Archiv für den Monat: Februar 2010

Herr Köhler und das sog. Zugangserschwernissgesetz

Der Bundespräsident hat das Zugangserschwernissgesetz nun also unterzeichnet. Dafür wird er gerade massiv aus allen Richtungen kritisiert. Denn jetzt haben wir ein Gesetz, was nur erstellt wurde, um damit Wahlkampfgetöse zu machen – welches aber nun niemand mehr haben will. Die Regierung will das Gesetz ruhen lassen und die Provider werden mit Sicherheit die dazu notwendige Infrastruktur noch nicht aufgebaut haben.

Aber ist an dieser Situation Horst Köhler Schuld? War es falsch, das Gesetz zu unterschreiben? Aus meiner Sicht absolut nicht. Es wäre ganz im Gegenteil fatal gewesen, wenn er das Gesetz nicht unterschrieben hätten. Das Gesetz ist Unfug. Es ist inhaltlich Quark, es hat nach Expertenmeinung keine Wirkung und wurde in einer erstaunlich kurzen Zeit durchgedrückt – dabei hat man so ziemlich sämtliche Sachargumente dagegen ignoriert. Bei diesem Gesetz hat der Gesetzgeber aus meiner Sicht seine Macht zu Wahlkampfzwecken missbraucht. So etwas darf es nicht geben!

Wenn Köhler nun das Gesetz nicht unterschrieben hätte, wäre das ein falsches Signal. Dann könnten Politiker ja auf die Idee kommen, es sei eine gute Idee, während eines Wahlkampfes populistischen Dreck in Gesetzform zu packen um ein paar Stimmen mehr zu bekommen. Um die Folgen muss man sich keine Sorgen machen, wird schon nichts passieren.

Jetzt müssen die verantwortlichen Politiker selber sehen, wie sie aus der Sache wieder herauskommen. Und das ist gut so!

Warum Erfahrung auch ein Risiko ist

Mit Projekten ist das ja wie im richtigen Leben. Wenn es einmal schief läuft, dann so richtig und ist ein Projekt erst einmal auf die schiefe Bahn geraten, taummelt es immer weiter gerade in Richtung Misserfolg.

Manche Projektleiter stehen dann völlig verwirrt vor den Resten ihres Projektes und verstehen gar nicht, was denn da schief gelaufen ist. Die 5 Projekte vorher liefen rund und zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligter – und auf einmal bricht alles zusammen. Gerne gehörter Satz „Dabei habe ich es doch genau so gemacht, wie immer. Wieso hat es denn dies mal nicht geklappt?“.

Einfache Antwort: Genau deshalb. Projekte sind nun mal nicht alle gleich. Wenn es so wäre, würden wir Projektleiter nicht so unanständig viel Geld verdienen – äh, ich wollte schreiben: nicht so viel arbeiten müssen.

Dabei kann interessanterweise Erfolg eine echte Gefahr darstellen. Wenn man nämlich einige Male Projekte mit genau den gleichen Mitteln zum Erfolg geführt hat, verzichtet man im Vorfeld eines neuen Projektes auf die notwendige Sorgfalt. Warum auch, schließlich hat man ja jetzt endlich das perfekte Vorgehen gefunden. Falsch! Falsch! Falsch!

Natürlich ist Erfahrung unschätzbar wichtig. Und selbstverständlich wird man mit steigender Erfahrung ein besserer Projektleiter und erkennt potentielle Fallstricke viel schneller. Trotzdem sollte man die erste Projektregel nie vergessen: Projekte sind Projekte und keine Linienarbeit. Projekte sind einmalig und jedes Projekt ist anders.

Langer Schreibe kurzer Sinn. Egal, wie gut man ist. Egal, wie viele Projekte man schon hinter sich hat. Man darf niemals bequem, müde und faul werden. Jedes neue Projekt ist eine neue Herausforderung auf die man sich immer wieder neu vorbereiten muss. Oder anders ausgedrückt: Nur weil Usain Bolt einmal den 100 Meter Weltrekord geholt hat, wird er jetzt automatisch alle folgenden Rennen gewinnen (na ok, er vielleicht). Er muss sich jedes Mal wieder komplett neu vorbereiten und bekommt keinen Vorsprung, weil er vorher mal gewonnen hatte.

