dass am Ende die Arbeit nicht mehr 100% zu Linie oder Projekt zugeordnet werden kann.

    Generell zeigt sich, dass ein Text von jeder Person anders aufgefasst wird.

  • Andreas sagt:

    @Sven:

    Jo, die Definition finde ich OK, weil sie sich auf das Wesentliche beschränkt. Definitionen legen etwas fest und müssen an sich ja nicht „hilfreich“ sein.

    Auch ein banales Projekt ist ein Projekt. Man sollte dabei natürlich immer die Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Mittel bedenken, aber das ist für ein Projekt nicht zwingend notwendig ;-)

    Klar, wenn Du Dir vornimmst (der Richter wird es hinterher „Vorsatz“ nennen), einem Menschen auf diese Art Schmerzen zuzufügen, kann man das durchaus als Projekt bezeichnen. Ein Attentat kann manchmal sogar ein recht komplexes Projekt sein, wenn es man gewissenhaft durchführen will …

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