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Software: Make or Buy

Wenn es um die Einführung meiner Software geht, wird gerne im ersten Schritt eine Entscheidung getroffen, ob man die Software neu entwickeln lässt, oder eine vorhandene „Standardsoftware“ einsetzt.

Grundlage der Entscheidung ist oft einfach der Preis. Die Entscheidung für eine vorhandene Software wird damit begründet, dass es ja viel preiswerter sei, eine schon bestehende Software zu integrieren. Man erkauft sich damit zwar weniger Flexibilität, aber das wird in Kauf gekommen.

Und dann kommt das böse Erwachen …

Ist die Integration von vorhandener Software wirklich preiswerter, als eine individuelle Entwicklung? Schauen wir doch mal auf das Geschäftsmodell der Anbieter. Ab einer bestimmten Komplexitätsstufe (wir sprechen hier nicht von Massenware) machen die Firmen im Durchschnitt 80% ihres Umsatzes eben nicht mit dem Lizenzgeschäft, sondern mit Beratungs- und Integrationsleistung (20% Lizenzgeschäft). Viele Firmen wären froh, wenn das Verhältnis bei ihrem Projekt „nur“ 80/20 beträgt. Nicht selten liegen die Integrationskosten bei 90% der Gesamtsumme.

Das Argument für dieses Vorgehen lautet natürlich, dass man für die „10%“ keine Software schreiben könne und Integrationskosten immer anfallen. Ja, schon. Aber: Wann sind die Integrationskosten höher? Bei einer Individualentwicklung, oder bei der Integrations von Standardsoftware? Sicher bei der Standardsoftware. Wo sind nachträgliche Änderungen teurer? Auch Standardsoftware!

Ich behaupte, in sehr vielen Fällen hat man bei der Entscheidung contra Individualentwicklung höhere Kosten als erwartet – und dazu noch unzufriedene Anwender.

Die Lösung: Ich denke, in naher Zukunft wird man sich von Standardsoftware entfernen. Statt dessen wird es einen Bauchladen an Komponenten geben aus denen der Anbieter die Lösung individuell zusammenbaut. Wenn etwas fehlt, wird es programmiert.

Wichtig, am Rande: Wenn ein Anbieter einem erzähl, bei ihm lägen die Integrationskosten unter 80% der Lizenzkosten sollte man in 4 von 5 Fällen aufstehen und gehen! Es gibt einige innovative Anbieter, bei denen das tatsächlich stimmt. Aber die sind auch gerne bereit, ihre Behauptung per Demoinstallation unter Beweis zu stellen.

3 thoughts on “Software: Make or Buy

  • Alex sagt:

    Zwei Links zum Thema (ich verdiene nix dran, also bitte keine Rechnung stellen)
    1. http://www.softwarefactories.com Da ist viel zu dem Thema zu finden – insbesondere „Infrastrukturelles“ – eher Allgemein
    2. http://www.autosar.org – Was eher spezielles zu dem Thema

    Aber mal ganz davon abgesehen, verstehe ich noch nicht so ganz wo du in diesem Zusammenhang genau zwischen Individual- und Standardsoftware trennst. In meinem letzten Projekt habe ich quasi ein Informationssystem für einen „Bauchladen“ geschrieben, dabei waren die Komponenten selbst wieder Eigenentwicklungen. Meine aktuelle Firma wiederum verdient viel Geld damit Komponenten anderen Firmen zur Verfügung zu stellen. Will also sagen, das Ganze gibt´s sowohl als Eigentwicklung – für den Eigengebrauch, sowie als Standardlösungen, die auf dem Markt vertrieben werden.

  • Nicolas Kübler sagt:

    Das ganze ist auch nicht nur eine Geldsache sondern auch Firmenpolitik, schließlich ist das Vertrauen in die eigene IT nicht immer gegeben. Das sah man bei der Telekom, als Aufträge nicht an T-Systems intern vergeben wurden sondern extern.

    Klar kann man sicher billiger die Software produzieren, fraglich aber, ob man bei Großprojekten selbst das Risiko übernimmt oder das jemand anderes aufbürgt.

    Dazu ist die IT oft als „Kostenverursacher“ bekannt und man sourced dann lieber aus und hat somit seinen Standard IT Dienstleister oder greift zu passenden Externen je nach Auftrag.

  • Sven Rimbach sagt:

    Soll ich es schreiben, nein, das geht nicht… argh… ich kann nicht anders:

    > Das sah man bei der Telekom, als Aufträge nicht an
    > T-Systems intern vergeben wurden sondern extern.

    Zurecht :-)

    > Klar kann man sicher billiger die Software produzieren,
    > fraglich aber, ob man bei Großprojekten selbst das
    > Risiko übernimmt oder das jemand anderes aufbürgt.

    Man muss es ja nicht intern entwickeln. Es gibt genug Firmen, die sich auf große Individualsoftware spezialisiert haben (Beispiel SD&M).

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