Archiv für den Monat: Mai 2006

Kann man auch mal machen

Gerade erreichte mich folgende Mail:

Guten Tag,

mein Name ist XXXXX und ich arbeite für die Firma XXXXXX.
Ich persönlich interessiere mich für Ihre Vorgehensweise Ihrer Projektanwerbung!!

Unsere Firma sucht auch geeignete Projekte für Ihre Mitarbeiter. Ich habe jetzt schon eine Menge Vermittlungsfirmen im Netz gefunden und auch einige Projektangebote. Doch mein Chef meint, wir sollen ein Verhältnis mit den Firmen aufbauen.
Da Sie ja schon Erfahrungen in dem Gebiet haben, wollte ich Sie mal fragen, wie man da am besten heran geht!

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir da Auskunft geben könnten.

Ich schwanke zwischen zwei Antworten.

Version 1:
Sehr geehrte Frau,

gerne halte ich in Ihrem Haus einen Workshop über neue Ideen und Ansätze in Kundenaquise und Lösungsvertrieb. Mein Tagessatz beträgt in diesem Fall 1.600 EUR zzgl. Spesen.

Version 2:
Na, so schon mal nicht.

Hach, heute ist ein schöner Tag.

Über Nebenkriegsschauplätze

Niemals auf Nebenkriegsschauplätze locken lassen!

Es gibt eine einfach, aber sehr wirkungsvolle Verhandlungstechnik. Wenn der Gegenüber auf „Nein“ gepolt ist, also ständig widerspricht, versucht man irgendwie ein „Ja“ zu bekommen. Und sei es mit der Frage, ob man mal telefonieren dürfe, oder ob man das Wetter auch so schön findet – was auch immer. Dadurch pole ich ihn auf ein „Ja“ um. Von diesem einem „Ja“ hangel ich mich weiter bis ich mein Ziel erreicht habe. Dahinter steckt die Erkenntnis, das wir uns alle sehr schnell gewollt wie ungewollt in eine positive Grundstimmung bringen lassen und aus dieser Stimmung heraus zugänglicher sind. Anders ausgedrückt: Die hübschen Bedienungen kassieren mehr Trinkgeld.

Unglücklicherweise klappt das auch in der Gegenrichtung: Angenommen, man ist in einer Sache absolut überzeugt und im Recht. Jetzt wird man wegen etwas komplett anderem niedergemacht. Ergebnis: Ich bin mir plötzlich nicht mehr sicher, im Recht zu sein.

Beispiel: Man will von seinem Chef mehr Geld und findet das nur gerecht, weil jeder andere Kollege doppelt soviel Gehalt bekommt. Der Chef beginnt das Gespräch mit einer herben Kritik am Kleidungsstil (na ja, ok, das Eis vom Mittagessen ist halt quer über die Krawatte verteilt). Plötzlich geht das Gespräch in die völlig falsche Richtung: „Und mit so einer Krawatte wollen Sie eine Gehaltserhöhung? Ich sollte sie rauswerfen“. Nach 20 Minuten ist man froh, dass nur das Weihnachtsgeld gestrichen wurde…

Im Projektalltag wird soetwas ebenfalls immer wieder gerne gemacht. An statt das der Manager erklärt, warum man nach x-Mal Nachfragen immer noch keine Antwort bekommt, gibt es einen Einlauf weil man unhöflich und penetrant sei. Und ehe man es sich versieht streiten sich plötzlich die Abteilungen über die jeweils schlechte Kommunikations-Kultur der anderen.

Der Ausweg kratzt ein wenig am Ego, es geht aber nicht anders: einfach ignorieren. Nicht ablenken lassen, sondern immer wieder stur zurück zum Thema kommen. Dabei gilt: Je unhöflicher mein Gegenüber wird, je freundlicher werde ich. Nie, aber wirklich niemals die Sachebene verlassen.

Der Zaubersatz um zu verhindern, dass man auf andere Themen geleitet wird lautet: „Ja, das sollten wir auf jeden Fall klären. Ich nehme das auf und stehe Ihnen gerne zur Verfügung. Vorher aber sollten wir uns erst um Thema XY kümmern“.

Mein WM-Tipp

Die Wahrheit ist bitter, aber es ist nun mal die Wahrheit – na gut, es ist die Wahrheit welche aus meinem Tipp rauskommt. Und meine Glaskugel sagt:

Deutschland wird im Achtelfinale von England aus dem Wettbewerb gekegelt.

Weil: Gegen Polen (am 14.Juni in Dortmund) wird Deutschland nicht über ein 1:1 hinauskommen. Und auf Grund des schlechteren Torverhältnisses landet die Manschaft auf dem 2. Platz (Polen und Deutschland gewinnen alle anderen Spiele) und damit im Achtelfinale gegen den Gruppensieger England.

