Archiv für den Monat: Januar 2010

Will ich vielleicht doch ein iPad?

Als das iPad vorgestellt wurde war ich eigentlich der Meinung, ich brauche das nicht. Einige US-Blogger haben geschrieben, dass iPad sei genau das Gerät, was sie ihrer Mutter/Oma kaufen würden. Es sein einfach zu bedienen und würde genau deren Bedarf erfüllen. Sorry Jungs, aber das ist Quatsch. Das iPad kann nur ein Zweitgerät sein. Denn es muss sich mit iTunes synchronisieren. Klar, man kann es auch ohne iTunes nutzen. Aber das iPad ins Spühlwasser fällt, sind alle Daten futsch. Leider hat Apple ja noch kein iPad-WiFi-MobileMe-Sync vorgestellt.

Mittlerweile kann ich mir ein iPad sehr gut in meiner Wohnung vorstellen, nämlich auf meinem Wohnzimmertisch.

Es gibt einige Dinge, die ich mit meinem iPhone mache, wofür es eigentlich gar nicht sonderlich gut geeignet ist. Beispiele:

Schach
Ich habe einen Account bei chess.com und spiele über das iPhone (Fern-)Schach gegen 4-5 Gegner. Das Schachbrett auf dem iPhone ist ok, aber auf 10″ würde es natürlich noch besser aussehen. Mehr noch: Ich habe einige Spiele gegen meine Liebste auf dem iPhone gespielt – in dem wir das iPhone zwischen uns gelegt haben. Das iPad könnte durch eine Größe als richtiges Spielbrett durchgehen.

Neben Schach kann ich mir viele andere Brettspiele vorstellen, die auf dem iPad gut spielbar sind. Vielleicht sollte man einfach mal eine klassische Spielesammlung (Mensch ärger Dich nicht, Halma, Mühle) programmieren. Und zwar so, dass es ein simpler Ersatz für echte Brettspiele wird.

Fernsehzeitung
Eine Fernsehzeitung habe ich mir schon lange nicht mehr gekauft. Ich nutze tvtv.de oder eine der vielen verfügbaren Apps. Hier stößt die kleine Anzeige aber auf sein Grenzen. Gerade, wenn Text und Bilder vermischt werden. Das iPad wäre eine echte Programmzeitschrift

Twitter
Der sonntägliche Tatort macht mit Twitter noch mehr Spaß. Auch das stelle ich mir auf einem iPad nett vor

Surfen und Filme lasse ich mal weg, versteht sich von selber…

Eine andere sehr gute Einsatzmöglichkeit ist z.B. die Haussteuerung. Es gibt mittlerweile bezahlbare Lösungen mit denen man seine Wohnung automatisieren kann. Das ist nicht nur Spielerei. Eine automatische Steuerung von Heizung und Licht (beispielsweise je nach Anwesenheit) spart viel Energie. Es gibt mittlerweile verschiedenste Anbieter die eine Steuerung per iPhone App erlauben. Für diese ist ein iPad natürlich ideal.

Wunschliste für das Apple iPad 2.0

Steve Jobs stellt gerade das neue iPad vor. Hier schon mal meine Wunschliste für die Version 2.0:

– UMTS
– Zwei Kameras (eine für Fotos, eine für Videokonferenzen)
– Multitasking
– Die Möglichkeit, eine Bluetooth-Tastatur anzuschließen

Wird das Ding ein Erfolg? Keine Ahnung. So wie es aussieht, wird es mein Kindle nicht ersetzen und auch kein Ersatz für mein Laptop sein können. Aktuell habe ich in meiner Tasche: Laptop, iPhone und Kindle

Wenn ich kein Gerät ersetzen kann, werde ich mit 4 Geräten unterwegs sein wollen? Klare Antwort: Nein!

So auf den ersten Blick ist das iPad ein großes iPod auf dem ich fancy Zeitung lesen kann. Keine Ahnung, ob ich das wirklich kaufen will.

(Update): Da war ich zu schnell. Es hat sowohl UMTS also auch die Möglichkeit, eine Tastatur anzuschließen. Und es kostet ab $499. Also $830 für ein 64gb Computer mit UMTS. Hmm also vielleicht … dann … ja … doch …

Goldene Regeln

„Wirklich lieber guerilla PM, ich bin untröstlich. Ich kann voll uns ganz verstehen, dass Sie mit dem Verlauf des Projektes unzufrieden sind. Aber ich kann mir auch gar nicht erklären, wie das alles passieren konnte.“

Na ja, ich hätte da so einige Ideen, warum der Dienstleister das Projekt in den Sand gesetzt hat. Er hat so ziemlich jede goldene Projektregel verletzt:

Sag mir, wie ein Projekt anfängt und ich sage Dir, wie es aufhört

Wenn der Projektstart schon schwierig ist, wird das Projekt scheitern. Das falsche Team, ein schlechtes Briefing, ein schlechtes Grobkonzept – was auch immer. Fehler, die am Anfang gemacht werden, können nicht wieder gut gemacht werden. Leider ist es in der Projektwirklichkeit so, dass viele Projekte erst mal gestartet werden (um „Aktion zu zeigen“). Ein gut vorbereiteter Start ist eher selten.

