Archiv für den Monat: Dezember 2009

cop15 – Der gescheiterte Klimagipfel

Egal welche Alibi-Erklärung in den nächsten Stunden vielleicht noch die Gnade der 193 Staaten findet, der Klimagipfel ist sauber gegen die Wand gefahren worden. In den Geschichtsbüchern wird er vermutlich als verpasste Chance auftauchen. Rhetorik-Bücher werden ihn als wunderbares Fallbeispiel nehmen, wie Verhandlungen scheitern.

Eigentlich haben ja alle Recht. Die Erdöl-Länder haben Angst um ihre wirtschaftliche Existenz. Die USA will nicht mehr machen, als z.B. China – wieder wirtschaftliche Interessen. China erinnert den Westen daran, dass sie natürlich sehr viel mehr CO2 erzeugen als noch vor einigen Jahren, aber halt dabei seien, in die „1. Welt“ aufzusteigen- will man das ihnen verbieten? Die kleinen Länder fragen, warum sie ihren Regenwald um jeden Preis schützen sollen während die Industriestaaten ihre eigene Umwelt munter zerstören – und nebenbei noch die Weltmeere leerfischen. Außerdem sei ihr Anteil nur extrem gering. Ergebnis: Wir müssen handeln, aber es soll nicht weh tun. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht Nass.

Muss man den Staaten ein Vorwurf machen? Ja und nein. Ursprünglich wollte ich mich jetzt ausführlich über die hirnlosen Volldeppen in Kopenhagen aufregen. Ich wollte schreiben, dass dort die Zukunft meiner (fiktiven) Kinder und Enkel kurzfristigen Wirtschaftszielen geopfert wurden. Aber dann trank ich einen Schluck Kaffee und sah dabei meine Wohnung.

Und die traurige Wahrheit:Die echten Idioten sitzen nicht in Kopenhagen, sondern in meiner eigenen Wohnung!

Ich selber gehe als kleinste mögliche politische Einheit mit denkbar schlechtem Beispiel voran. Während ich mich über den Klimagipfel aufrege, sitze ich alleine in einer 110qm Wohnung, lasse 2 Computer laufen, die Gasheizung erwärmt alles auf wunderbare 21Grad (also 30 Grad höher als die Außentemperatur), eine weitere 30qm Wohnung an meinem Projektstandort hat 15Grad, ich trinke Kaffee aus Südamerika, in einer Tasse die ich in New-York gekauft habe gebrüht mit einer Pad-Maschine und im Moment rödeln Wasch- und Spülmaschine. Ich war in den letzten 12 Monaten auf 3 Kontinenten, bin fast zweimal die Strecke um den Erdball geflogen und ca. 50.000 km alleine mit meinem Auto gefahren. Aus klimaschutzsicht sollte mir die erboßte Erde also in die Fresse hauen bis ich lache.

20% CO2 Reduzierung in 40 Jahren. Pah! Ich könnte meine persönliche CO2 Erzeugung vermutlich binne 6 Monaten um 70% reduzieren. Ich ziehe wieder in eine kleine WG, mache keine Fernreisen, Arbeiten nur an Projekten vor der Haustür und schränke mich stark ein. Warum ich das nicht mache? Klar, ich will das Erreichte nicht einfach so aufgeben. Ich bin quasi mein eigenes China&USA in Personalunion.

Und ich denke, hier liegt ein Teil der Lösung. Jeder Einzelne kann seinen Teil beitragen. Rettet das die Welt? Natürlich nicht. Aber je mehr sich eine entsprechende Mentalität durchsetzt, je mehr wir die Schwerpunkte verschieben , desto eher werden auch die Regierungschechfs auf Klimakonferenzen mit diesem entsprechendem Rückhalt sinnvolle, aber vielleicht wirtschaftlich schmerzhafte Maßnahmen beschließen.

