Archiv für den Monat: Januar 2011

Nachtrag zur meiner Bundeswehr Geschichte

In meinem letzten Eintrag habe ich ja zum Besten gegeben, dass ich als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wurde, da ich (Zitat) „eher einen Schaden als einen Nutzen für die Bundeswehr bedeute“. Als ich mir das Schreiben jetzt angeschaut habe, ist mir noch eine andere Passage aufgefallen.

Irgendwann im Laufe des Gespräches (was eher eine Demontage meiner Person war) meinte der Vorsitzende, meine Argumente seien so absurd, er verstehe gar nicht, welch krankem Geist das entstammen könne.

Man muss dazu wissen, dass er meine Aussagen auch gerne mal verdreht hatte. Beispiel: Ich habe in meiner Einleitung gesagt, dass ich nicht lernen möchte, wie man tötet. Er meinte, er würde das eben auf Tonband als Protokoll sprechen. Was sagt er: „Der Antragssteller sagt, die Bundeswehr sei eine Mörderbande“. Ich habe natürlich sofort widersprochen. Er fragte dann, ob ich in Bezug auf die Sache, wie man lernt zu töten das vielleicht auch mit der Mafia vergleichen könnte. Ich sagte nein, natürlich nicht. Natürlich gäbe es ja doch riesige Unterschiede. Klar, auch da lernt man zu töten. Was spricht er aufs Band: „Und ich sehe keinen Unterschied zu einer Mörderschule der Mafia“. Was hört man also auf dem „Protokoll“: „Der Antragsteller sagt, ich halte die Bundeswehr für eine Mörderbande und ich sehe keinen Unterschied zu einer Mörderschule der Mafia“.
Klingt unglaublich, aber ich schwöre, dass es genau so passiert ist.

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich erzählen, dass ich auf eine Frage geantwortet habe, dass ich viel in Datennetzen unterwegs sei. Die Welt würde meiner Meinung nach immer mehr zusammen rücken. Und je besser andere Menschen kenne, desto schwerer sei es, sie zu töten. Auch würde das Konzept des gewaltfreien Widerstands (das ist die Lehrbuchantwort, was man denn mache, wenn jetzt ein Angreifer das Heimaltland besetzt) durch die immer bessere Vernetzung gut funktionieren.

Das war in Hinblick auf die aktuellen Vorgänge in Tunesien und Ägypten wohl nicht ganz falsch. Wir erleben eine Revolution, die über Twitter und Facebook groß geworden ist.

Dazu steht in meiner „Anerkennung“ auch etwas. Zitat „Wenn der Antragsteller mit einer völlig wirren Internetreligion argumentiert, ist dies selbst bei bestem Wohlwollen nicht nachvollziehbar“.

Gut, dass dieser Unfug der Gewissensprüfung durch Aussetzung der Wehrpflicht vorerst vorbei ist.

Der Fairniss halber muss ich allerdings sagen, dass ich beim Bund selber absolut fair behandelt wurde. Mein direkter Ausbilder war ein wenig sauer. Aber nur, weil ich ein guter Sportler war und er meinte, ohne mich würden sie weniger interne Wettbewerber gewinnen.

Meine Bundeswehr-Geschichte

Die Bundeswehr ist ja aktuell ziemlich in der Presse vertreten. Ein Grund ist die Aussetzung der Wehrpflicht. Und natürlich schießt sich Berichterstattung gerade auf verschiedene Rituale ein – die Gorch Fock haben wir ja auch noch.

Ich habe mich dann eine meine sehr kurze Bundeswehrzeit erinnert und die Tatsache, dass ich für mich in Anspruch nehmen kann, die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer nicht aus Gewissensgründen erhalten zu haben, sondern weil ich eine Gefahr für die Bundeswehr war.

