Archiv für den Monat: Juni 2006

Eigentlich fliege ich gerade

Eigentlich sitze ich gerade im Flieger nach München.
Uneigentlich warte ich seit über einer Stunde auf den Abflug.

Der Abflugtermin wird ständig verschoben (eine Stunde, 1,5 Stunden, jetzt sind wir bei knapp 2 Stunden). Mein Termin verkürzt sich dadurch von 2 Stunden auf vermutlich 30 Minuten – und macht kaum noch Sinn. Ich liebe sowas ja: 5 Stunden reisen für 60 Minuten reden. Aber leider ersetzt nichts das persönliche Gespräch. Mein Erfahrung nach muss man das erste Meeting immer persönlich machen (und selbst, wenn es quer über den Globus geht). Anschließend klappen auch Telefon- und Videokonferenzen .

Und da schimpfen die Leute immer auf die Bahn. Das ist heute mein erster Flug seit ich mir vor 1 1/2 Jahren eine Bahncard 100 gegönnt habe. Und offenbar war das keine so dumme Wahl …

Gespräche im Zug

Das Wetter ist schön, ich sitze in der S-Bahn und aus meinem Ipod klingen die letzten Takte eines Liedes von Weather-Report. Ich habe gute Laune. Anschließend höre ich mir das Gespräch meiner Sitznachbarn an (ok, eher ein Monolog) – was meine Stimmung noch weiter nach oben treibt.

Ein Typ redet auf eine Frau ein. Die Frau zeigt sich mäßig interessiert. Man bekommt schnell mit, dass er wohl BWL studiert und als freier Vermögensberater arbeitet (sprich, er hat ein paar Fondsgebundene Lebensversicherungen an hoffentlich nicht zu gute Bekannte verkauft die ihn früher oder später hassen werden). Offenbar wurde ihm auch ein Seminar spendiert: „Und du, dass hat mich auf meinem Weg ein soooo großes Stück weitergebracht.

Jetzt sucht er ein Praktikum und soll für eine Firma Produkte an Friseure vertrieben: „Das wird gut. Ich sag‘ ja, verkaufen ist verkaufen. Scheißegal, was du verkauft. Ist immer gleich“.

Sehr lustig, aber in meinen Augen Quatsch.

1. Das Produkt ist nie egal. Wenn man zu seinem Produkt nicht steht, es nicht selber mag, wird man kein guter Verkäufer. Oder anders ausgedrückt: Ich persönlich kann schwer überzeugend Haarwuchmittel verkaufen – ich habe keine Haare mehr.
2. Verkaufen ist nicht gleich Verkaufen:
– Wenn man Produkte verkauft, geht es um Fakten (Preis, Qualität), Zuverlässigkeit und Beziehungen. Wenn ich einen Lieferanten 25 Jahre habe, wechsel ich den nicht so schnell.
– Wenn man Dienstleistungen/Lösungen verkauft, geht es darum dem Kunden das Gefühl zu geben, dass man sein Problem verstanden hat. Es geht letztlich um Vertrauen. Nicht die tolle Lösung ist wichtig. Wichtiger ist wirklich das Vertrauen. Das gilt noch stärker für mich als Berater.
Ich habe mal für eine Firma gearbeitet, welche für den Vertrieb von Lösungen ständig Leute angeschleppt hat, die >20 Jahre lang Hardware verkauft haben. Das war ein lustig anzusehendes Wechselspiel. Ich habe mir die Namen der Vertriebler irgendwann erst gar nicht mehr gemerkt.

Projekt 06: Übergabedokument

Uff. Ich habe mich ja entschieden, dass Projekt zu verlassen. Jetzt sitze ich an dem Übergabedokument für meinen Nachfolger. Da fällt einem erstmal auf, was man so alles für Sachen nebenher gemacht hat.

Ich werde es wohl sicherheitshalber kürzen, damit die Prio 1 Aufgaben nicht untergehen.

Fußball WM 2006: Morgens 8:30 in Dortmund

Schweizer sind witzig. Ich habe mal 6 Monate in Basel gearbeitet. Seit dem mag ich die Schweiz.

Es ist 8:30 Uhr und ich hole Brötchen. Auf Grund einiger Probleme (Rücken, Fuß) heute mal etwas langsamer als sonst. Auf der Hohen Straße bietet sich ein super Bild: Hunderte Schweizer Fans (spielen hier heute gegen Togo) maschieren die Straße rauf und runter – absolut schweigsam. Vor einem Hotel frühstücken Fans – schweigend.

Frage 1: Was machen die schon so früh auf der Straße.
Frage 2: Können die auch sprechen?

Vielleicht quäle ich mich gleich zur Westfalenhalle und schaue mir das Spiel dort an. Wahrscheinlich machen 30 Fans aus Togo mehr Krach als 15.000 tausend Schweizer.

Wobei, vielleicht waren die Jungs und Mädels einfach noch nicht wach…

Die Kultur der Angst

Was ist der schlimmste Fehler, den ein Manager machen kann? Ein Fehler, der jede Firma, jedes Projekt, und sogar einen kompletten Staat in den Untergang treibt?

Antwort: Eine „Kultur der Angst“ aufzubauen.

In der Kultur der Angst sitzt der Manager über seinen Untergebenen und betraft die Leute, die Fehler machen oder einfach nur anderer Meinung sind. Es gibt jedoch im Gegenzug keinerlei Lob für gute Arbeit und neue Ideen. Ziel dieses Verhaltens ist die Erhaltung der Macht. Die konkreten Ziele sind nicht mehr im Fokus, Wahrung der Verhältnisse ist wichtiger.

