Archiv für den Monat: August 2006

Entscheidungsgrundlagen von Beratern

Vergleicht man die Vorschläge und Ideen externer und interner Mitarbeiter hat man oft das Gefühl, dass externer Berater oft einen Schritt weiter gehen, als die internen Mitarbeiter. Ihre Ideen scheinen etwas mutiger zu sein.

Das führt in manchen Firmen zu der – leider falschen – Schlussfolgerung, man habe halt keine guten Mitarbeiter und es sei viel schlauer, wenn man die externen Berater möglichst lange behält. Quasi als Ersatz für interne Mitarbeiter.

Die Grund, warum wir Berater manchmal auf anderer Ideen kommen, liegt jedoch ganz woanders: Wir können befreiter aufspielen.

Der interne Mitarbeiter muss sehr viele Faktoren bei seinen Überlegungen berücksichtigen. Wie wirkt sich die Entscheidung auf die Karriere aus? Schade ich mit der Maßnahme der Firma? Was passiert ist 5/10/15 Jahren? Was denken meine Kollegen über mich?

Der externe Berater hat es einfacher: Er macht einen Vorschlag. Wird der Vorschlag nicht angenommen und es geht etwas schief kann er immer sagen „hättet ihr mal auf mich gehört“. Wir der Vorschlag angenommen und es funktioniert ist er der Held. Funktioniert es nicht, wird er zwar vermutlich den Auftrag verlieren, aber selten seinen Ruf so nachhaltig schädigen, dass er keinen neuen Auftrag findet. Er hat also viel weniger Konsequenzen zu befürchten und muss mit den Ergebnissen nicht selber leben. Wenn die Firma in die Pleite beraten wurde, ziehen die „Beraterzecken“ weiter.

Oder anders ausgedrückt: Müssten Architekten in allen ihren Entwürfen selber leben, sähen Häuser anders aus.

Wenn man das im Hinterkopf behält, fällt es vermutlich einfacher, gute von schlechten Beratern zu trennen:

Wirklich schlechte Berater spielen eh‘ nur Berater-Theater. Sie sagen dem Kunden, was er eh‘ hören möchten. Neue Ideen: fehlanzeige. Solche Leute sind eine Plage. Erinnert ihr euch noch an eure Schulzeit? Da gab es in der Klasse immer diesen Schleimer. Er hat nie selber was gewusst, sondern einfach nur das zusammengefasst, was die 5 Schüler vor ihm gesagt haben. Und die meisten Lehrer sind darauf reingefallen. Oh man, die habe ich diese Typen gehasst. So sind schlechte Berater.

Der bessere Berater wiederspricht seinem Kunden wenn es nötig ist und versucht ihn zu seinem besten zu beeinflussen.

Gute Berater sind bereit auch in dem Haus zu leben, das sie gebaut haben. Wenn ein guter Berater eine CRM Lösung designed, wird er vielleicht selber mal eine Woche im Call-Center zubringen um zu schauen, ob das alle so klappt, wie er sich das vorstellt.

Projekt06 ruft

Ich habe Projekt06 eigentlich auf eigenen Wunsch beendet. Eigentlich wollte ich das auch auf gar keinen Fall weitermachen.

Aber jetzt hat der Kunde sich gemeldet und möchte mich wieder haben. Ist ja irgendwie eine schöne Form der Wertschätzung.

Soll ich, soll ich nicht …

Ach, warum nicht. Passt in meinen Terminkalender noch rein und gehen kann ich ja immer noch.

Depp!

Ich war schlau:
Ich habe mir einen Schirm gekauft, eine ganz winzigen Schirm zum ausklappen, den ich jetzt immer mitnehmen kann.

Ich war so stolz auf mich, dass ich den gestern Abend auch in den Koffer gepackt habe.

Den Koffer wollte ich dann nicht zum Kunden mitschleppen und habe ihn im Bahnhof eingeschlossen.

Draußen regnet es …

Leben in der Provinz

Ich habe in Hamburg gelebt. Und in Berlin. Auch in Frankfurt. Und natürlich bin ich Ruhri mit Leib und Seele (Ruhri= Bewohner des Ruhrgebietes, in meinem Fall Dortmund).

