Archiv für den Monat: Juni 2009

Der Tag an dem die Zensur kam

Heute wird also das sog. Kinderpornographiegesetz beschlossen.

Sollte es tatsächlich Bestand haben, ist damit die Trennung zwischen Judikative, Exekutive und Legislative aufgehoben worden. Diese Trennung wurde aus gutem Grund in Artikel 20 des Grundgesetzes geschrieben.

Will man z.B. einen Videofilm verbieten, dann benötigt man hierzu einen gerichtlichen Beschluss zur bundesweiten Beschlagnahme. Webseiten werden aber „einfach so“ vom BKA auf eine geheime Sperrliste gesetzt.

Ich habe es schon mehrfach geschrieben. Es gibt einen Spagat zwischen Sicherheit und Freiheit. Je mehr Sicherheit man fordert, desto mehr wird die Freiheit eingeschränkt. Früher war es so, dass wir Stolz auf unsere Freiheit waren. Wir kannten das Risiko. Unter dem Mantel der Terrorabwehr wurde dann unsere Freiheit immer weiter beschränkt. Denn plötzlich hat jemand entschieden, dass Sicherheit vor Freiheit geht. Terrorabwehr ist nun nicht mehr in den täglichen Medien. Scheinbar spielen die Islamisten nicht mehr mit und taugen nicht mehr als Angsterzeuger. Jetzt müssen also neue Bilder her. Also wird unsere Freiheit unter dem Mantel des Kinderschutzes weiter abgebaut.

Wird es bei Kinderpornographie bleiben? Sicherlich nicht. Ich wette um 100 EUR (zahlbar an Ärzte ohne Grenzen), dass – sollte das Gesetz so bleiben – innerhalb der nächsten 5 Jahre Webseiten aus den Bereichen Glücksspiel, Killerspiele, Musiktauschbörsen oder „Terrorseiten“ ebenfalls auf einer Sperrliste landen werden.

Weiterhin wette ich um den gleichen Betrag, dass das Gesetz (oder die Ausführungsbestimmungen) binne 5 Jahren weitere Techniken als DNS Sperre ans Minimalanforderung definieren wird.

Hält jemand dagegen? Ich nehme auch mehrere Wetten an!

Liebe Bundestagsabgeordnete, traut euch. Oder glaubt ihr euren Sprüchen selber nicht?

Lustige Angebote

Klar, alle Angebote enthalten Buffer, Zeit die man schon vorher verbraucht hat, Aquisekosten usw. usw.

Aber wenn eine Firma mit 3 Mitarbeitern laut Angebot 4 Projektleiter für 8 Wochen in das Angebot reinschreibt
(das kommt heraus, wenn man die Endsumme durch Tagessatz teilt) – dann ist das vielleicht doch ein wenig übertrieben …

Der Kettenhund

Der Projektpartner war viel größer als wird – sowohl vom Umsatz, als auch von Standorten und Mitarbeitern. Entsprechend war das Projekt für uns groß – für den Projektpartner eher klein. Ich war der zuständige Projektleiter von unserer Seite.

Leider hat der Projektpartner so ziemlich jeden Projektplan gerissen und eine ziemlich unterirdische Qualität abgeliefert. Darüber hinaus durften sich in 6 Monaten 3 Projektleiter versuchen.

Kurz nachdem der 4. Projektleiter an Bord kam, kündigte sich jemand an, der diesen Projektleiter „coachen“ wollte. Klang ja erstmal nett und wir machten einen Termin aus.

Der Termin verlief dann ungefähr so:
Ich: „Herzlich willkommen bei uns. Ich freue mich, dass es so kurzfristig geklappt hat. Ich schlage vor, dass w…“

Er: (mich unterbrechend) „Jetzt passen Sie mal auf! Ich komme hier extra hin, weil unser Kunde ein Problem hat. Dafür habe ich heute extra das Flugzeug genommen. Wir wollen dem Kunden helfen. Wenn ich mir hier Ihre Agenda anschaue, sehe ich nicht, dass Sie das Problem lösen wollen“
Ich: „Hmm, das ist der Agendavorschlag ihres Kollegen den ich einfach übernommen habe…“
Er: „Na, dann fangen Sie halt mal an“
(15 Minuten später)
Er: „So, wir brechen das jetzt hier ab. Das macht ja keinen Sinn mit Ihnen. Ich will jetzt sofort ihren Vorgesetzten sprechen“
(der kommt natürlich gerne – war ja nur selber in einem wichtigen Termin)
Er: „Ihr Projektleiter wirft uns hier vor, wir würden Fehler machen. So eine Unverschämtheit ist mir in 20 Jahren nicht untergekommen. Ich verlange, dass Sie mir bis Morgen 09:00 Uhr eine Liste mit diesen angeblichen Fehlern schicken“
Mein Chef: „Vielleicht wenden Sie sich einfach an Ihren Kollegen. Mit dem hat der Guerilla Projektleiter doch gestern Vormittag genau diese Liste durchgesprochen die wir aufgestellt haben.“
Er: „Ach… Na… Also wir reisen jetzt wieder ab“.

Seit dem sind mir noch einige Kettenhunde begegnet. Aber meine erste Begegnung werden ich wohl so schnell nicht vergessen.

