Archiv für den Monat: Oktober 2009

Methode vs. Struktur im Projektmanagement

Im Laufe meiner Projektlaufbahn habe ich mich schon mit verschiedenen Methoden „herumschlagen“ dürfen. Zum Glück sind ja die schlimmsten Auswüche mittlerweile wieder aus der Mode. Aber auch unter den „agilen Methoden“ gibt es noch genügend Auswahl. Nur, ist das eigentlich überhaupt der richtige Weg?

Wir sind alle so völlig davon überzeugt, dass Projekte nach bestimmen Methoden und Verfahren abzuwickeln sind. Ein Projekt ohne entsprechende Methode ist (sobald es eine gewissen Größe überschritten hat) zum scheitern verurteilt. Anders geht es nicht. Geht es nicht?

Fragen wir doch mal die Ameise hinten im Garten, die gerade mit ihren Kollegen an dem Ameisenhausen arbeitet. „Hallo Ameise. Nach welcher Managementmethode arbeitet ihr hier denn so“. Antwort der Ameise „Häh?“. Die Ameisen haben eine (einigermaßen) klare Rollenverteilung, eine entsprechende Struktur. Aber sie kommen sicherlich ohne PMBOK oder V-Modell aus.

Das Zauberwort heißt: Struktur & wenige Regeln. Durch eine klare Struktur verringert sich der Zahl der Regeln. Klassisches Projektmanagement arbeitet oft mit vielen Regeln und ein wenig Struktur – also genau umgekehrt.

Ein anderes Beispiel. In Mumbai (vormals Bombay) existiert ein Transportsystem bei dem täglich rund 200.000 Essen von 5000 Personen transportiert werden. Inder legen viel Wert auf ihr Essen und lassen sich daher das Essen ihrer Frau / Mutter an den Arbeitsplatz bringen. Dieses Transportsystem ist erstaunlich gut. Nur eines von 16 Mio. Essen kommt nicht an (zum Vergleich: die Fehlerquote für fehlgeleitetes Gepäck am Flughafen Frankfurt liegt bei 1:1000). Die Zusteller, die Dabbawalas sind dabei genossenschaftlich organisiert. Details zu dem System findet man z.B. in einer Reportage des ZDF:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/796628?inPopup=true

Dabbawalas und Ameise haben etwas gemeinsam. Durch eine sehr schlaue Struktur verringert sich die Anzahl der notwendigen Regeln.

Warum sind Strukturen bessern als Regeln? Ganz einfach. Regeln muss man lernen. Regeln schränken ein. Regeln sind oftmals zu starr aber es ist für einzelne Personen schwierig zu erkennen, wann man eine Regel besser nicht befolgt.

Strukturen sind dagegen besser. Oder, um jetzt mal die Brücke zum Projektmanagement zu schlagen, nennen wir es nicht Strukturen, nennen wir es Rollen. Ich definiere für ein Projekt Rollen, einfache Kommunikation und einfache Regeln. Dies kann aus meiner Sicht in vielen Fällen erfolgreicher sein, als jede noch so agile Projektmanagementmethode.

Ich habe es getan: Kindle

Ab dem 19.10. wird Amazon den E-Book Reader Kindle auch nach Deutschland verkaufen. Leider nur den Kindle 2 und nicht die neue Kindle DX Version, aber wir wollen ja nicht undankbar sein. Ich habe natürlich sofort eine Bestellung aufgegeben. Mal schauen, wann ich wirklich einen bekomme.

Es gibt jedoch auch einige dunkle Seiten.

Buchbestand
Klar, aktuell sind 99% der Bücher und Zeitungen englischsprachig. Es gibt Ausnahmen wie die FAZ. Aber das wird sich vermutlich bald ändern. Und natürlich gibt es Ärger mit dem Lizenzrecht.
So kann man das neue Buch von Dan Brown, The Lost Symbol, nicht kaufen, wenn man in Europa wohnt. Ich fliege bald für ein paar Tage in die USA. Jetzt stellt sich mir ja folgende Frage: In den USA könnte ich das Buch einfach in papierform kaufen und dann damit nach Deutschland fliegen. Kann ich jetzt auch in den USA das Buch für mein Kindle kaufen und dann damit fliegen? Vermutlich werde ich das nicht kaufen können.
Digitales Rechtemanagement in einer globalisierten Welt ist Dreck!

Kosten
Wenn ich über Amazon ein E-Book kaufe, wird mir das per UMTS (sic!) auf mein Kindle geladen. Hierzu hat das Kindle eine SIM Karte von AT&T (nochmal sic!) drin. Amazon hat sich nicht mit einem deutschen Mobilfunkanbieter über die Kosten einigen können und hat nun eine Lösung mit AT&T gefunden.
Eine zweite Möglichkeit sein Kindle über die Luft zu befüllen besteht darin, ihm eine E-Mail mit der Daten zu schicken. Das kostet dann jedoch extra Gebühren. In den USA sind dies 15cent/MB.
In Deutschland ist es ein klein wenig teurer: $0.99 / MB. WTF?!? Damit werden wohl die teuren Roaming Gebühren für AT&T finanziert. Eigentlich dachte ich, ich könnte mir täglich die PDF Version der TAZ auf mein Kindle schicken lassen. Das digitale Abo kostet 10 EUR. Aber eine Ausgabe hat rund 18MB. Also müsste ich rund 12 EUR pro Ausgabe für die Übertragung bezahlen. Das ist natürlich Mist.
Doppelte Käufe?
Ich habe mir einige LPs später nochmal aus CD gekauft. Das fand ich zwar doof, hatte aber zumindest einen Vorteil: Die Audio-Qualität war besser (und bevor jetzt HiFi Freaks argumentieren: Ich hatte eine Schneider Team 24 Anlage – da war die CD ein riesiger Fortschritt…). Bücher sind Bücher sind Bücher.
Trotzdem müsste ich jetzt Bücher die ich schon habe nochmal kaufen, um sie auch auf dem Kindle zu haben. Gut, das einige Fachverlage Buchkäufern die Möglichkeit geben, ein Buch auch als PDF herunterzuladen. Und ganz ehrlich. Ich hätte kein schlechtes Gewissen, mir ein schon gekauftes Buch als pdf aus dem Internet zu laden.

BTW: Bislang habe ich übrigens die aktuellen Perry Rhodan Folgen auf meinem iPhone gelesen (ER 1,59 pro Folge). Dankenswerterweise kann man auch ein PDF-Abo abschließen ca. 1,30 pro Folge). Ich meine, wenn das kein Argument für ein Kindle ist …

Launch

Das sind die Tage, an denen mir mein Beruf wieder wie eine Berufung vorkommt und Soaß macht. Das Projekt ist endlich online.

Es hab viel Arbeit. Es gibt vermutlich die ein oder andere Person, die mich nicht mehr ganz so lieb hat. Es gibt Leute, mit denen die Zusammenarbeit sehr nett war.
Es gab die üblichen, endlosen inhaltlichen Diskussionen und es gab massives Time-Boxing, um der Termin zu halten.

Jetzt ist die schönste Zeit im Projekt. Alle sind zufrieden mit dem Ergebnis und bis die ersten massiven Probleme auftauchen wird es noch ein paar Tage dauern.

Alle Beteiligten sind sicherlich stolz auf „ihr Baby“ und sehr gespannt, wie es weiter gehen wird.

Also der ideale Zeitpunkt, sich zurückzulehnen und sich die nächsten Tage nur dem Vergleich von Milford und Talisker hinzugeben :-)