Komplexität

Komplexität hilft.
Komplexität bedeutet, dass man bei Vorhaben nicht vorhersagen kann, was passiert. Wenn in Australien ein
Schmetterling explodiert, regnet es 3 Wochen später in Spanien. Selbst Dinge, die wir für 100% sicher halten, sind nicht sicher. Ein gegen die Wand geworfener Stein könnte – in der Theorie – statt abzuprallen durch die Wand fliegen. Sehr, sehr unwahrscheinlich, aber die Physik verbietet es nicht.

Dank Komplexität ist es nicht möglich, dass perfekte Verbrechen zu begehen. Kein Verbrecher ist in der Lage, alle Eventualitäten zu berücksichtigen. Das ist ja gerade das Wesen der Komplexität.

Dinge gehen schief. Murphy’s Gesetz trifft immer zu.
Irgendwie ist das ja auch beruhigend: Früher oder später wird man die meisten schweren Verbrechen aufklären. Zwar nicht so elegant, wie bei Hercules Pirot – aber weder Bankraub noch Entführung lohnen sich.

Die einfache Wahrheit: Komplexität ist nicht zu beherrschen. Darüber kann man nicht diskutieren. Punkt.

Komplexität schadet.
In Projekten tun manche Menschen immer so, als ob Komplexität eine völlig unerwartete Sache ist. Da hat der Projektleiter sich soviel Mühe mit dem Projektplan gemacht – und schon nach wenigen Tagen ist dieser wieder obsolut. Der Vorstand tobt, die Projektmitglieder sind frustriert und der Projektleiter hält Präsentationen in dem Sinne „Leider konnten wir nicht vorhersehen, das …“

Unfug!
Die erste Regel der Projektleitung: Risikomanagement ist Pflicht!
Die zweite Regel: Es wird passieren!

Daher sind Projektpläne ohne Puffer zwar nett gelogen, aber sie helfen kein Stück. Je erfahrener ein Projektleiter ist, je besser wird er Risiken abschätzen, bewerten und ggf. in seinen Projektplan integrieren. Aber dennoch und Trotzdem: Es wird immer etwas passieren, womit man nicht gerechnet hat. Das liegt nicht daran, dass der Projektleiter schlecht ist. Es liegt an der Komplexität. Schlecht ist ein Projektleiter nur, wenn er Komplexität nicht berücksichtigt.

4 Gedanken zu „Komplexität

  1. Alex

    Ich schreibe für meinen Blog auch grade an was über Projektleiter. Hier fällt mir der Typ Scharfschütze ein, der seine Projekte so führt, als hätte er immer nur einen Schuß und der müsse genau sitzen. Meistens trifft er und alle sind froh, dass er getroffen hat und die ganze verschwendete Zeit der ausufernden Vorbereitung interessiert nicht mehr. Aber manchmal schießt er auch daneben und genau dann passiert ein Unglück.

    Konkret zum Thema Komplexität erlebe ich auch grade witzige Sachen. Es existiert ein (viel zu) komplexes System, Management und Vertrieb geben sich aber größte Mühe es als einfach und intuitiv zu verkaufen. Jetzt geht es darum eine Einsteigerdoku zu verfassen – 20% davon existieren bereits in Form von 500 Seiten PDF – jetzt muss der Umfang der Doku zusammengestrichen werden, weil das System ja garnicht so komplex sein kann, dass man dazu soviel schreiben muss…

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  2. Great Gonzo

    Das klingt für mich nach einem neuen Bestseller:
    „Simplify your Projects“
    Gut – das Buch gibt es (noch) nicht, aber simple Projekte brauchen auch keine erfahrenen Projektmanager.

    Eine andere Erfahrung ist der Puffer: Sobald ein geplanter Puffer an die Implementierungsteams kommuniziert wurde, wurde er auch immer ausgenutzt. Somit scheint mir nur ein geheimer Puffer Risiken zu kompensieren. Man könnte geneigt sein, doppelte (oder dreifache) Projektplanung zu betreiben: Für das Projektteam, für die Projektleitung und ggf. sogar noch einen extern zu kommunizierenden Projektplan.

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  3. Sven Rimbach

    > Somit scheint mir nur ein geheimer Puffer Risiken zu kompensieren

    Volle Zustimmung. Ich habe irgendwo mal eine Untersuchung gefunden, dass wir Menschen dazu neigen vorgegebene Zeitpläne immer auszunutzen.
    Muss ich mal raussuchen.

    Vorher werde ich aber noch schnell Markenschutz für „Simplify your Projects“
    anmelden :-))

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  4. Gerald Lembke

    Komplexiät ist Projekten eigen, auch wenn diese Eigenschaft noch nicht Eingang in die deutschen Definitionen gefunden haben soll, so spielt es in den internationalen Zertifizierungen nach IPMA, PMI und auch im ITIL Standard eine gewichtige Rolle.

    In meinen Augen ist Komplexität vor allem für die Praxis ein Kompetenzthema. In Teilen läßt sich der Umgang mit (Weniger oder mehr) Komplexität auch üben und Trainieren. Sucht man jedoch nach didaktischen oder pädagogischen Ansästzen in der Andragogik, wird man diesbzüglich häufig enttäuscht. Auffällig ist auch, dass schließlich kaum Qualifikationsansätze für den Umgang mit Komplexität existieren (Persönliche Erfahrungen bitte als Kommentar hinterlassen).

    Erst der interdisziplinäre Blick auf Arbeiten in der Soziologie oder Organisationspsychologie am Beispiel von Dietrich Dörner zeigen, wie umfangreich wiederrum die Erarbeitung von Handldungsempfehlungen für den Projektpraktiker sind, und auch welche Kritiken sie nach sich ziehen.

    Ich empfehle auch die Lektüre „Die Logik des Misslingens“, günstig als Taschenbuch zu erwerben. Die Auseinandersetzung mit diesem Buch ist m. E. eine Pflichtlektüre für Projektleiter und ein wichtiger Baustein für die persönliche Auseinandersetzung mit diesem Thema.

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