Archiv für den Monat: November 2005

Das neue Projekt: Irrungen und Wirrungen

Und der Tag fing so schön an…
Im geplanten Release gibt es 2 Features(*1) welche unbedingt notwendig sind. Der Dienstleister war sich bei der Besprechung mit dem Fachbereich nicht sicher, ob er bei einem Feature die Anforderung 100% umsetzen kann. Was macht der Fachbereich: Er fängt an mit mir (als Vermittler und Stake-Holder(*2) für dieses Feature) zu diskutieren, ob man darauf nicht verzichten könnte. Super Idee, nur komplett in die falsche Richtung gedacht. Ich habe mich für Alternative 2 entschieden:
– Dienstleister fragen, wo seine Sorgen sind
– Die Sorgen mit der internen IT besprechen
– Einen schnellen Test machen
– Dem Dienstleister erklären, dass alles kein Problem ist und ihm gezeigt, wie die Lösung aussieht
Ergebnis: Dienstleister zufrieden=> Anforderung wird umgesetzt => ich bin zufrieden.

Es ist erstaunlich. Immer wieder neigen wir dazu, in solchen Situationen vorschnell in die falsche Richtung zu laufen. In dem Fall wurde halt versucht, die Anforderungen zu ändern – das hätte die Geschäftsführung sicher nicht gefreut; außerdem hätte es viel Geld gekostet.
Um Probleme zu lösen, muss man immer unten anfangen (oder wie mein Vater immer so schön sagt: erst mal schauen, ob Strom fließt bevor man den Computer komplett auseinander baut):
– Wo liegt das Problem
– Wer hat Informationen zu der Sachlage
– Was kann man machen

(*1) : Ein Feature ist eine Anforderung oder ein Projektteil, welches man separat planen, umsetzen und testen kann. Es gibt eine empfehlenswerte Methode namens Feature Driven Development
(*2) : Stake-Holder: Eine Person, die ein Interesse an der Umsetzung einer Anforderung hat. Also quasi der Fürsprecher oder Pate einer Anforderung

Beratungsgutschein der Commerzbank

Heute habe ich in der Post einen Brief der Commerzbank gefunden – ich habe dort mein Geschäftskonto. Sie bieten mir an, über meine Kreditlinie zu sprechen. Das passiert natürlich zufällig genau dann, wenn gerade einige Kunden Rechnungen bezahlt haben und mein Konto überquillt.

Beigefügt war ein auf meinen Namen ausgestellter „personlicher Beratungsgutschein“.
Uff, da bin ich aber froh. Was würde ich ohne einen solchen Gutschein nur machen. Nicht auszudenken, ich hätte eine Frage und ginge einfach mal so zu meiner Bank:
„Guten Tag, ich möchte gerne 30.000 EUR bei Ihnen anlegen“
„Haben Sie denn einen persönlichen Beratungsgutschein?“
„Äh, leider nicht“
„Dann tut es uns Leid, wir können Sie nur mit Gutschein beraten“
Und überhaupt: Der Gutschein gilt für die Themen gewerbliche Kredite, Finanzierungen und Basel II. Ich interessiere mich aber aktuell für das Thema Basisrente. Kann ich den jetzt eintauschen? In dem Fall würde ich gerne die beiden Themen „Basel II“ und „Finanzierungen“ geben einmal Rentenberatung tauschen. Das Thema „gewerbliche Kredite“ behalte ich, kann man ja immer mal brauchen.
Wie sieht das überhaupt mit der Gültigkeit des Gutscheins aus? Nicht, dass ich in 6 Monaten ankomme und dann heisst es „Tut uns leid, es sie dürfen sich nur noch ein Thema aussuchen. Die beiden anderen Themen sind verfallen“. Ich denke, ich werden den Gutschein auf Ebay versteigern. Den bekommt bestimmt nicht jeder.
Und die wichtigste Frage von allen: Liebe Commerzbank Werbeagentur, habt ihr sie eigentlich noch alle?

Anforderungen Reloaded

Na das ging ja schnell. Keine 2 Wochen nach Projektstart ist meine schöne Zeitplanung nichts mehr wert. Im Nachgang haben sich noch eine ganze Reihe Anforderungen geändert.
Was man jetzt auf keine Fall machen sollte: Den Zeitplan solange „anpassen“, bis es wieder stimmt. Zeit die man zum Start eines Projektes verliert ist genau so schmerzhaft wie Zeit, die man am Ende verliert.
Also müssen wir entweder den Auslieferungstermin, oder die Anforderungen anpassen. Da der Auslieferungstermin fest steht, ist jetzt Timeboxing angesagt: Was kann in der vorgegebenen Zeit geliefert werden und was fällt ins nächste Release?
Heraus kommt ein neuer Vorschlag für den Fachbereich. Dankenswerterweise ist der Fachbereich (noch) mit den Vorschlägen einverstanden. Es wird ein Minimalziel zum Launch geben mit dem allen glücklich sind.
Da wir in 6 Wochen Launch haben, darf sich jetzt nichts mehr ändern. Ansonsten gibt es einen neuen Zeitplan. Dann kommt zwar das übliche „das muss irgendwie klappen“ vom Fachbereich, aber das ist mir lieber, als nach einen nicht realistischen Projektplan zu arbeiten und 3 Tage vor Start auf Grund irgendwelcher angeblich völlig unvorhergesehenen Probleme den Start zu verschieben. ..

