Archiv für den Monat: April 2008

Handarbeit

Also, sagte die Dame von der Buchhaltung, es ist uns ganz wichtig, dass wir Adressänderungen nochmal per Hand prüfen.

Ich war verwirrt. „Ok, momentan haben Sie wenig Kunden. Aber sind sie sich da wirklich sicher?“
„Ja, auf jeden Fall. So viel kann das doch nicht sein“.

Hmm, also haben wir mal gerechnet:
200.000tsd. Kunden.
15% der Kunden ändern pro Jahr ihre Daten.
=> 30.000 Vorgänge im Jahr
bei 200 Arbeitstagen sind das also 150 Vorgänge pro Tag.
Wenn jeder Vorgang 30 Sekunden dauert, sind das also:

Eine Stunde und 15 Minuten pro Tag, welche ein Mitarbeiter sich um
Adressänderungen kümmern muss.

Ich durfte es dann doch automatisieren …

Softwareentwicklung ist keine Demokratie

Ich rede mit einem externen Dienstleister über einige Dinge, die er entwickelt hat.

Eine Stelle im Code bzw. der Architektur halte ich für extremen Unfug (dafür bin ich übrigens gefürchtet. Erst lasse ich mich auf High-Level Blabla ein – wie es sich für einen CTO gehört – und irgendwann stoße ich zu und quäle meinen Gesprächspartner mit Details).

Seine Antwort: „Also, wir haben damals mit 4 Leuten zusammen gessen, und das erschien uns als die beste Lösung“

Was lernen wir daraus:
1. Mein Gesprächspartner sollte besser seine Mitarbeiter entlassen
2. Die Mehrheit hat nicht immer Recht

Uns allen fällt es schwer, Fehler zuzugeben. Die Wahrheit ist, eigentlich gibt niemand überhaupt gerne Fehler zu. Wenn jemand mit einem Vorwurf angegriffen wird, schaltet die Person erstmal in Abwehrhaltung („Ich? Das war ich nicht!“).

Das fängt schon in Kindestagen an:
„Ich habe den Kuchen nicht gegessen“
„Aber ich habe Dich dabei gesehen!“.
„Aber ich wollte ihn nicht essen. Kevin hat gesagt, ich soll das machen. Ich bin nicht schuld“

Und erstaunlicherweise behalten wir genau dieses Verhalten im Berufsleben bei:
„Die Schnittstelle ich perfekt spezifiziert“.
„Aber es gibt an folgenden Stellen Probleme. Außerdem haben die Laufzeituntersuchungen ergeben, dass das Antwortverhalten viel zu langsam ist“
„Die Schnittstelle wurde von 17 extren teuren Beratern spezifiziert. Die muss gut sein“

Was für die Tekkies

Mal angenommen, man betreut eine recht erfolgreiche Webseite.
Und mal weiter angenommen, man speichert die Sessions im Dateisystem.
Und – nur mal so – angenommen, man würde aus irgendwelchen Gründen jetzt auch immer, diese Sessions monatelang nicht löschen.

Wie lange dauert es dann wohl, > 2 Mio. Session-Dateien per „rm *“ aus dem Verzeichnis zu löschen?

Richtige Antwort: Erstaunlich(*) lange.

Dinge, die man nur einmal falsch macht (bevor sich Hohn und Spott über mich ergießt, ich war nicht der Verursacher, ich habe es nur entdeckt)…

(*) Erstaunlich = Eine ganze Nacht

mod_rails

Bei aller Begeisterung für RubyOnRails gab es bislang immer eine unschöne Hürde: Kaum ein Massenhoster hat RoR unterstützt. Wer eine Raisl Applikation schreiben wollte, brauchte einen eigenen Root-Server.

Dazu kommt noch, dass es verschiebene Wege gibt, die Applikation zu betreiben. FCGI, Mongrep, Thin, ebb – so 100% hat sich noch nichts durchgesetzt. Auch wenn die Kombination aus Apache und Mongrel wohl die meisten User hat.

Das Problem war, dass es nicht so etwas wie z.B. mod_php gab – also eine extrem simple Möglichkeit, um Rails Programme auszuführen.

Das hat sich (hoffentlich) nun geändert. mod_rails (http://modrails.com/index.html) verspricht genau dieses Problem zu lösen. Es ist binne Minuten installiert und schon muss man sich um nichts mehr kümmern.

mod_rails ist eine kommerzielle Entwicklung die als Freeware veröffentlicht wurde.

Ich habe es auf einigen Testservern installiert und bin echt begeistert. Schnell, einfach, stabil – was will man mehr

Nettes OS X Detail

Der Grund, warum man so schnell seinem Mac verfällt ist ja, das manche Dinge viel einfacher funktionieren, also bei einem Windows PC.

Heute ist mir ein nettes Detail aufgefallen: Ich bin gerade mit meinem MacBook pro in zwei WLAN Netzes unterwegs – bei mir und bei einem Kunden. Zuhause habe ich einen Drucker eingerichtet, genauso wie im Büro.

Wenn ich nun zuhause drucke, wird mir mein Drucker zuhause als Standarddrucker angezeigt.
Wenn ich im Büro drucke, wird mir als erste Auswahl der Bürodrucker angezeigt.

Es gibt also nicht den einen Standarddrucker wie bei Windows, sondern je nach Netz in dem ich mich gerade befinde ein anderer Drucker.

Witzig.

Die Uwe Boll Petition

Dr. Uwe Boll macht Filme. Sein Werk ist dabei – nun sagen wir mal – einzigartig. Oder anders ausgedrückt, die Filme sind Müll. Er nimmt sich irgendwelche Computerspiele und baut daraus grausige Leinwandumsetzungen.

