Guerilla Projektmanagement

IT Projekte und Zeuch

Methode vs. Struktur im Projektmanagement

Im Laufe meiner Projektlaufbahn habe ich mich schon mit verschiedenen Methoden „herumschlagen“ dürfen. Zum Glück sind ja die schlimmsten Auswüche mittlerweile wieder aus der Mode. Aber auch unter den „agilen Methoden“ gibt es noch genügend Auswahl. Nur, ist das eigentlich überhaupt der richtige Weg?

Wir sind alle so völlig davon überzeugt, dass Projekte nach bestimmen Methoden und Verfahren abzuwickeln sind. Ein Projekt ohne entsprechende Methode ist (sobald es eine gewissen Größe überschritten hat) zum scheitern verurteilt. Anders geht es nicht. Geht es nicht?

Fragen wir doch mal die Ameise hinten im Garten, die gerade mit ihren Kollegen an dem Ameisenhausen arbeitet. „Hallo Ameise. Nach welcher Managementmethode arbeitet ihr hier denn so“. Antwort der Ameise „Häh?“. Die Ameisen haben eine (einigermaßen) klare Rollenverteilung, eine entsprechende Struktur. Aber sie kommen sicherlich ohne PMBOK oder V-Modell aus.

Das Zauberwort heißt: Struktur & wenige Regeln. Durch eine klare Struktur verringert sich der Zahl der Regeln. Klassisches Projektmanagement arbeitet oft mit vielen Regeln und ein wenig Struktur – also genau umgekehrt.

Ein anderes Beispiel. In Mumbai (vormals Bombay) existiert ein Transportsystem bei dem täglich rund 200.000 Essen von 5000 Personen transportiert werden. Inder legen viel Wert auf ihr Essen und lassen sich daher das Essen ihrer Frau / Mutter an den Arbeitsplatz bringen. Dieses Transportsystem ist erstaunlich gut. Nur eines von 16 Mio. Essen kommt nicht an (zum Vergleich: die Fehlerquote für fehlgeleitetes Gepäck am Flughafen Frankfurt liegt bei 1:1000). Die Zusteller, die Dabbawalas sind dabei genossenschaftlich organisiert. Details zu dem System findet man z.B. in einer Reportage des ZDF:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/796628?inPopup=true

Dabbawalas und Ameise haben etwas gemeinsam. Durch eine sehr schlaue Struktur verringert sich die Anzahl der notwendigen Regeln.

Warum sind Strukturen bessern als Regeln? Ganz einfach. Regeln muss man lernen. Regeln schränken ein. Regeln sind oftmals zu starr aber es ist für einzelne Personen schwierig zu erkennen, wann man eine Regel besser nicht befolgt.

Strukturen sind dagegen besser. Oder, um jetzt mal die Brücke zum Projektmanagement zu schlagen, nennen wir es nicht Strukturen, nennen wir es Rollen. Ich definiere für ein Projekt Rollen, einfache Kommunikation und einfache Regeln. Dies kann aus meiner Sicht in vielen Fällen erfolgreicher sein, als jede noch so agile Projektmanagementmethode.

9 thoughts on “Methode vs. Struktur im Projektmanagement

  • zuerst mal Hallo, sehr guter Beitrag. Eine stabile Rollenzuordnung ist eines der Fundamente auf denen ein gutes Projektteam entsteht, insofern ist „Rollen (Struktur) vor Regeln“ ein guter Ansatz. Interessanterweise fokussiert z.B. Scrum sehr stark auf Rollen.

  • Frank sagt:

    Guter Ansatz, aber mal im Ernst:

    Es sind weder die Strukturen noch die Regeln. Es sind die Menschen und die werden es auch bleiben. Die Schuld liegt bei uns. Halten wir uns nicht an Regeln, warum sollten wir uns dann an Strukturen halten?