Fernsehbefehl

Was ist der berühmteste deutsche SciFi-Film? Ja, Du da hinten? Nein, nicht Raumschiff Orion. Noch jemand eine Idee? Was? Traumschiff surprise?!? Raus!

Es ist natürlich Metropolis von Fritz Lang. Wie? Höre ich da ein Murren? Ja natürlich ist es ein Stummfilm. Aber was für ein Stummfilm! Der Film hat es sogar überstanden, dass 1984 eine eingefärbte Version mit einem Soundtrack von G. Moroder veröffentlicht wurde. Queen Fans kennen natürlich einen Ausschnitt aus dem Video zu Radio Gaga.

Vor einigen Jahren wurden in Argentinien bislang verschollen gedachte Filmrollen gefunden. Diese wurden nun restauriert und so können wir uns nun die Originalversion anschauen, die (wenn ich es richtig erinner) 30 Minuten länger ist also die bisher auf DVD veröffentlichte Version.

Heute wird die neue Version erstmals auf der Berlinale gezeigt. Zeitgleich bringt arte den Film um 20:40 Uhr. Unbedingt anschauen!

Fritz Lang hat überhaupt unglaubliche Filme gedreht Wenn Peter Lorre in M – Eine Stadt sucht einen Mörder seine Verteidigungsrede hält, kann ich mir das in Endlosschleife anschauen.

Der perfekte Bewerber Teil 2

Wenn ich mich im Büro mit Praktikanten unterhalt merke ich, wie lange mein Studium schon zurück liegt. Die studieren Fächer, von denen habe ich noch nie gehört.

Wenn man wie ich 1989 als Nerd (= Trottel der Mathe&Physik als Leistungskurs hatte) nach einem Studienplatz gesucht hat, gab es eigentlich nur folgende Möglichkeiten:
Elektrotechnik (der Ingenieur als Krone der Menschheit), Maschinenbau, Physik, Mathematik, Statistik oder Informatik.

Wobei Informatik schon irgendwie ein Sonderfall war. Denn die Mathematiker konnten es irgendwie nicht ertragen, dass es plötzlich eine eigene Fachrichtung gab und taten das eher als kurzfristige Mode ab. Warum sollte man denn nicht gleich Mathematik (also die einzige echte Wissenschaft) studieren. Mein Studienführer als dem Jahr 1988 wies darauf hin, dass man als Informatiker sehr wissenschaftlich arbeiten würde und ohne Promotion bräuchte man sich erst gar nicht auf Jobsuche begeben. Wieauchimmer. Alles in allem gab es also weniger als 10 Möglichkeiten, an der Uni seinen Weg zu machen.

Und heute? Heute findet man im Studienverzeichnis 50 Studiengänge in denen das Wort „Medien“ vorkommt. Das Studium ist unglaublich spezialisiert.

Ich gebe zu, dass ich das nicht verstehen kann. Wo ist der Sinn einer so frühen Spezialisierung? 80% aller Medienberufe gab es vor 10 Jahren noch nicht. Und welche Berufsbiler es in 5 Jahren geben wird, kann niemand sagen. Vermutlich 40% der Dinge, die ich im Studium gelernt habe, waren am Ende meines Studiums veraltet. Ist das ein Problem gewesen? Natürlich nicht. Denn man lernt im Studium ja nicht nur Inhalte, sondern – viel wichtiger – Methoden und Lernstrategien. Ich kenne die Studiengänge ja nicht im Detail, aber besteht nicht die Gefahr, dass ein Studium je schneller veraltet, je spezieller die Inhalte sind?

Ein zweiter Punkt. Als ich mein Studium gestartet habe, hätte ich mir nicht im Traum vorstellen können, in welche Richtungen es mich mal verschlagen würde. Ich wollte grandiose Software erschaffen. Kundenkontakt? Vorträge? Leitung von Workshops? Große Beratungsprojekte? Personalverantwortung? Ich?!? Nie im Leben! Später stellte sich dann heraus, dass ich zwar kein schlechter Softwareentwickler war, aber bei weitem nicht so brilliant, wie ich es denn gerne gewesen wäre. Statt dessen fing ich an es zu lieben, Teams und Projekt zu führen. Wenn mir das jemand im ersten Semester vorhergesagt hätte? Ich hätte gelacht und weiter getrunken. Wäre also ein Studium für mich gut gewesen, dessen Inhalte extrem stark auf den zukünftigen Job zugeschnitten sind? Hell no!