Jetzt wohne ich in der Provinz. Ok, was heißt schon Provinz. Mittlerweile hat jedes Kaff die gleichen Läden und auch bzgl. Fastfood nähern sich die Städte an. Meine Provinzstadt hat Subway, Starbacks und KFC – ist also recht gut ausgestattet.

Wiglaf Droste hat mal geschrieben, das wahre Glück fände man nur in der Provinz. Das klingt nett. Auf der anderen Seite hasse ich Drostes Kolumne in der TAZ heiß und innig. Es ist schon vorgekommen, dass ich wegen seinem Geschreibe die Zeitung zusammengeknüllt und ich die Ecke geworfe habe. Meistens lese ich ihn erst gar nicht, nur wenn ich nicht aufpassen. Dann merke ich es aber meistens nach einem Absatz. Wie auch immer. eigentlich ist der Droste ja ein schlauer Mensch und sein Auftritt bei Zimmer Frei fand ich sehr nett – im krassen Gegensatz zu seiner Schreiberei.

Jetzt lebe ich also in der Provinz. Und, wie fühlt es sich an? Als erstes ist mir aufgefallen, was hier alles nicht ist: Man kann sich in der City um die eigene Achse drehen und sieht keinerlei Graffiti. Die Ausländerquote liegt knapp bei 0%. Man hat das Gefühl, die einzigen Ausländer die man sieht, sind die Betreiber von Dönerladen und Chinaimbiss. In Berlin Moabit, wo ich mal gewohnt habe, liegt die gefühlte Ausländerquote bei ca. 80%. Da ist es schon ungewohnt. Vertreter alternativer Jugendkulturen – Punks, Gothics etc. – sind mir bislang auch nicht massiv über den Weg gelaufen. Sollten die denn nicht in der City an einem Brunnen sitzen oder so? Wo sind die?!?

Alles ist so … sauber. Man fühlt sich ein wenig wie in dem Film Die Frauen von Stepford. Ständig habe ich das Gefühl, irgendwas stimmt nicht. Gleich reißen die Leute ihre Maske runter und essen mich auf – oder so.

Die Bewohner der Provinz sind für einen Großstädter auf der ersten Blick gewöhnungsbedürftig. Sie… sie reden. Wer die Anonymität der Großstadt gewohnt ist, ist erstmal überfordert mit der Tatsache, dass sich die Nachbarn für einen Interessieren. Und Fragen stellen. Und etwas von sich selber erzählen. Also nicht nur Belanglosigkeiten, echte Informationen. Die Menschen sind aneinander interessiert – völlig neue Erfahrung.

Außerdem erzählen sie mir ständig, wie schön es hier doch sei und wie gut man hier leben könne. Ich hege daran keinerlei Zweifel. Aber die Häufigkeit mit der mir diese Information zugetragen wird lässt vermuten, die Leute seien dazu gezwungen worden soetwas zu erzählen. Vielleicht liegt es auch am Trinkwasser. Wer weiß, was da rein gemischt wird.

Fazit: Man kann tatsächlich in der Provinz wohnen. Vielleicht schreibt Herr Droste doch nicht nur Unsinn …

Mitarbeiter? Welche Mitarbeiter?

Und da war da noch der Bereichsleiter einer großen Firma. Er hatte rund 100 Leute in verschiedenen Abteilungen unter sich. Ich sollte ein IT Konzept erstellen.

Nach ein paar Tagen bekam ich das Gefühl, es sei besser dem Kunden vorzuschlagen, sich statt auf Inhalte, erstmal auf Prozesse zu konzentrieren. Hier sah ich bessere Erfolgschancen.

Ein Vorschlag: Zur Erstellung des Konzeptes befragen wir die Mitarbeiter welche Verbesserungsmaßnahmen sie für sinnvoll erachten – schließlich arbeiten sie täglich mit dem System und kennen es entsprechend gut.