Ihr glaubt es nicht? Das war ja so…

Ich habe 1989 erst verweigert, als ich schon mitten in der Grundausbildung war. Das „warum“ und „wieso“ würde jetzt ein wenig zu weit führen. Gut war daran, dass ich sowohl Bund, als auch Zivildienst kennen gelernt habe. Schlecht war allerdings, dass ich neben der schriftlichen Begründung meine Gewissenseintscheidung auch vor einem Ausschuss vortragen musste. Dies war damals Pflicht für alle Verweigerer, die schon gemustert waren.

Der Ausschuss hat mich einmal komplett auseinandergenommen. Kein Wunder. Die machten das mehrmals am Tag, ich war ein 19 jähriger Depp ohne jegliche Rhetorik-Kenntnisse. Und was soll man bitte antworten, wenn man sich vorstellen soll, ein Verbrecher mit einem Flammenwerfen würde in einem Kinderheim Kinder angreifen und ich stünde daneben und hätte zufällig eine geladene Pistole in der Hand – kein Scherz, dies war eine echte Frage. Die „Lehrbuchantwort“ lautet „Ich würde den Typen umballern, mir aber mein Leben lang Vorwürfe machen“.

Wie auch immer. Mündlich wurde mit mitgeteilt, ich sei anerkannt. Dies sei aber noch nicht rechtskräftig und ich habe auf den schriftlichen Bescheid zu warten. Was dann passierte, werde ich nie in meinem Leben vergessen.

Der Bescheid kam nämlich nicht. Ich habe einige Wochen gewartet, aber nichts passierte. Also war ich noch Soldat. Meine Zivildiensstelle bei der Lebenshilfe würde ja auch nicht ewig auf mich warten. Also habe ich irgendwann mal dem Bescheid hinterher telefoniert.

Dann kam der Bescheid. Ich öffnete den Umschlag und überflog die erste Seite. Und was stand da?
„Der Antrag ist offensichtlich unbegründet“. Ich war geschockt. Das konnte doch nicht sein. 3 Seiten lang wurde in einem sehr allgemeinem Blabla geschrieben, dass Zivildienst ja viel anspruchsloser als Wehrdienst sei usw. usw.

Die letzte Seite des Bescheids spricht dann wieder davon, dass mein Antrag angenommen wird. Denn
„letztendlich stellt sich die Frage, ob der Antragsteller nicht eher einen Schaden als einen Nutzen für die Bundeswehr darstellen würde“

Zitate

Heute habe ich zwei schöne Zitate gelesen. Ich bin ja der Meinung, dass Scheitern ein Teil der Arbeit ist, daher:

Zitat 1:
Scheitern ist einfach nur die Möglichkeit, wieder neu anzufangen – aber dann mit weniger Fehlern

Das Zitat wird Heny Ford zugeschrieben.

Aber wenn das Projekt zu richtig gegen die Wand gedonnert ist, sollte man vielleicht lieber Zitat 2 ins Auge fassen:
Quit Your Job
Buy A Ticket
Get A Tan
Fall In Love
Never Return

Hörbuchtipp zum Wochenstart

Berater sind ja (mehr oder minder) gerne viel unterwegs. Das Autoradio ist ja – besonders im Einzugsbereich von NDR2 – eher eine Qual als ein Segen. Also bleiben Hörbücher. Hier ein Tipp.

Die Brautprinzessin. Ich glaube, ich habe das Buch schon tausend Mal empfohlen. S. Morgensterns klassische Erzählung von wahrer Liebe und edlen Abenteuern. Die Ausgabe der spannenden Teile. Bearbeitet von W. Goldmann ist ein unglaublich lustiges und grandioses Buch.

Der ebenfalls lustige und grandiose Jochen Malmsheimer hat das Buch zusammen mit Bela B. eingelesen. Herausgekommen ist ein sehr, sehr schönes Hörbuch:

Die Brautprinzessin. 9 CDs

Der Unterschied zwischen Männer und Frauen: Ärzte

Man sagt ja weiblichen Ärzten eine gewissen Härte nach. So nach dem Motto „Ich habe 3 Kinder bekommen, jetzt jammern Sie hier nicht wegen dieser kleinen Wurzelbehandlung ohne Betäubung herum – nächste Woche habe ich auch wieder Schmerzmittel“.