Schade, aber so wird es kommen.

Selbstständig machen

„Du hast immer so lustige Geschichten auf Lager. Ich glaub‘, ich mach‘ mich auch selbstständig. Hast du einen Tipp für mich, was muss ich machen?“

Antwort 1: Du gehst zur zuständigen Stelle deiner Stadt und besorgst dir einen Gewerbeschein – dauert ca. 10 Minuten (Alternativ bist du Freiberufler und musst das nur mit deinem Finanzamt klären).

Antwort 2:
Setz‘ dich auf deinen Lieblingssessel. Leg‘ eine gute Platte auf. Vielleicht hilft auch ein guter Wein. Und dann stell‘ dir folgendes vor:
Du sitzt am Schreibtisch und wartest auf einen Auftrag. Einen Tag, eine Woche. Ein Monat – immer noch kein Auftrag.
Du bewirbst dich jeden Tag auf ein Projekt. Es kommt aber noch nicht mal eine Absage zurück.
Zwei Monate vergehen. Du hast keinerlei Sicherheit. Wenn du nichts verdienst, kannst du noch auf Arbeitslosengeld II zurückgreifen: 345 EUR / Monat. Mehr ist nicht drin.

Drei Monate vergehen. Jemand bietet dir ein Projekt in der Schweiz: Tagessatz 350 EUR ohne Spesen – ein Witz. Die ganze Zeit darfst darfst du die Hoffnung auf ein neues Projekt nicht aufgeben. Du musst Zuversicht versprühen. Du musst dich ins Gespräch bringen. Du musst nach Aufträgen fragen – aber bitte nicht verzweifelt wirken. Keine Angst, der Auftrag kommt. Aber wann?
Die dunkle Seite der Freiheit heißt: Risiko. Sicherheit oder Freiheit – beides geht nicht. Kannst du damit umgehen? Wunderbar, kommen wir zur Übung 2:

Du stehst vor dem Vorstand eines DAX30 Unternehmens. Der CIO sagt etwas, du hörst zu. Jetzt bist du an der Reihe. Alle erwarten von dir, dass du dem Vorstand zustimmst. Du stehst auf und sagst: Nein! Ok, vielleicht etwas verklausulierter … Jetzt hast du 60 Sekunden, um den gesamten Vorstand zu überzeugen – länger hören sie dir nicht zu. Entweder, du bist danach der Held, oder der Sicherheitsdienst führt dich vom Gelände.

Kannst du dir auch das vorstellen? Na, dann ab zum Stadthaus und schnell den Gewerbeschein abholen.

One of Those Days die 2.

So, jetzt habe ich das Chaos ein wenig gelüftet:
– Auf Umgebung 1 gibt es eine veraltete Schnittstelle mit Testdaten
– Auf Umgebung 2 gibt es eine aktuelle Schnittstelle, hier aber dummerweise ohne Testdaten

Jungs: Das habt ihr fein gemacht. Und wenn ihr das schon bereinigt: Die angeblich aktuelle Schnittstelle entspricht nicht der angeblich aktuellen Spezifikation. Also, nur wenn es keine Mühe macht: Könnte man das vielleicht auch noch?

Gut, dass ich nicht deren Teamleiter bin. Denen würde ich heute den Nachtisch streichen.

Spam Fighting

So, nachdem ich heute 130 Comment-Spams aussortiert habe, darf sich ab jetzt Spam Karma 2 der Sache annehmen.
Mal schauen, wie es sich so schlägt.

One of Those Days

A: „Wir haben die Software eingespielt. Es gibt also keinen Grund, die Sache noch länger zu eskalieren“
B: „Wir haben es auf die Testumgebung eingespielt“
Ich:“Aber auf diese Rechner hat man keinen Zugriff von außen“
B:“Doch, hat man“
D:“Ich sehe, dass es auf die Produktionsumgebung eingespielt wurde“
A:“Nein, wir haben es auf die Testumgebung eingespielt“
Ich:“Ja, was denn jetzt! Was kann ich wo testen?“
B:“Wir haben es auf alle Umgebungen eingespielt. Aber wir haben keine Testdaten“
C:“Und die Schnittstelle zum Backend klappt auch nicht“
Ich:“Nochmal: Was kann ich testen?“
B:“Na ja, dass kann wohl niemand so richtig sagen“
Ich:“Nur damit ich das verstehe, ihr habt etwas auf die Produktion gespielt, aber niemand kann mir sagen, was funktioniert“
A:“Ich kann sicher sagen, das nicht alles funktionen wird. Ich weiß aber nicht, was funktioniert“
B:“Eigentlich sollte man besser nicht testen“

Ich bin ruhig. Ich bin entspannt. Nichts auf der Welt kann mich aufregen. Das Leben ist schön …
Hey, wir haben ja erst 4 Wochen Verzug. Da macht das doch auch nichts mehr aus.