Die Antwort: „Ich höre hier doch nicht auf jeden Hansel!“

Nun sehe ich das ja ein wenig anders. 80% aller gescheiterten Projekte scheitern an Kommunikationsproblemen. Was lernen wir daraus? Offenbar zu wenig …

Was ist mit dem Datum

Den ganzen Tag schon schaue ich aufs Datum: 9.8. Irgendwas in meinem Kleinhirn schlägt Alarm. Ich komm‘ einfach nicht drauf. Habe ich einen Geburtstag vergessen? Hotelbuchung? Keine Ahnug.

Jetzt weiß ich es wieder: Ich muss bis morgen meine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben und wollte das am Wochenende erledigt haben.

Argh …

Veränderungen

„Die Black Eyed Peas waren viel besser, bevor die blonde Schlampe dazu kam“

Menschen mögen keine Veränderungen. Wir behaupten zwar immer, wir seien für Veränderungen. Aber in Wirklichkeit wollen wir, dass alles um uns herum hübsch so bleibt, wie es immer war. Es ist zwar nicht ideal, aber man kennt es. Unbekanntes führt zu Angst.

Dummerweise ist es aber genau der Job von uns Beratern: Dinge zu ändern. Das führt uns – und vor allem unsere Auftraggeber – in eine Zwickmühle. Wir sollen Dinge verändern, aber es soll bloß nichts anders werden.

Eine Möglichkeit aus der Nummer mit heiler Haut wieder herauszukommen ist es, erst gar keine großen Veränderungen anzukündigen. Auch wenn am Ende kein Stein mehr auf dem anderen liegt, nur keine Hektik erzeugen: „Im Prinzip sieht es ja gut aus, wir müssen nur hier und dort ein paar Kleinigkeiten ändern, dann läuft das schon“.

Das in so ungefähr wie beim Arzt wenn er sagt „Es könnte jetzt vielleicht ein wenig weh tun“. Hat jemand schon mal von einem Arzt gehört, es würde jetzt richtig übel werden? Natürlich nicht. Das merkt man ja auch selber schon früh genug. Selbst wenn der Zivi die mit Mehl besteute Brandwunde mit der Bürste reinigen muss: „So, das wird jetzt ein wenig unangenehm werden“.

Ganz fatal ist es für einen Berater, einen kompletten Richtungswechsel vorzuschlagen. Hier greift eine 80/20 Regel: Egal, worum es geht. Jede Lösung muss zu 80% aus Bekanntem bestehen. 20% dürfen neu und unbekannt sein.

Wenn also der Berater das nächste Mal sagt, im Prinzip müsste man das Projekteam nur an der ein oder anderen Stelle ein wenig unterstützen meint er vielleicht „Das ist eine Horde von unfähigen Trotteln die ich jetzt erstmal ordentlich einnorden werde“…

Die Beraterkrankheit

Gibt es eine Berufskrankheit bei Beratern?

Definitiv! Es sind allerdings weniger körperliche Probleme. Natürlich hinterlassen die Wochen im Hotel mit vielen Geschäftsessen und einer aus Langeweile geleerten Minibar ihre Spuren. Aber das bekommt man mit genügend Sport wieder hin.

Nein, es gibt eine viel schlimmere Krankheit an der wir Berater leider. Und unglücklicherweise ist die Heilung extem schwierig. Unsere Krankheit: Wir lösen Probleme.

Jetzt mag jemand einwerfen: Wie bitte? Natürlich lösen Berater Probleme. Das ist doch nun mal ihr Job. Wo ist da die Berufskrankheit.

Klar, die Aufgabe eines Berater ist es, Probleme zu lösen. Der Haken ist nur: Wir können nicht damit aufhören. Wir lösen immer und überall Probleme. Die Welt ist unvollkommen. Die Welt um uns herum besteht quasi nur aus Problemen. Und wie ein dressierter Hund springen wir sofort los, wenn wir ein Problem finden.

Es ist zu mühsam, im Urlaub den Strandkorb zur Sonne hin auszurichten? Kein Ding: Dann baue ich doch eben mal eine Vorrichtung, den „automatischen Strandkorbdreher“. Die Freundin macht eine Onlineschulung. Kein Problem, verraten wir ihr doch einfach die Lösungen. Geht doch dann viel schneller als wenn sie es selber macht.