Vor ein paar Monaten hatte ein ein schönes Beispiel für dieses Vorurtel erleben dürfen.

Ich musste eine Kniespiegelung machen lassen. Eigentlich wollte ich das nicht, aber nachdem 3 Ärzte mir das empfohlen haben, sagte ich doch zu.

Nach der OP kam der Arzt in mein Zimmer um mir das Ergebnis zu sagen. Ich stand noch unter der Wirkung der Narkose und war daher sehr gut gelaunt. Er war sehr diplomatisch und vorsichtig – ich war gut drauf. Das Gespräch verlief also so:

Ich: „Hey! Sie sehen aus wir mein Doktor!“
Er: „Guten Morgen. Ich habe Sie operiert. Und leider sah das alles nicht wirklich gut aus“
Ich: „Ja ja“ (hüpfe auf Krücken in meinem Zimmer herum)
Er: „Also Ihre Kniescheibe ist jetzt nur noch halb zu dick wie vorher. Wir haben auch sehr viele Splitter entfernt“
Ich: „Cool! Ah ja, bevor ich es vergesse, wann kann ich wieder Marathon laufen?“
Er: „Also das wird wohl nie wieder etwas“
Ich: „Ach ja, ist dann so“
Er: „Ja, mit Glück können Sie noch 30 Minuten laufen.“
Ich: „Hihi, das reicht nie für 42Km“
Er: „Ich weiß, dass ist jetzt hart. Wenn man etwas nicht mehr darf merkt man erst, wie sehr es einem fehlt“
Ich: „jaja“
Er: „Aber wenn Sie sich Hilfe suchen werden Sie mit etwas Glück vielleicht auch schmerzfrei sein können“
Ich: „Schmerzen? Ach was“ (schrieb ich schon, dass Vollnarkose klasse sind)“.

Langer Rede kurzer Sinn. Er hat bestimmt 10 Minuten versucht, mit sehr schonend und vorsichtig beizubringen, dass das Ergebnis der Kniespiegelung nicht gerade gut war.

Einen Tag später. Ich gehe zur Kniesprechstunde der Klinik um mir den Verband abnehmen zu lassen. Die Ärztin (die auch die Erstaufnahme gemacht hat) sieht auf den Befund, schaut kam von ihren Unterlagen auf uns sagt
„Wow, da hat’s Ihr Knie aber ganz schön zerbröselt!“

Frauen sind einfach härter …

Was Projektleiter vom BVB lernen können

Nachdem der BVB mehr als überzeugend Herbstmeister wurde, ist nach dem ersten Spiel letzte Woche alles klar: Dortmund wird Meister.

Als Dortmunder freue ich mich natürlich schon auf die kommende Meisterfeier des BVB 09. Ich kann mich aus verschiedenen Gründen zugegebenermaßen nicht mehr so richtig in allen Details an „meine“ erste Meisterfeier 1995 erinnern (man hört, es seien dort alkoholische Getränke konsumiert worden), aber das war schon klasse. Unvergessen, als wir am anderen Morgen auf der Suche nach Frühstück in eine Cafe gingen und die (übernächtigte) Bedienung uns mit „als Bier ist alle“ begrüßte.

Einige der Grundlages des aktuellen Erfolges sind auch gute Grundlage für erfolgreiches Projektmanagement:

1. Agieren, nicht reagieren

Wenn der Gegner den Ball hat, verhalten sich die Spieler so, als würde ihnen jede Sekunde ohne Ball vom Gehalt abgezogen werden. Der Gegner wird ständig angegriffen. Oberstes Ziel ist, Ball und Spiel zu kontrollieren. Konter-Fußball ist für Langeweiler.

Genau das Verhalten erwartet man von einem guten Projektleiter. Abwarten bis die Erde zusammenbricht ist selten eine gute Idee. Der selber agiert an statt zu warten bis etwas passiert ist fast immer erfolgreicher

2. Immen einen Plan B bereit haben

Wie hat Jürgen Klopp in einem Interview gesagt: Nicht der Spieler der den Ball im Zweikampf verliert bekommt Ärger, sondern der Spieler der eigentlich hätte absichern sollen und den Ball nicht sofort zurück holt.