Egal, ich muss zum Glück heute nicht mehr studieren. Ich beneide die aktuellen Studenten aber auf jeden Fall nicht.

Was für die ältere unter uns: Scott Adams Adventure

Eine so ziemlich komplett ausgestorbene Spielerichtung sind die Textadventures. Heute noch hoch gelobt sind natürlich die Adventure von Infocom. Aber die Krone gehört eigentlich Scott Adams (nein, nicht der Comic-Zeichner)

Scott Adams hat schon Ende der 70’er Computerspiele programmiert. Die Textadventure waren extrem simpel. Man bekam erst eine kurze Beschreibung, wo man ist („Du bist in einer Halle. Hier ist eine Standuhr. Es geht nach norden, süden, osten, westen“). Mit Hilfe kurzer Befehle („öffne uhr“ — „Eine Eule kommt heraus“) steuerte man dann das Spiel.

Die Adventure von Scott Adams sind Klassiker. Wir haben komplette Sommerferien damit verbracht, die Lösung zu finden. Und oft genug scheiterte es einfach daran, dass man einfach nicht das richtige 2-Wort Kommando gefunden hat. Die Spiele waren natürlich sehr simpel, schließlich musste so ein komplette Spiel in 8Kb Speicher passen (ja, liebe Kindern, 8192 Zeichen reichten damals aus, um komplette Spiele zu schreiben)

Wer mal wieder das echte 80’er Feeling haben möchte, hier kann man seine Adventure online spielen:
http://www.ifiction.org/games/index.php?cat=44

Der pefekte Bewerber

Auf SpiegelOnline gibt es einen Artikel über die aktuelle Studentengeneration. Eine exemplarische Anna-Lena (grandioser Name) steht für Studenten, die ein Turbo-Studium durchziehen, aber im wirklichen Leben vermutlich in der Fußgängerzone verhungern würden (es sei denn, sie sehen jemanden aus ihrem Netzwerk der ihnen hilft)

An solchen Artikeln merke ich dann, dass mein Studium schon etwas zurück liegt. Wir hatten wohl etwas mehr Zeit. Immer, wenn es darum geht, das Schule und Studium noch kürzer werden sollen, erinner ich mich an einen Leiter eines Kurses im Technischen Zeichnen (bevor es mich zur Informatik verschlagen hat, war ich für 2 Semester in Elektrotechnik eingeschrieben). Als jemand neben mir in der Übung jammerte, er würde ja so auf keinen Fall nach 8 Semestern fertig werden war die Antwort: „Warum wollen Sie so früh fertig werden? Als Ingenieur sollen Sie eine Führungsausfage übernehmen und wenn Sie mit nur 24 Jahren ein Team von gestandenen Technikern führen wollen, lachen die Sie doch nur aus“

Ok, aber scheinbar wollen Personaler heute Stellen mit solche Anna-Lenas besetzen. Warum auch immer. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich recht lange eigene Teams geleitet, teilweise mit Personalverantwortung und habe entsprechend viele Leute selber eingestellt. Einer der besten und engagiertesten Softwareentwickler an die ich mich erinnern kann war jemand, der vorher seinen Job als Straßenbauer aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Er hatte definitiv keinen idealen Lebenslauf vorzuweisen, passte aber perfekt in die Position.

Andere Geschichte: Abends sitzt eine Runde hochrangiger Manager eines Weltkonzerns zusammen. Alle sind in ihren jeweiligen Positionen sehr erfolgreich und gut. Nach einigen Gläsern Wein stellt sich heraus, dass niemand am Tisch sein Studium mit einem Abschluss beendet hat. Tja, solche Zeiten sind dann wohl vorbei…

Neue iPhone Firmware kennt wieder Tethering

Oh welche Freude.

Seit gestern steht ein neues IPhone Update bereit. IPhone OS 3.1 hatte Internet-Tethering (IPhone als Modem nutzen) für viele Nutzer deaktiviert.

Hatte man sein IPhone im europäischen Ausland (legal) gekauft und keinen T-Mobile Vertrag, konnte man es nicht mehr aktivieren.

Aus welchen Gründen auch immer, hat Apple dies mit dem Update am Dienstag wunderbarerweise wieder aktiviert. Wer also auch sein IPhone mit einem anderen Provider betreibt: Update!