Tigermütter und Teamleiter

Ein guter Teamleiter ist wie eine Tigermutter:
Wenn jemand eines seiner Teammitglieder direkt angreift, gibt es einen auf die Finger. Falls es Probleme gibt, bin ich der Ansprechpartner, niemand sonst. Sobald jemand – auf welcher Hierachistufe auch immer – jemanden aus meinem Team angreift, kann er sich schon mal warmlaufen. Da ist meine Humorgrenze eindeutig erreicht.

Der Teamleiter vertritt sein Team nach außen. Das bedeutet auch, dass er nicht nur für die Erfolge, sondern auch für die Misserfolge verantwortlich ist. Entsprechend muss er über alle Probleme informiert sein – sonst kann man schlecht Abhilfe schaffen. Außerdem gehört es zu den Hauptaufgaben eines Teamleiters, dafür zu sorgen, dass das Team ungestört arbeiten kann. Er muss also versuchen, möglichst viele Probleme abzufedern. Ein Team spürt sehr schnell, ob der Teamleiter sie auch in schwierigen Phasen unterstützt oder ob er bei rauhem Seegang seine Manschaft im Wind stehen lässt und sich aus dem Staub macht. Wenn es einen sicheren Weg gibt, sich Loyalität eines Teams zu sichern, dann so.

Praktisch bedeutet dies, dass ein Team in der Außensicht eine „Black-Box“ darstellt. Über einen definierten Kanal – den Teamleiter – gehen Anforderungen hinein und Ergebnisse hinaus. Was „drinnen“ geschieht hat erst einmal niemanden zu interessieren. Einzig wichtiges Bewertungskriterium ist das Ergebnis!

Im Projektleben findet man mittlerweile mehr und mehr Teamleiter, die ähnlich agieren. Leider pervertiert die Geschichte auch schnell. Statt Kritik aufzunehmen und sich um Verbesserung zu bemühen, prallt jede Kritik am Teamleiter ab und wird prinzipiell geleugnet. Das ist natürlich nicht wirklich der Sinn der Sache. Im Ergebnis bedeutet das, dass man sich doch wieder an einzelne Teammitglieder wendet und die Sache ohne den Teamleiter löst.

Was man nie vergessen darf: Keine Kritik ist ohne Grund!

Niemand kritisiert einfach so aus Langeweile. Kritik bedeutet immer: Jemand ist unzufrieden! Etwas stimmt nicht!

Meine 20/60/20 Regel:
In 20% der Fälle ist die Kritik inhaltlich korrekt und muss gelöst werden.
60% der Kritik basiert auf Kommunikationsproblemen und kann schnell – meist ohne das Team zu stören – geklärt werden.
20% haben nicht mit der kritisierten Sache zu tun. Das Problem liegt beim Kritiker selber. Unsicherheit, unzufriedenheit, Angst, etc.

Bittere Erkenntnis: Die letzte 20% machen 80% Arbeit und Ärger aus. Eigentlich würde man es gerne ignorieren – ist ja schließlich nicht das eigene Problem. Aber leider macht das die Sache nur noch schlimmer…

Teamarbeit

„Als ich gehört habe, dass du dich darum kümmerst, war ich beruhigt. Da wusste ich, dass es ‚was wird“
Ja, ich bin für Schleimereien empfänglich …
Auf der anderen Seite: Warum werde ich für Selbstverständlichkeiten gelobt? Die Aufgabe ist mehr als überschaubar. Es ging doch nur darum, auch die Verantwortung für den Task zu übernehmen.

Ich unserer aktuellen Arbeitswelt ist genau das leider nicht selbstverständlich. Das Ziel, das Ergebnis hat niedrige Priorität. Höher stehen Dinge wie:
– Am Ende keine Schuld haben
– Persönliche Feindschaften
– Gekränkte Eitelkeiten
– Egoismus
– fehlende Trennung zwischen persönlicher- und Sach-Ebene
– (…)
– Irgendwann kommt auch mal das Ergebnis.

Eigentlich geht es uns doch super gut. Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Meine Vorfahren haben in Zechen gearbeitet. Bei denen stellten sich solche Fragen gar nicht. Man hat unter Tage wortwörtlich sein Leben in die Hand seines Kollegen gelegt. Wer sich da nicht blind aufeinander verlassen konnte, hatte ein echtes Problem.