Das ist für gute Projekte so fundamental, dass man es sich eigentlich auf den Unterarm tätowieren sollte, Denn:
Projekte gehen schief. In Projekten gehen Dinge schief. Pläne klappen nie so, wie man sich das vorstellt. Absprachen klappen nie so, wie man sich das vorstellt.
Also: Risiken einrechnen (auch in Zeitpläne!!!), Alternativen planen bevor das Problem auftaucht. Bei der Gelegenheit kann man auch mal wieder Tom DeMarco lesen

3. Die richtigen Leute

Die Mannschaft, nicht der Spieler zählt? Bla bla bla. Wichtig sind sowohl die Einzelleistungen als auch die Fähigkeit, aus diesen Leuten ein echtes Team zu formen. Allerdings zählt das Zusammenspiel heute mehr als früher. Verantwortlich für die Meisterschaften ab 1995 waren viele gute Einzelleistungen. Sammer, Möller (mit seinen Zauberfreistößen), Caesar (die coolste Abwehrsau der Welt) usw. usw. Heute zählt das Team stärker. Aber viele Manager verstehen nicht, dass man ein sehr gutes Team nur mit guten Leuten aufbauen kann. Die Produktivität von Softwareentwicklern ist extrem unterschiedlich. Das muss man berücksichtigen.
Um in diesem Zusammenhang einen meiner Lieblingssätze zu wiederholen: Projektmanagement ist die Kunst, die richtigen Leute zur richtigen Zeit mit den richtigen Informationen an der richtigen Stelle zu haben

Hörbuchtipp zum Wochenanfang

Berater sind ja (mehr oder minder) gerne viel unterwegs. Das Autoradio ist ja – besonders im Einzugsbereich von NDR2 – eher eine Qual als ein Segen. Also bleiben Hörbücher. Hier ein Tipp.

Ende des 19. Jahrhunderts hat Mark Twain Europa bereist. Ergebnis dieser Reise ist eine grandiose Satire welche Rufus Beck auf 10 CDs eingelesen hat:
Bummel durch Europa

Unbedingt kaufen!

Probleme beim Einchecken

Der Flug war spät, der Tag lang und ich müde. Ich freute mich nur noch auf mein Bett in dem netten Hotel.

„Hallo, ich bin der Guerilla-Projektleiter und ich habe eine Reservierung“
„Echt? Komisch, ich dachte, für heute seien alle Gäste schon angekommen“
„Tja, ich fehlte wohl noch“
„Ich habe leider keine Reservierung von Ihnen im System“
„Waaaas? Es ist 23:50 Uhr. Ich muss um 07:00 Uhr raus. Ich will jetzt mein Bett!!!!!“
„Einen Augenblick“
„Sie haben da wohl einen Fehler gemacht. Nicht schlimm, den können Sie da bestimmt korrigieren“
„Ah, hier habe ich Sie. Sie haben eine Reservierung für das Jahr 2012 gemacht“
„Oh …“

Wo bin ich?

Das kennt vermutlich jeder Berater, aber so heftig wie heute hatte ich das noch selten.

Man wacht morgens in seinem Hotelzimmer auf und ist komplett orientierungslos. Erst langsam fängt das Gehirn an zu arbeiten. Ok, ich bin nicht in meinem Bett. Aber wo bin ich? Ah, ein Hotelzimmer. Stimmt doch, oder? Gut, ich bin in einem Hotel. Aber in welcher Stadt?

Heute Morgen hatte ich zwar nach einigen Sekunden begriffen, dass ich in einem Hotel war. Aber ich hatte absolut keine Ahnung, wo und – was noch heftiger war – warum!

Also habe ich den Wecker wieder ausgeschaltet und wollte einfach weiterschlafen. Zum Glück fiel mir vor der nächsten Tiefschlafphase ein, dass ich einen Termin habe und so langsam mal aufstehen sollte …