Was sind Kettenhunde? Kettenhunde kommen zum Einsatz, wenn sämtliche Fakten gegen einen sprechen. Argumente sind keine mehr da, aber Fehler zugeben (und viel Geld verlieren) will man auch nicht. Also holt man sich jemanden, der die Diskussion von der Sachebene holt und auf eine emotionale Ebene bringt – Argumente gibt es ja keine mehr.

Hat sowas Erfolg? Nun, um den Kunden aus dem obigen Beispiel zu zitieren (2 Monate nach dieser ersten Erfahrung): „Also ich habe ihm jetzt die Abnahme unterschrieben – aber ich weiß nicht, wieso. Es läuft ja eigentlich gar nicht“.

Wie kommt man gegen Kettenhunde an? Bevor ich die theoretische Antwort gebe, hier die traurige Wahrheit: nur sehr, sehr schwer. Diese Jungs sind darauf geschult, dich zu reizen. Sie sind dabei wirklich gut. Eben noch ist man absolut gewillt, sich nur an der Fehlerliste zu orientieren und 10 Minuten später will man ihm seinen Kaffeelöffel in die Nase treiben. Viele kenne ja den oftmals gewöhnungsbedürften Verhandlungsstil mancher US Amerikaner („Ich sorge dafür, dass Du rausfliegst. Du bekommst hier kein Bein mehr an den Boden. Ich rufe morgen Deinen Chef an“) – aber die sind nix gegen gut ausgebildete Kettenhunde.

Jetzt die theoretische Antwort:
Kettenhunde haben nur ein Ziel: von den Fakten ablenken. Sie wollen die Sachebene unter allen Umständen verlassen. Also muss man unter allen Umständen selber einfach stur bei den Fakten bleiben – und das ist sauschwer.
Daneben sollte man sich klar machen, dass diese Leute keine Monster sind (die tun nur so) – sie machen nur ihren Job. Je mehr er mich als seelenlosen Gegner sieht, desto einfacher wird sein Job. Wenn es mir gelingt, eine positive emotionale Verbindung mit ihm aufzubauen, fällt es ihm umso schwerer, seine Rolle durchzuhalten. Doch Vorsicht: Je mehr man über sich selber preis gibt, desto mehr Angriffsfläche liefert man.
Wenn er z.B. weiß, dass man Frau und Kind hat, wird er unter Garantie Sätze wie „Wenn sie Zuhause so sind wie hier, wird ihr Kind ja in spät 5 Jahren drogenabhängig sein und im Knast sitzen“ raushauen…

Hier sind kleine, vorsichtige Schritte angebracht.

Es gibt übrigens noch eine 2. Lösung die witzigerweise oft übersehen wird: Einfach vom Kunden/Projektpartner ultimativ verlangen, dass der Mensch abgezogen wird und absolut jeden Kontakt mit dem Kettenhund verweigern.

Die Lügen des Herrn Schünemann

Man darf über First Person Shooter denken was man will. Man kann sie mögen, oder auch nicht.

Aber seit Jahren werden immer die gleichen Lügen erzählt.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann: „Durch Killerspiele sinkt die Hemmschwelle zur Gewalt. Amokläufer haben sich vor ihren Taten immer wieder mit solchen Spielen beschäftigt.“

Es gibt zwei Möglichkeiten:

Entweder, Herr Schünemann weiß es einfach nicht besser. Dann scheint er seinen Job schlecht zu machen.
Oder er weiß es besser und lügt bewusst.

Also: Dass Die Hemmschwelle zur Gewalt sinkt, konnte bislang durch keine Studie belegt werden. Fakt ist, dass es einige Studie gibt, welche diesen Schluss nahe liegen. Andere Studien ergeben genau das Gegenteil. In Wahrheit ist es so, dass ernsthafte Wissenschaftler darauf hinweisen, dass es bislang keine Metrik gibt, um die Gewaltbereitschaft in einer Studie überhaupt ernsthaft zu messen. Entsprechend kann es auch keine wissenschaftliche Studie zu dem Thema geben.

Und das alle Amokläufer vorher an Killerspielen trainiert haben? Falsch, falsch, falsch.

Wie die Medien mit den Thema umgehen, kann man sich hier anschauen:

Bei der Gelegenheit: Freitag ist Europawahl.

Ich bin so doof

Ich gleiche das Fachkonzept des Dienstleisters mit unseren Anforderungen ab. Einige Punkte fehlen, einige sind nicht vorgesehen und ein Punkt soll im Konzept sein obwohl ich ihn moniert habe.

Ich schaue nach: Nein, nicht da.
Doch, es soll Punkt 5.6.7.8.9 sein.

Ich schaue nochmal: Hmm, ich sehe ihn im Inhaltsverzeichnis, aber nicht in meinem Ausdruck. Muss wohl ein Fehler von Word bei der Nummerierung… ne, ist ja ein pdf. Hat der Dienstleister vielleicht den Druckbereich definiert, ist es ein Trick, ist es eine Verschwörung?

Oder bin ich einfach nur doof…

Tja, wenn man 4 Seiten pro Blatt ausdruckt (zweiseitig) und das Blatt dann falsch herum einheftet, kann schon mal ein Menüpunkt üersehen werden.

Argh… ich gehe wieder ins Bett.