Uwe Boll selber scheint ein lustiger Vogel zu sein. Er hat schon mal Kritiker zum Boxkampf herausgefordert und anschließend mehrere Kritiker hintereinander durch den Ring geprügelt. Die wussten anscheinend nicht, dass er das konnte …

In einem Interview mit ihm ging es m eine Petition die ihn dazu bringen soll, keine weiteren Filme mehr zu drehen. Seine Antwort: „Ja, ich weiß davon. 18.000 [Stimmen] sind nicht genug um mich zu überzeugen“. Auf die Frage danach, wie viele es denn brauchen würde, um ihn zu überzeugen: „Eine Million. Nun haben wir ein neues Ziel“.

Ok, aktueller Stand (8.4., 07:00 Uhr) sind knapp 100.000 Stimmen. Das muss doch möglich sein.

Also los:
http://www.petitiononline.com/RRH53888/petition.html

Entscheidungsfindung die 511.

Tom DeMarco hat ja mal wieder ein sehr gutes Projektmanagement-Buch geschrieben: Adrenalin-Junkies und Formular-Zombies – Typisches Verhalten in Projekten

Eine Stelle hat mich besonders überrascht. Ich habe ja bzgl. Entscheidungsfindung eine recht simple Meinung:

Jedes Teammitglied hat das Recht, ja sogar die Pflicht, eine Meinung einzubringen. Aber wenn der Projektleiter eine Entscheidung getroffen hat, ist die Diskussion vorbei und jeder hat diese Entscheidung zu tragen.

Genau darüber gibt es bei DeMarco auch einen Abschnitt. Und was darf ich dort lernen? Schon das U.S. Marine Corps hat genau so eine Vorgabe:

Solange bis ein Kommandant eine Entscheidung getroffen und bekannt gegeben hat, haben die Untergebenen es als ihre Pflicht anzusehen, ihre ehrliche und professionelle Meinung zu äußern, selbst wenn dies nicht mit der Meinung des Vorgesetzten übereinstimmt. Sobald eine Entscheidung getroffen wurde, haben die Untergebenen diese Entscheidung so zu unterstützen, als wäre es ihre eigene.

Na gut, ich habe es also nicht erfunden, schade. Aber zumindest finde ich meine Formulierung besser :-)

“Aber an uns liegt es nicht”

Die Deadline rückt näher und näher. von 10 Teilprojekten sind 7 nicht im Zeitplan. Aber alle Projekte melden „grün“.

Das Spiel nennt sich „wer sich zuerst bewegt, verliert“

Jedes Teilprojekt wartet verzweifelt darauf, dass ein anderes Projekt Verzug meldet. Dann muss der Projektplan überarbeitet werden und man hat selber noch mehr Zeit.

„Klar, wir waren fertig. Aber Müller hatte sein Team nicht im Griff. Na gut, wir haben den Start um 3 Monate verschoben. Dann können wir auch noch ein wenig Qualitätssicherung betreiben.“

Ich hatte mal eine lustige Variante:
Mein Projekt war hoffnungslos den Bach heruntergegangen. Mir blieb nichts anderes übrig, als dem Vorstand vorzuschlagen, dass Projekt erstmal abzubrechen. Die Gründe waren vielfältig. Es hatte sich sehr früh im Projekt herausgestellt, dass keine der beteiligten Abteilungen in der Lage war, die Aufgabe zu meistern. Meine Empfehlung lautete daher, das Projekt nochmal neu aufzusetzen und die Möglichkeiten der Firma zu berücksichtigen. Die Aufgabe war einfach zu groß, um sie mit den vorhandenen Mitteln wirklich sinnvoll lösen zu können.

Ich konnte den Vorstand schnell überzeugen, dass das Projet die komplette Firma lähmen würde und hatte nun die Aufgabe, dies im Teammeeting den Teilprojektleitern zu erklären. Ich ging nicht ins Detail sondern beließ es einfach dabei, dass wir alle wüssten, dass alle Abteilungen Probleme hätte. Nachdem ich das gesagt hatte, spürte man die Erleichterung. Jeder wusste es, aber niemand hat sich getraut. Jede Abteilung hätte mit dem Projekt echte Probeme bekommen – aber niemand wollte es zugeben. Jetzt aber stimmten alle Teilnehmer mit meiner Analyse überein.

Alle? Fast alle. Von den 12 anwesenden Teilprojekt- und Abteilungsleitern hatte nur der IT-Leiter eine andere Meinung. Er hätte es natürlich locker geschafft. Und ich solle doch den Vorstand sagen, dass es auf keinen Fall an der IT gelegen habe.

Daraus ergab sich ein lustiger Dialog:
Ich: „Man gewinnt gemeinsam, man verliert gemeinsam, oder?“
IT Leiter: „Ja, sehe ich auch so“
Ich: „Und wir haben das Projekt jetzt gemeinsam beerdigt“
IT Leiter: „Ja, aber wir hätten es geschafft“
ich: „Ist doch egal, oder? Das Projekt ist vorbei und wir werden es nicht wissen“
IT Leiter: „Ja, aber wir hätten es geschafft“
Ich: „Ok., ok. Aber kümmern wir uns nun um das verkleinerte, neue Projekt“
IT Leiter: Ja, aber wir hätten auch das große Projekt geschafft“

So ging das 10 Minuten weiter. Unnötig zu erwähnen, dass meine Risikoabschätzung gerade bei der IT ein sehr großes Fragezeichen hatte …