Auf dem Weg von der Wohnung zur Waschküche sehe ich:
– Ein lockeres Schanier an der Kellertür
– Eine klemmende Tür
– Holzreste in einer Ecke
– Schimmel an einer Wand
– lockere Türgriffe an der Tür zu Waschküche

Ich mach das mal eben … Und um 19:55 renne ich zum C&A und kaufe mir frische Socken. Zum Waschen bin ich leider nicht mehr gekommen.

Zu allem Unglück haben wir gelernt, nicht nur ergebnisorientiert zu denken, sondern Probleme auf eine Meta-Ebene für alle Zeiten zu lösen. Statt den Rasen zu mähen planen wir also erstmal, wie man in Zukunft den Rasen nicht in 35, sondern in 32 Minuten schneiden kann. Sind die Planungen abgeschlossen, ist der Rasen zu hoch für einen normalen Rasenmäher. Super: Ich wollte schon immer eine Sense haben. Aber dafür muss ich den Umgang erst lernen und einen Kurs belegen und vielleicht ist das Schaf auch die bessere Lösung.

Dazu kommt noch das „Desaster-Phänomen“. Wir Berater werden ja meistens erst dann hinzugeholt, wenn die Lage aussichtslos erscheint. Warum sollte man sich einen externen Berater holen, wenn das Projekt super läuft. Die Projekte die wir zu Gesicht bekommen sind meistens die Projekte, an die schon meiner mehr glaubt. Die Alltagsprobleme sind aber lösbar, also stürzen wir uns mit Freunde drauf um mal wieder Erfolgserlebnisse zu haben (wobei: Die Frage, wie ich die Boxenkabel in dem L-förmigen Wohnzimmer verlegen ist nicht zu meiner Zufriedenheit gelöst …).

Schlussanmerkung: Ok, so schlimm es natürlich nicht. Ich übertreibe manchmal. So, jetzt mache ich mir eine Suppe. Vorher räume ich aber noch den Schrank mit den Töpfen um, man kommt da so schlecht an die großen Töpfe. Dafür muss ich aber erst die Pfannen umräumen. Und wenn ich schon mal dabei bin, dass Bohrloch dort in der Ecke …

Schallplatten

Vier Umzüge lang habe ich sie mitgeschleppt, meine Plattenkisten. Immer wieder geflucht, aber was soll ich machen?

Wegwerfen? Doch wohl nicht! Bei Ebay verkaufen? Zu Umständlich! Also habe ich tapfer die Kisten in jeder neuen Wohnung in eine einigermaßen trockene Ecke gestellt und sie bis zum nächsten Umzug vergessen. Wer braucht Schallplatten, wenn man seine CD’s eh‘ schon alle digitalisiert hat?

Jetzt war es soweit: Für die neue Wohnung habe ich einen Plattenspieler angeschafft. Nix dolles, aber jemand der wie ich mit einer „Schneider Team 24“ Anlage aufgewachsen ist hat auch keine riesigen Ansprüche.

Also los. Den Plattenspieler an den neuen AV Reciever (Yamaha RX-V 659) angeschlossen und nachgedacht: Womit fange ich an? Klare Entscheidung: Led Zeppelin „The Song Remains The Same“.

21…22… Wow! 2. Versuch, Genesis „Nursery Cryme“: Dafür hätte ich die Kisten noch 10 weitere Umzüge geschleppt.

Alleine das Ritual des Plattenauflegens weckt Erinnerungen (Vorsicht aus der Schutzhülle nehmen, die Platte im Licht drehen und nach Kratzern suchen, auflegen, Staub abwischen, starten): Ja, Musik war mal wichtig. Musik hatte mal eine Bedeutung. Die richtige Platte konnte über Freundschaft oder Ablehnung entscheiden. Platten waren wichtig. Noch heute weiß ich, dass [der Name soll nicht genannt werden, aber du weißt schon das du gemeint bist, Frank] meine neue Pink Floyd ausgeliehen und dann auf die Hutablage seines Autos gelegt hat. Ergebnis: eine total verwellte, unbrauchbare Platte. Sowas vergisst man nie…

Ok, jetzt der finale Test: Chick Corea „Children’s Songs“. Ich habe LP und CD. Also spiele ich beides parallel und vergleiche.

Ergebnis: Wer braucht CDs?