Nachdem in meinem Projekt ein Teilprojekt auf das viele andere aufsetzen Probleme hat, wird das Ziel gerade komplett aus dem Auge gelassen. Wichtiger scheint es, seine Haut zu retten. Mit einer beeindruckenden Dreistigkeit wird die Situation heruntergespielt. Ich komme wir vor, wie in der Kampfszene von Ritter der Kokosnuss. Wer es nicht kennt: Ritter 1 fordert Ritter 2 heraus und verliert sofort einen Arm. Statt aufzugeben will er weiterkämpfen und verliert den zweiten Arm. Er gibt immer noch nicht auf und tritt Ritter 2. Am Ende sieht man nur noch seinen Torso. Was sagt Ritter 1? „Ok, einigen wir uns auf unentschieden“.

Das Problem: Die Jungs vom Teilprojekt liegen am Boden. Sie haben Mist gebaut und nachweislich gelogen. Ich könnte nachtreten – aber ich bin Sportler. Wenn ich ihnen aber die Hand reiche (und z.B. meinen Projektplan umstelle) schlagen sie sofort wieder auf mich ein. *Die* treten nämlich nach.

Auf der einen Seite sind wir damit bei der Grundidee der christlichen Nächstenliebe . Nämlich auch dann nett und fair zu seinen Mitmenschen zu sein, wenn diese es gerade nicht sind. Zu netten Menschen freundlich zu sein ist ja eher einfach.

Die Idee der Feindesliebe ist sogar Bestandteil aller Weltreligionen.

Auf der anderen Seite sind wir alle Egoistisch und damit fällt uns das extrem schwer. Vor allem, wenn unsere Umwelt gerne Gutmütigkeit mit Dummheit verwechselt und man sich schnell ausgenutzt fühlt.

Mein Mantra in solchen Fällen: „Wir ist egal, was andere über mich denken. Mir ist egal, wie sich andere Verhalten. Ich kümmer mich um die Aufgabe. Wenn ich das Ziel erreiche bin ich glücklich und der Rest ist egal. Wenn ich meinen Egoismus bekämpfe werde ich glücklicher und damit ist das schon wieder ein (positives) egoistisches Verhalten. Auch wenn es kurzfristig keinen Dank gibt: Auf lange Sicht bekomme ich zurück was ich gebe. „

Hierachiestufen

Wie es sein sollte:
– Das Top-Management beschließt die Richtung (z.B. „Wir werden nicht mehr Stahl, sondern Fruchtgummies produzieren“)
– Die nächste Stufe definiert daraus eine Strategie („Wir nutzen die bestehenden Anlagen und führen Besucher in der Anlage herum“)
– Die darunter liegende Stufe definiert auf Basis dieser Strategie Projekte. Dabei gibt es eine Feedback-Schleife („Wir haben es ausgerechnet: Den Hochhofen bauen wir für 2Mio EUR in einen Kochtopf um. Aber die Gießformen sind einfach zu groß um damit zu arbeiten. Außerdem könnten wir die Walzstraße verkaufen“.). Man einigt sich auf Budget und Zeit und spielt dies nach oben.
– Das Top-Management tritt vor die Presse und verkündet, man werde aus der Stahlhütte ab Mai 2008 ein Fruchtgummi-Wunderland machen.

Feedback ist wichtig. Und man muss die Ziele allgemein halten. Wenn der Vorstand mit einem Schiff nach Australien reisen will, lautet das Feedback: Dauert x-Tage. Will er in zwei Tagen dort sein, heißt es: Wir bauen ein Flugzeit.

Wie ist – leider – meistens wirklich ist:
– Das Top Management verkündet per Presse ein Projekt („Wir werden in 6 Monaten mit einem Schiff binne zwei Tagen nach Australien reisen“).
– Die nächste Stufe weiß zwar, dass dies Unfug ist. Aber man möchte sich seine Karriere ja nicht verbauen. Also Leutet die Vorgabe: „Wir brauchen ein Schiff, dass 500 KM/h schnell ist“.
– Das geht nun an die operative Ebene. Dort fasst man sich an den Kopf und fragt, ob das ernst gemeint sei. Antwort: „Ja, das ich eine Herausforderung. Aber der Vorstand will es so. Keine Diskussion möglich“.
Ergebnis: Man arbeitet sich 6 Monate die Finger blutig, das Projekt kracht und man kauft anschließend ein großes Flugzeug.

Soetwas kann funktionieren („Wir werden in 10 Jahren zum Mond fliegen“), muss aber nicht („Toll-Collect startet am 1.1.“)…