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Leben in der Provinz

Ich habe in Hamburg gelebt. Und in Berlin. Auch in Frankfurt. Und natürlich bin ich Ruhri mit Leib und Seele (Ruhri= Bewohner des Ruhrgebietes, in meinem Fall Dortmund).

Jetzt wohne ich in der Provinz. Ok, was heißt schon Provinz. Mittlerweile hat jedes Kaff die gleichen Läden und auch bzgl. Fastfood nähern sich die Städte an. Meine Provinzstadt hat Subway, Starbacks und KFC – ist also recht gut ausgestattet.

Wiglaf Droste hat mal geschrieben, das wahre Glück fände man nur in der Provinz. Das klingt nett. Auf der anderen Seite hasse ich Drostes Kolumne in der TAZ heiß und innig. Es ist schon vorgekommen, dass ich wegen seinem Geschreibe die Zeitung zusammengeknüllt und ich die Ecke geworfe habe. Meistens lese ich ihn erst gar nicht, nur wenn ich nicht aufpassen. Dann merke ich es aber meistens nach einem Absatz. Wie auch immer. eigentlich ist der Droste ja ein schlauer Mensch und sein Auftritt bei Zimmer Frei fand ich sehr nett – im krassen Gegensatz zu seiner Schreiberei.

Jetzt lebe ich also in der Provinz. Und, wie fühlt es sich an? Als erstes ist mir aufgefallen, was hier alles nicht ist: Man kann sich in der City um die eigene Achse drehen und sieht keinerlei Graffiti. Die Ausländerquote liegt knapp bei 0%. Man hat das Gefühl, die einzigen Ausländer die man sieht, sind die Betreiber von Dönerladen und Chinaimbiss. In Berlin Moabit, wo ich mal gewohnt habe, liegt die gefühlte Ausländerquote bei ca. 80%. Da ist es schon ungewohnt. Vertreter alternativer Jugendkulturen – Punks, Gothics etc. – sind mir bislang auch nicht massiv über den Weg gelaufen. Sollten die denn nicht in der City an einem Brunnen sitzen oder so? Wo sind die?!?

Alles ist so … sauber. Man fühlt sich ein wenig wie in dem Film Die Frauen von Stepford. Ständig habe ich das Gefühl, irgendwas stimmt nicht. Gleich reißen die Leute ihre Maske runter und essen mich auf – oder so.

Die Bewohner der Provinz sind für einen Großstädter auf der ersten Blick gewöhnungsbedürftig. Sie… sie reden. Wer die Anonymität der Großstadt gewohnt ist, ist erstmal überfordert mit der Tatsache, dass sich die Nachbarn für einen Interessieren. Und Fragen stellen. Und etwas von sich selber erzählen. Also nicht nur Belanglosigkeiten, echte Informationen. Die Menschen sind aneinander interessiert – völlig neue Erfahrung.

Außerdem erzählen sie mir ständig, wie schön es hier doch sei und wie gut man hier leben könne. Ich hege daran keinerlei Zweifel. Aber die Häufigkeit mit der mir diese Information zugetragen wird lässt vermuten, die Leute seien dazu gezwungen worden soetwas zu erzählen. Vielleicht liegt es auch am Trinkwasser. Wer weiß, was da rein gemischt wird.

Fazit: Man kann tatsächlich in der Provinz wohnen. Vielleicht schreibt Herr Droste doch nicht nur Unsinn …

2 thoughts on “Leben in der Provinz

  • Nicolas Kübler sagt:

    Ich bin in der Provinz aufgewachsen und konnte es nicht erwarten diese zu verlassen.

    Für jemand von Welt bietet die Provinz zwar Ruhe, aber zu viel Ruhe für meinen Geist. Man hat eben überall die Spar-Version, egal ob man beim Einkaufen durch ein kleines Sortiment beengt wird oder ob nur gewisse kulturelle Dinge vorhanden sind.

    Nachbarn können sehr herzlich sein, aber wenn mal was nicht passt, dann ist schnell der Spass vorbei und der unerbittliche Krieg beginnt.

    Abends weggehen geht sowieso nur immer in die gleichen Restaurants, weil es von jeder Sorte maximal eines gibt :)

    Achja die Neugierde der Nachbarn als Interesse zu beschreiben hilft auch nicht! Und noch einen Tipp: In der Provinz immer mit dem Strom fließen, weil alle andere sind nicht erwünscht. Schließlich herrschen hier noch Zeiten wie zu Ende des vorletzten Jahrhunderts (19 Jh).

    Klar hat die City ihre schlechten Seiten, aber es gibt ja auch eine Vorstadt :)
    Und ich gebe mich lieber mit Jungen Menschen mit einer vielfältigen Lebensweise ab, als mit alten Senilen für die stock-konservativ sind.

    Dieser Text ist natürlich sehr von meiner subjektiven Sichtweise geprägt, ich hoffe dass Sie bessere Erfahrungen machen.

  • anja sagt:

    Sven wohnt also in der Provinz. Damit bezeichnet er die drittgrößte Stadt Niedersachsens, die 165000 Einwohner hat, eine Uni, eine gute Infrastruktur mit vielen Kneipen, Schwimmbädern, Fitnessstudios, Geschäften, Fußgängerzone und Vororten. Ganz ehrlich, wenn du über Provinz reden willst, dann wohn erst mal in einem echten Kaff!

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