Was mache ich eigentlich bislang: Wenig. Ich habe einen Vertrag bei einem Öko-Strom Anbieter. Mein aktueller Projektvermittler hast sich CO2 Neutralität auf die Fahne geschrieben und unterstützt einige Projekte. Ich spende (manchmal) und unterstütze mit einem monatlichen Beitrag ein Kind in Indien (zumindest hoffe ich, dass es tatsächlich existiert und ich keiner Betrugsorganisation auf den Leim gegangen bin). Ich kaufe Lebensmittel (zu wenig) nach Saison und Region.

Was ist machbar und tut nicht sonderlich weh: man kann seinen Vermieter nerven, eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu setzen (kann man gut argumentieren, da es sich finanziell rechnet). Weniger Fernreisen. Mehr Fahrgemeinschaften (ist ja auch lustig – zumindes manchmal). Weniger Müll erzeugen. Weniger Quatsch kaufen der eh‘ nach 3 Monaten im Keller landet. Eine kleinere Wohnung näher an meinen Projekten suchen (oder alternativ flugs eine Familie gründen und die Wohnung füllen). usw. usw.

Es gibt viele Möglichkeiten, die persönliche CO2 Bilanz zu verbessern.

Wenn Obama es nicht schafft, müssen wir halt selber ‚ran.

Das Express Paket

Ich bin Amazon-Prime Kunde. Für einen geringen Betrag bekomme ich alle Bestellungen ohne Versandkosten sowie als Expresspaket zugeschickt. Das ist eigentlich eine gute Sache. Eigentlich.

Schon seit Monaten liebäugle ich mit der Philips LIVING COLORS Lampe. Vor 2 Wochen habe ich sie mir dann selber zu Weihnachten geschenk. Ich lasse sie, alle Bestellungen, an die Packstation in meinem momentanen Arbeitsort schicken.

Laut Sendungsverfolgung scheint da aber irgendwas schief gelaufen zu sein. Denn der Status stand bei Amazon auf „wird zugestellt“, laut der DHL Seite sogar auf „delivered to customer“. Nur, ich hatte die Lampe noch nicht bekommen. Na, dafür gibt es ja eine Hotline:

Ich: Können Sie bitte mal den Status des Paketes 12345 anschauen.
Hotline: Das Paket war zu groß für die Packstation und befindet sich nun im Depot
Ich: Äh, warum wurde ich darüber nicht informiert? Was passiert nun?
Hotline: Das Paket bleibt hier 7 Tage und wird dann zurückgeschickt
Ich: Ne, ich will das doch haben. Können Sie es mir bitte nochmal zustellen. Dies mal bitte nach Hause, die PLZ lautet …
Hotline: Das geht nicht, das wäre ja ein anderes Depot. Es ist ja ein Expresspaket
Ich: Ok, dann vielleicht an eine Postfiliale hier um die Ecke?
Hotline: Das geht nicht, die können das Paket nicht scannen. Es ist ja ein Expresspaket
Ich: Und wenn ich es zu meiner Projektwohnung schicken lasse und nicht da bin, bekomme ich eine Abholkarte?
Hotline: Das geht dann ins Depot zurück. Es ist ja ein Expresspaket
Ich: Gut, gut. Ich hole es im Depot ab.
Hotline: Das Depot liegt „Werrastraße 1, Raunheim“

Tja, wer mag kann das gerne mal bei Google-Maps, Stadtplandienst o.ä. suchen. Man findet nix. Zum Glück bin ich dann auf einige Blogs gestoßen, die das gleiche Problem hatten. Es ist ein neues Industriegebiet in der Nähe vom Frankfurter Flughafen. Dort angekommen muss man dem Wegweiser „Parkplatz für Mitarbeiter“ folgen und an einer Tür ohne Schild klingeln. Das bekommt man sein Paket.

Die Lampe? Ach, die ist übrigens Defekt gewesen und ich werde sie heute zurückschicken…

Glauben heißt wissen

Manchmal ist es sehr spannend, mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen. Empfehlenswert sind z.B. gleichzeitig The Secret, Bleep und Prometheus Rising zu lesen.

