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Stress bei IT Fachkräften

Heute im Radio wurde berichtet, dass die Nutzung von Antidepressiva bei IT Kräften um 60% höher sei als bei anderen Angestellten. Hauptgründe sind, laut diesem Bericht, die Arbeitszeiten und der starke Druck durch die Vorgesetzten.

Erschreckend, oder? Regelmäßige Leser wissen, wie ich zu Überstunden stehe. Ich bin der festen Überzeugung, dass regelmäßige Überstunden ein absoluter Produktivitätskiller sind. Nicht ohne Grund probieren einige höchst erfolgreiche Firmen (wie z.B. 37 Signals) gerade die 4-Tage Woche aus.

Verantwortlich für diese Situation sind wir Führungskräfte. Wir haben (nicht nur laut Gesetz) eine Führsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeitern.

Frühere Firmenbosse kannten diese Verantwortung. Firmen wie z.B. Krupp (große Stahlfirma in Essen) haben ihren Mitarbeitern komplette Stadtteile inkl. Krankenhaus gebaut. Das haben sie nicht nur gemacht, weil sie so gute Menschen sind – es ging um den Profit. Krupp hatte sehr schnell erkannt, dass ein gesunder Mitarbeiter viel mehr für seine Firma bringt, als ein kranker Mitarbeiter. Auch war ihm klar, dass Erfahrung wichtig, und lange Betriebszugehörgkeit daher ein wichtiger Faktor ist.

Und heute? Heute begreifen viele Firmen ihre Mitarbeiter als austauschbaren Faktor. Ich kenne Beratungsfirmen, deren Hire&Fire Mentalität mich dermaßen ärgert, dass ich dort für kein Geld der Welt anfangen würde.

Nervös werden die Manager solcher Firmen erst, wenn einer ihrer Mitarbeiter übermüdet gegen den Baum gefahren ist (was ich – leider – schon mehrfach mit verschiedenen Firmen erleben). Aber die Nervösität kommt nur daher, dass sie dann plötzlich merken, dass sie mit einem Bein im Knast stehen – Das Arbeitszeitschutzgesetz ist eine interessante Lektüre …

3 thoughts on “Stress bei IT Fachkräften

  • Andreas F. sagt:

    Nana… früher war alles besser, als der Kapitalist deutsch-europäischer Prägung sich in Gutsherrenart um seine Leibeigenen – pardon Arbeiter – kümmerte und sich seiner Verantwortung für sie bewusst war?

    In einer Beziehung vielleicht, auch wenn es makaber klingt: Die Kinder und Erwachsenen, die täglich 12-16 Stunden in der Fabrik/Industrie arbeiteten, waren zwar müde, ausgelaugt und hatten keine sehr hohe Lebenserwartung – aber Gesundheitsprobleme durch Stress kannten sie eher nicht.

    Ausbeuter und Leuteschinder gab es schon immer und ihre Zahl wird nicht wesentlich mehr (leider wird sie auch nicht wesentlich weniger…). Doch gesundheitliche Problem durch „ungesunden Stress“ nehmen besonders in der IT erst in den letzten Jahren (Jahrzehnten) drastisch zu.

    Bekommen IT-Fachkräfte grundsätzlich mehr Druck durch die Vorgesetzten als andere Fachkräfte? Wenn die Vorgesetzten der Grund wären, müsste es ja so sein, dass die „Leuteschinder“ alle in die IT gehen …

    Oder liegt es an dem fehlenden Schutz durch die Gewerkschaften, die in der IT besonders schwach vertreten sind (da hätte man schon einen, der die Studie beauftragt haben könnte, …), so dass die „Leuteschinder“ ungehindert agieren können?

    Berichte, die für den Stress bei den IT-Berufen „ganz einfache“ Erklärungen haben – besonders wenn sie im Sommerloch gebracht werden, würde ich daher nicht unkritisch zitieren. Das Sommerloch ist die Zeit, in denen besonders Lobbyisten und Spin-Doktoren ihre Studien und Berichte bringen.

  • Frank sagt:

    Man sollte grundsätzlich gar keinen Studien trauen… ich halte die allermeisten für fragwürdig. Trotzdem denke ich das gerade einige der helleren Köpfe in den kleineren Unternehmen (an denen viel hängt) diese „Wahrnehmung“ durchaus unterstützen würden. Ich weiß nicht ob es eine „urbane Legende“ ist, aber irgendwie scheinen in unserer Branche ja doch einige jemanden zu kennen der mehr oder weniger „zusammengeklappt“ ist…

  • Sascha A. Carlin sagt:

    Hi Sven ;)

    Wenn Du mal 15 min. Zeit hast, dann lies mal das hier: http://thedailywtf.com/Articles/Up-or-Out-Solving-the-IT-Turnover-Crisis.aspx

    Bei meinem jetzigen Arbeitgeber ist man mit 5+ Jahren Betriebszugehörigkeit immernoch „der Neue“. Das Ergebnis sind verkrustete Strukturen und daraus resultierend eine sehr starke „Haben-wir-noch-nie-so-gemacht“-Attitüde.

    Die Modelle von Einst (Krupp & Co.) würden heute auch nur noch bedingt funktionieren – wieviele Tätigkeiten gibt es denn noch, für die man tausende Mitarbeiter an einem Standort braucht, die iterativen Tätigkeiten nachgehen?

    Gerade in unserer Branche sind das wohl die allerwenigsten. Um sich weiter zu entwickeln, ist man quasi gezwungen, alle paar Jahre den Arbeitgeber zu wechseln – oder sich selbstständig zu machen ;)

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