  • […] Guerilla Projektmanagement – subversive IT Projekte und Zeug » Methode vs. Struktur im Projektmanag… http://www.guerilla-projektmanagement.de/index.php/archives/2009/10/12/methode-vs-struktur-im-projektmanagement – view page – cached Im Laufe meiner Projektlaufbahn habe ich mich schon mit verschiedenen Methoden “herumschlagen” dürfen. Zum Glück sind ja die schlimmsten Auswüche mittlerweile wieder aus der Mode. Aber auch… (Read more)Im Laufe meiner Projektlaufbahn habe ich mich schon mit verschiedenen Methoden “herumschlagen” dürfen. Zum Glück sind ja die schlimmsten Auswüche mittlerweile wieder aus der Mode. Aber auch unter den “agilen Methoden” gibt es noch genügend Auswahl. Nur, ist das eigentlich überhaupt der richtige (Read less) — From the page […]

  • Pinky sagt:

    Hi, interessanter Artikel – könntest Du ein veranschaulichendes Beispiel geben, wie in einem konkreten Projekt die klare Rollenverteilung zum Projekterfolg bei getragen hat?

  • sascha sagt:

    Ich halte es da wie Frank. Es kommt auf die Mischung an und am Ende immer auf den Menschen. Ob er sich an Regeln hält. Denn im Endeffekt sind auch Rollen nix anderes als Regeln. Es muss sich an die Regeln der Rolle gehalten werden. Sonst kommt es auch wieder zum Chaos. Am Ende ist es die Disziplin und das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen, auf die es ankommt. Und da kann dir jedes faule Ei die Suppe zerstören.

    Ich halte den Ansatz deswegen nur für bedingt tauglich. Es ist ein komplexes Thema, das eben wegen des entscheidenden Punktes Mensch unvorhersehrbar ist und es kein Ei des Kolumbus gibt.

  • […] Guerilla-Projektmanagement gibt es einen knackigen Beitrag Methode vs. Struktur im Projektmanagement. Er fokussiert auf den Aspekt der “Rollen”, die m.E. einen wesentlichen Beitrag zur […]

  • surfguard sagt:

    „Ich definiere für ein Projekt Rollen, einfache Kommunikation und einfache Regeln. Dies kann aus meiner Sicht in vielen Fällen erfolgreicher sein, als jede noch so agile Projektmanagementmethode.“

    Das ist kein Gegensatz zu Agilität, sondern eine ziemlich genaue Beschreibung des agilen Ansatzes.

  • Andreas sagt:

    Methoden und Strukturen sind nur organisatorische Hilfstechniken, die auch modischen Veränderungen unterliegen, mit denen man versucht, die in einem Projekt beteiligten Menschen optimal miteinander an der Erreichung der Projektziele arbeiten zu lassen. Wenn man es schlecht macht, werden gute Projektteilnehmer behindert, wenn man es gut macht, werden schlechte Projektteilnehmer aber nicht besser. Der Erfolg (nicht Misserfolg) eines Projektes hängt nicht von den verwendeten Hilfstechniken ab, sondern von der Fähigkeit aller Projektteilnehmer.

    Von daher ist es völlig egal, welche „organisatorischen Hilfstechniken“ ein Projektmanager verwendet, wenn er denn gut ist.

    Ausser natürlich in größeren Projekten, also solchen in denen es einen fachbereichsübergreifenden „Lenkungsausschuss“ gibt. Da ist es wichtig, die richtigen Hilfstechniken zu verwenden um hinterher belegen zu können, dass man am Misserfolg nicht schuld ist und alles richtig gemacht hat.

  • Werner sagt:

    Hallo,

    zum PMBoK: je mehr ich darüber wirklich lerne, desto weniger sicher bin ich, wie der Prozess eigentlich gedacht ist – das ist wohl Absicht: ISO 9000 ist z.B. auch ein Regelwerk für Regelwerke, man kann also beliebigen Unsinn damit festlegen.

    Das ist bei PMI / PMBoK nicht ganz so, etwas pragmatischer weil amerikanischer (sie verdienen auch mehr Geld damit…) PMBoK sagt eher wenig darüber, WIE etwas genau zu erfolgen hat, auch der Plan-First-Ansatz vergangener Zeiten wurde deutlich aufgeweicht. Warum dann das Ganze? Wenn man mal wieder einen Jumbo-Jet-Prototypen baut, passt das, ok, tut man nicht jeden Tag, nicht jede Lösung passt zu jedem Problem.

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