Das falsche Team zur falschen Zeit bringt Kosten und Verdrießlichkeit

Es geht nicht darum, die besten Köpfe für ein Projekt zu finden. Es geht darum, die richtigen Köpfe zu finden. Wer passt für die Aufgabe? Einfach mal ein Team zu nehmen, weil es in der Vergangenheit bei einer anderen Aufgabe erfolgreich war ist Unfug.

Man tauscht die Pferde nicht auf der Zielgeraden

Kurz vor Ende eines Projekte das halbe Team auszutauchen ist schlecht, sehr schlecht. Eigentlich sollte man das Team gar nicht mehr ändern, auch nicht erweitern („adding manpower to a late project makes it even more late“).

Arbeite nach einer Methode, egal welche – aber die Methode ist nicht das Projekt

Ok, das klingt jetzt seltsam. Was ich damit meine: Es gibt viele verschiedene Projektmanagement Methoden. Und egal, welche man anwendet. Es ist immer besser irgendeine Methode zu nehmen, als gar keine zu haben. Die Gefahr ist jedoch: Je komplexer eine Methodik wird, desto eher verwechselt man das Projektergebnis mit der Methode. Oder anders ausgedrückt: Nur, weil ich den Projektstatus sauber nach PMI tracke und alle notwendigen Reports und Dokumente sorgfältig ausgefüllt habe, ist das Projekt noch lange nicht erfolgreich. Vielleicht protokolliert man nur das Scheitern – dies aber sehr genau

Definiere eine klare Struktur – vor allem in der Kommunikation

Informationen müssen schnell verteilt werden. Und jeder muss wissen, wer Ansprechpartner für welches Thema ist.

Lügner haben kurze Beine – und erfolglose Projekte

Wenn es Probleme gibt, wenn irgendetwas nicht richtig läuft, gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann hoffen, dass es keiner merkt und das Problem „intern“ gelöst wird. Oder, man kommuniziert ehrlich. Die Erfahrung zeigt, dass man lieber gleich mit der Wahrheit raus rücken sollte. Je länger man etwas unter den Teppich zu halten versucht, desto größer werden die Probleme

Grandiose Niederlagen

Normalerweise sind meine Projekte natürlich immer extrem gut in der Zeit, weit unter dem Budget, das Team ist hochzufrieden und der Auftraggeber wirft Rosenblätter auf meinen Weg. Aber manchmal kommt es auch anders …

Es war Sommer. Ich hatte ein Projekt beendet und die Angebote für neue Projekte waren ein wenig mau. Da bekam ich die Anfrage über einen Vermittler, ob ich nicht bei in arbeiten wolle. Start sei in wenigen Tagen. Die Bezahlung war auch in Ordnung.

Ok, ich hätte ein wenig misstrauischer sein sollen. Der Vermittler hat keinerlei Bewerbungsgespräch mit mir geführt. Auch der potentielle Kunde hat mich vor meinem ersten Arbeitstag nicht gesehen oder gesprochen. Das sind schon schlechte Zeichen.

Der erste Tag. Ich komme in die Firma und lerne meinen Auftraggeber zum ersten Mal kennen. Mein Ansprechpartner leitete eine Abteilung mit >100 Mitarbeitern und war eigentlich sehr nett.
O-Ton der Begrüßung: „Also ich halte ja nichts von Beratern. Aber ich dachte, ich probiere das mal aus“.
(Okaaaay, das geht ja schon mal gut los)
Ich: „Dann liegt es jetzt also am mir, Sie davon zu überzeugen, dass Sie durch Berater wirklich Ihren Erfolg steigern können. Wie kann ich Ihnen denn helfen?“
Auftraggeber: „Wir sind in unserer Branche führend. Also wollen wir auch das beste IT System haben. Sie sollen uns das planen“
Ich: „Was ist denn ihre Definition so eines Systems. Soll es möglichst schnell sein? Sollen die Kunden möglichst zufrieden sein? Was sind Íhre Kriterien?“
Auftraggeber: „Was soll denn diese Frage? Die Kriterien erwarte ich von Ihnen!“
Ich: „Sehr gerne. Was sind die Rahmenbedingungen?“
Auftraggeber: „Äh, was für Bedingungen? Die sollen Sie doch definieren“
Ich: „Ok, geben Sie mir 15 Mio EUR, 30 Entwickler und 12 Monate Zeit. Dann bekommen Sie ihr System“
Auftraggeber: „So ein Blödsinn. So viel Geld gibt es nicht. Und so viel Zeit haben wir nicht“
Ich: „Gut, dann kommen wir doch den Rahmenbedingungen schon näher. Jetzt kümmern wir uns noch um die Zieldefinition“.