Die ersten beiden Bücher sind ziemlich esoterisch und seit erstaunlich langer Zeit weit oben in den Verkaufscharts (vor allem „The Secret“). Es gebt dabei – sehr knapp zusammengefasst – um die Idee, dass all‘ unsere Wünsche Wirklichkeit werden können. Wenn ich es schaffe, von einer Sache überzeugt zu sein, wird sie auch eintreten. Das Buch gibt dabei sowohl kleine Beispiele („ich werde gleich hier vor meiner Haustür auf den leeren Parkplatz fahren“), zeigt aber auch größere Ziele („ich habe das Modell des Hauses gebaut in dem ich 15 Jahre später wirklich lebe“). Der wichtige Trick dabei sein, nicht negativ zu denken. Man darf sich also nicht sagen „ich werde keine Erkältung bekommen“. Denn das Universum wird nur „Erkältung“ hören und – bumms – schon liegt man flach. Statt dessen muss man sich sagen „ich freue mich, dass ich den ganzen Winter über gesund sein werde“.

Langer Rede kurzer Sinn: Sobald ich einen Wunsch äußer, wird das Universum alles tun, um diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.

Das wird dann in späteren Büchern und Filmen irgendwann mal mehr oder minder Quantenphysikalisch „erklärt“ und am Ende eines dieser Filme wird eine Menschenkette rund um Jerusalem (? oder einer anderen Stadt) durch die ständige Wiederholung von „I Am That I Am“ die Verbrechensrate senken.

Kommen wir nun zum dem zweiten Buch. Auf deutsch heißt es Der neue Prometheus. Es ist leider vergriffen und kostet gebraucht ab 300 EUR (Stand Dezember 2009). Keine Ahnung, warum es so teuer ist. Aber ich könnte wohl meine Urlaubskasse aufbessern – ich habe die Ausgabe nämlich zuhause. Die englische Taschenbuchausgabe ist aber noch erhältlich.

Bei dem Buch von R.A. Wilson geht es (unter anderem und wieder nur sehr knapp wiedergegeben) darum, dass in unserem Gehirn zwei Teile arbeiten, der „Denker“ und der „Beweiser“. Die Idee ist nun, dass der „Denker“ eine Theorie aufstellt und der „Beweiser“ nun alles dafür tut, um diese Theorie auch zu beweisen. Wenn der „Denker“ also vermutet, dass er nie einen Parkplatz bekommt, wird der „Beweiser“ alle Beweise dafür sammeln. Er wird sich also merken, dass man im letzten Monat 10 mal keinen Parkplatz gefunden hat. Die 30 erfolgreichen Suchen? Nun, die „vergisst“ der Beweiser. Ich halte mich für einen Langweiler der keine Freunde findet? Dann wird es auch so sein.

Beide Bücher gehen also von der gleichen Erkenntnis aus: Unsere Wahrnehmung beeinflusst unsere persönliche Realität. Die Esoterikbücher erklären es nun damit, dass eine wie auch immer geartete Macht im Universum dafür verantwortlich ist. Robert Anton Wilson (dessen Bücher man übrigens alle gelesen haben sollte) erklärt es einfach damit, dass unsere Einbildung (der Denker) sowohl unsere Wahrnehmung wie auch unser Verhalten steuern und durch entsprechendes Feedback schließlich die Realität beeinflussen. Ich persönlich würde eher auf Wilson wetten …

Was auch immer die Ursache sein mag (Gehirn oder Universum), die Macht des positiven Denkens ist erstaunlich groß. Und schon sind wir beim Projektgeschäft.

Wie oft kommt es vor, dass wir in unserem Alltag auch nur Beweise für unsere negativen Meinungen suchen. „Der Entwickler XYZ ist eine Niete“, „Das Projekt wird eh‘ nix“, „In dieser Umgebung kann ich nicht arbeiten“, „Ich arbeite viel zu viel“
Und so weiter, und so weiter…

Es ist unglaublich schwer, wirklich objektiv zu sein. Dass, was wir für Objektivität halten, ist zu 20% Realität und zu 80% von unserem „Beweiser“ in unserem Kopf gesteuert. Das ist bei Konflikten ein Problem. Nicht nur, dass alle Parteien glauben, sie seinen im Recht. Die sind auch noch völlig davon überzeugt, die seien objektiv im Recht.

