Schritt für Schritt für Schritt

A)
Die sogenannte Onlinedurchsuchung (eher: Ausweitung des Lauschangriffes auf Computer) wird beschlossen. Unser Innenminister betont mehrfach, dass diese Maßnahme nur für die Terrorabwehr benötigt würde und nur sehr selten eingesetzt wird.
Und wer kann sich schon gegen die Terrorbekämpfung stellen?

B)
Immer öfter wird die Forderung laut, die Onlinedurchsuchung auch für „schwere“ Verbrechen einzusetzen. Gemeint sind damit Taten, die eine Gefängnisstrafe >5 Jahre mit sich bringen.

C)
Die Regierung versucht, die Sperrung von Kinderpornoseiten durchzusetzen – und wer kann das schon schlecht finden. Dabei wird in der öffentlichen Diskussion verschwiegen, dass dies faktisch nicht möglich ist wenn man mit Negativlisten (einzelne Seiten sperren) arbeiten. Eine 98% Sicherheit würde bedeuten, dass man mit Positivlisten arbeiten muss, also alles sperrt und dann einzelne Ziele erlaubt.
Daneben stellt sich die Frage der Haftung bei Fehlern. Nehmen wir mal an, ein Ziel wird gesperrt. Dies kann nur auf IP Level einigermaßen sinnvoll sein. Das Internet ist aber sehr schnell in Bewegung. 6 Monate später ist unter der Adresse ein Anbieter von CRM Software erreichbar. Was nun? Oder was passiert, wenn jemand durch einen Fehler auf der Liste erscheint? Als Kunde könnte ich u.U. meinen Provider in die Haftung nehmen. Als Telekom würde ich mich da auch gegen wehren.

BTW: Ich habe die Quelle leider nicht mehr gefunden. Aber sehr viele Server von Kinderpornoanbietern stehen in Staaten in denen man dafür belangt wird – es wäre also möglich, dagegen vorzugehen.

Aber nehmen wir mal an, eine Sperre – in welcher Form auch immer – wird nun durchkommen. Ich wette einen Euro, dass es keine 12 Monate dauern wird bis …

D) Führende Politiker fordern eine Sperre für
– Seiten von Neonazis
– Auftritten von Islamisten
(Wer kann das schon falsch finden)

E)
– Internet Tauschbörsen
– Counterstrike Servern
– usw. usw.

Die Idee von Freiheit war schön, aber wir haben es wohl versemmelt.

4 Gedanken zu „Schritt für Schritt für Schritt

  1. Andreas

    > BTW: Ich habe die Quelle leider nicht mehr gefunden. Aber sehr viele Server
    > von Kinderpornoanbietern stehen in Staaten in denen man dafür belangt
    > wird – es wäre also möglich, dagegen vorzugehen.

    Vermutlich meist Du wikileaks? Dort hat ein Insider berichtet, dass die meisten Kinderpornoserver (Content-Server, nicht Web-Server) in Deutschland stehen, weil Server in Deutschland bei den meist russischen Betreibern besonders beliebt sind. Bruce Schneier hat vor kurzem auch daraus zitiert …

    Antworten
  2. Werner

    Man hat ja zudem den Eindruck der Effekthascherei – der Zweck heiligt die Mittel in Wahljahren.

    Wenn man mal genauer hinsieht und sich die Berichte im TV anschaut, wird klar: es fehlen vor allem Fahnder und Rechtshilfeabkommen. Damit sollte man doch wohl 2/3 der Anbieter in westlichen Staaten abschalten können.

    Warum das nicht passiert? Ganz einfach: die Sperren bezahlen die Provider, die Polizisten bezahlen die Länder oder der Staat (komischerweise werden immer bayerische Fahnder gezeigt, ist das nicht Sache des BKA?).

    Also idealer Wahlkampf: kostet nix, macht guten Eindruck im bürgerlichen Lager und man muss zustimmen…

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  3. Sven Rimbach

    @Werner:
    Klar, aber irgendwer muss ja die Sperrlisten erstellen. Und dafür braucht man eigentlich schon Leute.

    Wobei… wenn ich mir die Medienkompetenz einiger Politiker anschaue, werden die einfach bei Google suchen.

    In Thailand war es übrigens auch so. Man hat die Sperrlisten durch KP begründet und anschließend landeten fast nur Seiten auf der Liste, die kritisch gegen das Königshaus berichten (in Thailand ist dies ein Verbrechen)

    @Andreas:
    Wie erklärt man Menschen, die eine sinnlose Hausdurchsuchung beim Domaininhaber von Wikileak veranlassen jetzt aber den Unterschied zwischen Content- und Web-Server?
    (Kurzer Einschub: Ein Content Distribution Network (CDN) nutzt man, um den Weg zwischen Empfänger und Anbieter „kurz“ zu halten. Solche Angebote gibt es z.B. auch von Amazon, nennt sich CloudFront, und allen großen Hostern)

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  4. Andreas

    >Wie erklärt man Menschen, die eine sinnlose Hausdurchsuchung beim
    > Domaininhaber von Wikileak veranlassen jetzt aber den Unterschied
    > zwischen Content- und Web-Server?

    Aus persönlichen Kontakten weiss ich,dass man so etwas gewissen Stellen der Behörden schon länger nicht mehr erklären muss, weil viel Fachwissen vorhanden ist.

    Ein anderes Thema sind Politiker. Da würde ich den Versuch des Erklärens als unnütz betrachten, weil dem Verstehen nicht Unwissen sondern Ignoranz und politisches Kalkül entgegenstehen.

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