Kunden aquirieren

Wie kommt man als selbstständiger Berater eigentlich an seine Kunden? Schaut man ins Internet, finden sich reichlich Projektbörsen und noch mehr Angebote von Projektvermittlern. Die Wirklichkeit schaut ganz simple aus: Keine Kontakte, keine Aufträge. Zumindest bei mir und den Beratern die ich in meinem Umfeld treffe, erfolg eine Beauftragung ausschließlich über persönliche Kontakte und Empfehlungen. Entsprechend ist der Einstieg in den Job für viele Leute hart. Wenn man die ersten Projekte erfolgreich abgewickelt hat, kommen die Folgeaufträge fast automatisch. Bis dahin: kämpfen. Wenn Vermittlungsagenturen wider erwarten doch mal ein Projekt anbieten, ist der Tagssatz oftmals sehr traurig – 300 EUR Tagessatz inkl. Spesen werden ohne schlechtes Gewissen angeboten (Wer das jetzt für viel hält: Man sollte realistisch mit 120-130 bezahlten Tagen im Jahr rechnen. Als festangestellter Projektleiter kommt man aktuell auf 60-70tsd. EUR). Entsprechend braucht man einen Tagessatz von >500 EUR um auf den gleichen Level zu kommen. Und dabei sind die laufenden Kosten – Fahrkosten, Hotel, Büroausstattung – noch nicht eingerechnet).
Das bedeutet aber auch, dass man ständig seine Ohren auf halten sollte und auch mal Projekte an Bekannte vermittelt die man selber im moment nicht abdecken kann.
Was ist also mit den ganzen Projektbörsen wie Gulp und Co.? Im Prinzip wie Lotto: Unwahrscheinlich, das es was bringt aber man kann ja nie wissen …

1000 Fehler in der Projektleitung: 14

Fehler machen verboten?
Wir Menschen sind so konstruiert, dass wir über Fehler lernen, eigene und fremde Fehler. Wenn mein Steinzeitnachbar nach Genuss einer Pflanze umgefallen ist war mir klar: besser nicht essen.
Entsprechend macht jede Führungskraft täglich duzende Fehler. Zumindest sollte dies so sein; wer keine Fehler macht, arbeitet nicht. Gerade bei Projektleitern kommt es häufig vor, dass man unter Zeitdruck nicht an Hand aller notwendigen Informationen, sondern an Hand der vorhandenen Informationen Entscheidungen treffen muss. Da liegt mal schon mal daneben – eigentlich kein Beinbruch. Die Probleme fangen erst an, wenn in einer Firma keine vernünftige Kultur im Umgang mit Fehlern existiert. Wer kennt das nicht: Man ruft Person XY an um ein Problem zu besprechen. Erste Reaktion: Das ist aber nicht mein Fehler! Das hat Müller aus A13 verbockt. Kriesenmeetings werden dadurch blockiert, dass man stundenlang nicht über Lösungen, sondern über Schuld diskutiert. Wenn man die dort verschwendete Zeit in Lösungssuche investierte, würden viel weniger Projekte scheitern… Meine Taktik:
1. Fehler offensiv zugeben- auch wenn man gar nix falsch gemacht hat. Bevor ich mit einem sturen Sachbearbeiter diskutiert ob der nicht richtig zuhören kann, sage ich lieber etwas wie „Ich habe Sie da von falsch informiert. Tut mir leid, aber in Wirklichkeit sieht es ’so und so‘ aus“.
2. Den Menschen ein Ventil geben: „Ich ärger mich auch über die Situation. Wir werden im Nachgang auf jeden Fall ein Meeting abhalten und die Geschichte zur Sprache bringen“
3. Auf gar keinen Fall zulassen, dass Schuldzuweisungen per Mail verschickt werden. Streitereien per Mail eskalieren in einer unglaublichen Gerschwindigkeit. Binne weniger Mails wurde aus einem kleinen Missverständnis ein handfester Streit in dem man sich die schlimmsten (verbalen) Prügel androht. In so einem Fall sofort dafür sorgen, dass die Personen an einen Tisch kommen – zur Not auch per Telefonkonferenz, aber wenn dies die schlechtere Lösung ist.
4. Und zuletzt: Mit gutem Beispiel vorangehen. Eigene Fehler nicht vertuschen, fremde Fehler in über die Maße kritisieren. Regel: Wenn ein Fehler einmal passiert, ist es ok. Wenn er zweimal passiert ist es schlecht.

Playstation Portable

Anzahl Tage, die ich wiederstehen konnte, mir eine PSP zu kaufen: 30
Tage, in denen ich Argumente für eine PSP gesammelt habe: 1
Sekunden, die ich vor dem Verkaufsstand gezögert habe: 30
Schlechte Gewissen ob des hohen Preises: 1 Tag
Erkannt, dass einem bei Autorennspiele in der Bahn speiübel wird: 15 Minuten …