Meine Bundeswehr-Geschichte

Die Bundeswehr ist ja aktuell ziemlich in der Presse vertreten. Ein Grund ist die Aussetzung der Wehrpflicht. Und natürlich schießt sich Berichterstattung gerade auf verschiedene Rituale ein – die Gorch Fock haben wir ja auch noch.

Ich habe mich dann eine meine sehr kurze Bundeswehrzeit erinnert und die Tatsache, dass ich für mich in Anspruch nehmen kann, die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer nicht aus Gewissensgründen erhalten zu haben, sondern weil ich eine Gefahr für die Bundeswehr war.

Ihr glaubt es nicht? Das war ja so…

Ich habe 1989 erst verweigert, als ich schon mitten in der Grundausbildung war. Das „warum“ und „wieso“ würde jetzt ein wenig zu weit führen. Gut war daran, dass ich sowohl Bund, als auch Zivildienst kennen gelernt habe. Schlecht war allerdings, dass ich neben der schriftlichen Begründung meine Gewissenseintscheidung auch vor einem Ausschuss vortragen musste. Dies war damals Pflicht für alle Verweigerer, die schon gemustert waren.

Der Ausschuss hat mich einmal komplett auseinandergenommen. Kein Wunder. Die machten das mehrmals am Tag, ich war ein 19 jähriger Depp ohne jegliche Rhetorik-Kenntnisse. Und was soll man bitte antworten, wenn man sich vorstellen soll, ein Verbrecher mit einem Flammenwerfen würde in einem Kinderheim Kinder angreifen und ich stünde daneben und hätte zufällig eine geladene Pistole in der Hand – kein Scherz, dies war eine echte Frage. Die „Lehrbuchantwort“ lautet „Ich würde den Typen umballern, mir aber mein Leben lang Vorwürfe machen“.

Wie auch immer. Mündlich wurde mit mitgeteilt, ich sei anerkannt. Dies sei aber noch nicht rechtskräftig und ich habe auf den schriftlichen Bescheid zu warten. Was dann passierte, werde ich nie in meinem Leben vergessen.

Der Bescheid kam nämlich nicht. Ich habe einige Wochen gewartet, aber nichts passierte. Also war ich noch Soldat. Meine Zivildiensstelle bei der Lebenshilfe würde ja auch nicht ewig auf mich warten. Also habe ich irgendwann mal dem Bescheid hinterher telefoniert.

Dann kam der Bescheid. Ich öffnete den Umschlag und überflog die erste Seite. Und was stand da?
„Der Antrag ist offensichtlich unbegründet“. Ich war geschockt. Das konnte doch nicht sein. 3 Seiten lang wurde in einem sehr allgemeinem Blabla geschrieben, dass Zivildienst ja viel anspruchsloser als Wehrdienst sei usw. usw.

Die letzte Seite des Bescheids spricht dann wieder davon, dass mein Antrag angenommen wird. Denn
„letztendlich stellt sich die Frage, ob der Antragsteller nicht eher einen Schaden als einen Nutzen für die Bundeswehr darstellen würde“

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