Was passiert:
Die Mitarbeiter kümmern sich nicht mehr darum, etwas gut zu machen oder gute Ergebnisse zu erzielen. Sie sorgen sich nur dafür, nichts falsch zu machen um nicht bestraft zu werden.

Leider sind wir Menschen da wie Hunde: Wir wollen geliebt werden und nicht bestraft. Strafe vermeiden wir.

Dumm nur, dass die Ergebniss dabei auf der Strecke bleiben. Diese Kultur hat wohl – neben vielen anderen Gründen – zum Untergang der DDR beigetragen. Die Bewohner hatten aus verständlichen Gründen kaum Interesse daran, sie Sache voranzutreibe. Besser, man macht keine offensichtlichen Fehler und kommt durch.

Das Dramatische ist, dass diese Situation für den Manager super ist. Er ist Chef, hält seine Widersacher klein und festigt seine Macht. Das böse Erwachen kommt, wenn es zu spät ist. Die Projekt scheitern eines nach dem anderen, die Mitarbeiter verlassen fluchtartig die Firma und plötzlich steht man vor einem Trümmerhaufen – dann ist es zu spät.

Der neue Kunde

Erste Termin beim neuen Kunden.
Da ich die Gepflogenheiten dort nicht kenne, es aber eine große Firma ist, trage ich einen Anzug – wie eigentlich immer.
Am Empfang fragt mich die Dame:“Worum geht es? Haben Sie ein Vorstellungsgespäch?“.

Ok, beim nächsten Termin lasse ich die Krawatte weg …

Fußball WM Tag 3

Sonntags in Dortmund. Die schwedischen Fans hängen in den Cafes und Kneipen und starren auf ihr Bier. Im Irish Pub hängen schwedische und englische Fahnen. geteiltes Leid ist halbes Leid ;-) (England hat nicht verloren, aber schlecht gespielt).

Die Trinis: haben Spaß. Auf meinem Weg von meiner Wohnung zum Bahnhof bin ich an 2 Musikgruppen und einer, sagen wir, Parade vorbeigekommen (Frauen in aufwendigen Kostümen und der „Original Whip Master“).

Fußball WM Tag 2

Ganz Dortmund war heute Gelb. Nicht Gelb-Schwarz wie sonst, sondern Gelb-Blau. Die Schweden hatten die Innenstadt fest in ihrer Hand.
Feststellung 1: Schweden sind lustig, auch wenn sie viel getrunken haben.
Feststellung 2: Schwedinnen sind alle blond – manche Vorurteile stimmen.

Als ich heute einkaufen ging, war ich fast die einzige Person auf der Straße, ohne Fan-Shirt (mein Shirt lüftet gerade auf dem Balkon). Später kam mir eine Fangruppe von Trinidat-Tobago Steeldrum spielend entgegen. Hach, können wir das nicht jedes Jahr machen? Warum muss die WM denn immer in einem anderen Land sein? Vielleicht so: Der Song Contest wird doch auch im Siegerland ausgetragen. Das wäre doch eine Idee. Also nur, wenn die Klinsiboys Weltmeister werden…

Ansonsten:
England war langweilig. Trinidat-Tobago ist der neue Liebling und das Argentinienspiel war nett anzuschauen. Tja, in meinem WM Tipp hätte Schweden es bis ins Halbfinale geschafft. Ähm, ich ziehe das vielleicht besser zurück.

Die nächsten Tage bin ich unterwegs. Aber ich freue mich schon, Mittwoch wieder in Dortmund zu sein.

Fußball WM Tag 1

Supi, mein WM Tipp ist schon am ersten Tag Schrott weil die Polen gepatzt haben.

Egal, schön war’s!

Die Eröffnungsfeier war stimmungsvoll. [ Kleiner Einschub: Ich reagiere körperlich auf gute Musik und gute Shows. Bei schlechter Musik bekomme ich eine Gänsehaut. Bei guten Darbietungen fange ich an zu heulen. Ich kann nichts dafür, und ich kann es nicht steuern. Das hat nix mit Sentimentalität oder so zu tun, ich kann auch bei guten Heavy Metal flennen. Wenn ich also schreibe, dass die Eröffnung stimmungsvoll war, meine ich damit, dass ich Tränen in den Augen hatte. Falls also, lieber Leser, jemand neben dir auf einem Konzert ist und ein wenig weinerlich aussieht: Das könnte ich sein… – Ende Einschub]. Das Spiel der Deutschen… na ja; Licht und Schatten.

Ich habe mir mit einem Freund zusammen das Spiel in Dortmund auf dem Friedensplatz angeschaut, hat wirklich Spaß gemacht.
Positiv: Die Security Jungs waren gut geschult. Sie haben mir nach dem Abtasten viel Spaß gewünscht. Sowas finde ich wichtig.
Negativ: Haben die Jungs und Mädels am Bierstand jemals vorher Bier gezapft?!?
Lustig: Coke hatte einen eigenen Stand. leider hat scheinbar ihnen niemand im Vorfeld gesagt, dass man keine Flaschen ausgeben darf (potentielle Wurfgeschosse). Also wurden im Ausschank die 0,5 l Flaschen in 0,5 l Becher umgefüllt – was etwas umständlich und zeitintensiv war.

Morgen ist das erste Spiel in Dortmund. Hier laufen schon enorm viele Schweden rum. Auf den ersten Blick scheinen die lustig zu sein. Mal schauen, was hier so los sein wird.