Was kann man für seinen Alltag daraus ziehen?
1. Spiralen erkennen
Wenn ich unzufrieden bin, wenn ich denke, ich arbeite zu viel. Wird das meine Unzufriedenheit steigern. Es wird sogar meine Arbeitslast steigern. Diese Abwärtsspirale ist schwer zu erkennen
2. Sich seiner Subjektivität bewusst sein
Egal, für wie schlau wir uns halten. Egal, wie objektiv wir scheinen. Wir sind es nicht!
3. Sich selber positiv manipulieren
Ok, das klingt vielleicht seltsam. Aber es ist möglich, seine eigene Grundeinstellung bzgl. einer Aufgabe zu verbessern
4. Seine Umgebung verstehen
Der Gegenüber ist nicht dämlich, verbohrt und unfähig, die Dinge vernünftig zu sehen. Sein „Beweiser“ hat ihm nur andere Dinge bewiesen, wie mein „Beweiser“. Er ist von seiner Realität genau so überzeugt, wie ich von meiner Realität. Wer das berücksichtigt, wird in Diskussionen und Verhandlungen seinen Erfolg massiv steigern können.

Wikipedia und ich

Seit einiger Zeit kriselt es ja gewaltig im deutschen Wikipedia-Wald.

Etwas vereinfacht erklärt streiten sich da gerade ja zwei Lager. Eine Gruppe ist der Meinung, es dürften nur „relevante“ Artikel aufgenommen werden und löscht fleißig verschiedene Artikel während die andere Gruppe anführt, es können nicht angehen, dass eine Minderheit entscheidet, was denn nun wichtig sei und was nicht und die Relevanz würde sich automatisch an den Aufrufzahlen finden.

Auch wenn ich die Argumente der Löschgegner eher verstehe (warum soll man denn überhaupt löschen, gehen die Bits aus?), habe ich das bislang eher nur am Rande verfolgt. Diese Woche aber war ich dann mal selber Betroffener

Vor längerer Zeit habe ich mal anonym ein paar kleinere Fehler in einem (kurzen und eher schlichten) Wikipedia Eintrag über OSS/J berichtigt. Als ich jetzt nach nach diesem Artikel suchen wollte, war er weg. WTF? Offenbar sind Telco-Standards also nicht relevant.

Jetzt wurde ich neugierig. Also habe ich mal den Artikel zu meinem aktuellen Projekt aufgerufen. Und siehe da: Es findet sich ein recht ausführlicher, gut geschriebener Eintrag. An einer Stelle fand ich einen kleinen Fehler. Statt möglicher 4 Optionen ein einer Funktion wurden nur 2 beschrieben. Ok, kein Problem. Also änder ich das eben mal (anonym). Darüber gibt es wenig Diskussion, da die frei verfügbaren Spezifikationen es genau so beschreiben.

Keine 10 Minuten später wurde meine Änderung wieder rückgängig gemacht. Das motiviert mich nicht gerade. Ich denke, ich verstehe das Problem von Wikipedia ein wenig bessern …

Yps auf dem iPhone

Sachen gibt’s …

Unser aller (also alle, die in den 70’ern groß wurden) Lieblingszeitschrift hat eine iPhone App rausgebracht. Nein, nicht die Bravo. Die haben doch nur die gelesen, die für MAD zu doof waren. Es geht natürlich um YPS. jede Woche gab es dort mehr oder minder gute Comics und mehr oder minder gute Beigaben, die Gimmicks. Ich war seit Ausgabe 3 dabei (das Magnetrad – was mich ein wenig wundert, weil ich da gerade mal 6 Jahre alt war, aber ich bin mir da ziemlich sicher).

Eines der erfolgreichsten Gimicks waren die Urzeitkrebse. Und weil die YPS Leser von früher ja die iPhone Nerds von heute sind,
gibt es jetzt tatsächlich eben diese Urzeitkrebse als iPhone-App

Dann wird es ja nicht mehr lange dauern, bis uns die Tamagotchi wieder beglücken…