So in der Art ging es dann weiter. Es ist nun nicht ungewöhnlich, dass ein Kunde nicht weiß, was er will. Aber in diesem Fall wollte der Kunde auch bei dem Projekt nicht mitziehen. Kein Ansatz fand Zustimmung, keine Projektdefinition wurde angenommen. Eigentlich ein 08/15 Projekt. Ist-Analyse, Zieldefinition, Migrationsstrategie. Aber hier klappte so mal gar nichts.

Nach 2 Wochen habe ich das „Projekt“ von mir aus beendet. Die Reaktion des Kunden war, dass er meinte, er macht es dann halt selber und wird mir anschließend das Ergebnis zeigen damit ich endlich verstehe, was er denn überhaupt gewollt hat. Unnötig zu erwähnen, dass ich nie wieder etwas von diesem Kunden gehört habe …

Projektmanager sind Esoteriker

Wenn es darum geht, Behauptungen zu beweisen, kann man zwischen dem wissenschaftlichen Ansatz und dem esoterischen Ansatz (ich nenne ihn einfach mal so, gemeint sind damit die Argumentationen z.B. von Ufo-Anhängern) unterscheiden.

Der wissenschaftliche Ansatz geht so:
Man macht eine Beobachtung und versucht diese zu erklären. Oder man stellt eine Theorie auf Grund von Annahmen und Berechnungen auf.
Im nächsten Schritt versucht man nun 2 Dinge. Zum einen bemüht man sich, die Behauptung zu widerlegen. Des weiteren macht man auf Grund der Theorie Vorhersagen und prüft, ob diese eintreten.

Beispiel: Ein Apfel fällt nach unten. Dies ist die Beobachtung. Ich stelle nun die Thorie auf, dass dies an etwas liegt welches ich Schwerkraft nenne. Ich mache die Schlussfolgerung, dass alle Gegenstände nach unten fallen. Jetzt behaupte ich, dass auch eine Birne fallen würde. Wenn das auch passiert, habe ich ein Modell gefunden welches funktioniert. Was Esoteriker nun nicht verstehen: Ich habe nicht bewiesen, dass alle Dinge nach unten fallen. Wenn ich 999 Dinge finde, die fallen, kann es sein, dass es trotzdem ein Ding gibt, welches nicht nach unten fällt. Als Experiment Nr. 1000 nehme ich einen Wasserstoffbalon. Und siehe da, das Ding fällt nicht nach unten, es steigt nach oben. War damit mein ursprüngliches Modell falsch? Nein, es war nur unvollständig.

Was machen nun Esoteriker?
Nun, ein Esoteriker macht auch eine Beobachtung. Aus dieser Beobachtung zieht er nun Schlüsse und stellt eine Theorie auf. Soweit unterscheidet er sich also nicht von den Wissenschaftlern. Aber er versucht nun nicht, seine Theorie zu untermauern. Ihm reicht diese eine Beobachtung aus. Andere Informationen werden nicht mehr hinzugezogen (oder irgnoriert). Beispiel: Eine Erkältung dauert immer unterschiedlich lange. Man kann eine Infektion mit keinem Medikament der Welt verkürzen. Nun dauerte eine Erkältung vielleicht in einem Fall 10 Tage. 3 Monate später hat der Esoteriker wieder eine Erkältung und nimmt den Imunbooster WooperDooper. Die Erkältung dauert dieses Mal nur 5 Tage.
Erklärung 1: Es liegt an WooperDooper
Erklärung 2: Die Infektion war diesmal einfach nach 5 Tagen vorbei. Sie wäre auch ohne WooperDooper nach 5 Tagen vorbei gewesen sein.
Der Esoteriker glaubt es liegt an WooperDooper und nimmt ab jetzt bei jeder Erkältung WooperDooper. Wenn die nächste Erkältung wieder 10 Tage dauert? Glück gehabt. Mit WooperDooper hätte es bestimmt 10 Tage gedauert.

Langer Rede kurzer Sinn: Wissenschaftler stellen ihre Theorie / ihr Modell ständig in Frage und passen ihr Modell an die Realität an. Esoteriker glauben an ihr Modell und erklären sich die Realität zur Not zu um, bis ihr Modell passt.

Sind wir Projektmanager nun Wissenschaftler oder Esoteriker?
Tja, machen wir uns nichts vor. Wir sind eher Esoteriker. Wir wollen an eine neue Projektmanagement Methode glauben und sind sicher, dass das Projekt dadurch schneller, erfolgreicher use. ist. Können wir das Beweisen? Nein, dafür müssten wir das exakt gleiche Projekt nochmal mit einer anderen Methode durchführen. Und leider geht das nur im Buch (Der Termin. Ein Roman über Projektmanagement).

Aber haben die ganzen Methoden ihre Wirksamkeit wirklich unter Beweis gestellt? Ich glaube mittlerweile eher: Nein.
Heißt das, wir brauchen keine Methoden mehr? Das würde ich nicht sagen. Aber ich glaube, dass die qualitativen Unterschiede zwischen einzelnen Methoden, das deren Vor- und Nachteile einfach viel zu wenig klar sind.