Laufbericht Ruhrmarathon

Gestern war es soweit. 20.000 Leute machten sich auf zum Start des Ruhrmarathon. Ca. 4.000 davon liefen die 42.195 KM – und ich war einer davon.

Vorbereitung

Über die Vorbereitung habe ich ja schon einiges geschrieben. Ich war eigentlich ganz zufrieden. Mir fehlten zwar einige Läufe, aber ich fühlte mich gut. Ich habe sogar mein „Wunschgewicht“ von 77Kg erreicht (und damit in der Vorbereitung 4 Kg abgenommen). Bedingt durch eine längere Laufpause war mein Ziel, einfach durchzukommen. Zielzeit sollte 4:30h sein.

VWKGJ (Vorwettkampfgejammer)
Ich fahre mit einem Laufkollegen zu Start. Wir sind müde und irgendwie noch nicht richtig bei der Sache. Jetzt 42Km? Ach, wir können doch auch die Hälfte laufen … Aber es gibt keine Ausreden mehr.

Der Lauf
Die ersten 10Km bin ich viel zu schnell unterwegs. Egal, ich fühle mich gut und die Zeit werde ich später eh‘ wieder verlieren. Die Strecke von Dortmund nach Essen ist nämlich extrem gemein. Die 10Km geht es Berg auf.
Nicht stark, aber stetig. Gerade die letzten 5 Km zum Ziel quer durch Essen machen einen fertig. Aber daran dachte ich noch nicht. Das Wetter ich tückisch. Es ist sehr, sehr drückend. Bereits nach 2 Km läuft mir der Schweiß in strömen.

Km 10-20 gehen ebenfalls locker von der Hand. Bei Km 5 steht meine Freundin zum ersten Mal an der Strecke. Die Strecke führt weiter von Dortmund nach Bochum. Hier sind reichlich Zuschauer an der Strecke eine super Stimmung verbreiten. Auch in Herne (Ende des Halbmarathons) macht es Spaß durch die Masse der Zuschauer angetrieben zu laufen. bei Km20 liegt leider ein Läufer am Boden. Sanitäter kümmern sich um ihn und machen Herzmassage. Aber dazu – leider – später mehr.

Km24: Dreck Dreck Dreck! Ich bekomme einen leichten Krampf im linken Oberschenkel. Woher kommt der denn jetzt? Jetzt schon? Sowas hatte ich noch nie! Durch die neuen Einlagen hat sich mein Laufstil ein wenig geändert. Vielleicht laufe ich etwas zu verkrampft. Es hilft nichts. Ich halte an und dehne mich. Danach geht es locker weiter. Ich fühle mich wieder besser und beschließe, alle 3-4 Km eine Dehnpause einzulegen.

Km 28: Der Marathon hat zwei Starts, einen in Dortmund und einen in Oberhausen. Bei Km 30 treffen die Strecken aufeinander. Viele Zuschauer feuern uns an – und schon laufe ich ein wenig schneller.

Km 30: Jetzt geht der Marathon erst los. Die ersten 30 Km sind Pillepalle. Aber ab Km 30 zeigt sich, ob man wirklich trainiert hat. Der Mann mit dem Hammer wartet hinter jeder Ecke und ist bereit zuzuschlagen. Er schlägt viel und häufig zu – aber zum Glück nicht bei mir. Mein Oberschenkel zwickt. Aber das habe ich im Griff. Bei Km 31 treffe ich wieder meine Freundin. Sie versorgt mich mit einem Kohlehydratgel (ekliges, klebriges Zeug – schmeckt wie Zahnpaste, hilft aber). Alle paar Kilometer gibt es jetzt irgendwelche Events. Samba-Bands, Trommler oder Gemeindefeste. Überall stehen viele Zuschauer und feuern die Läufer an. Da auf unseren Startnummern unsere Namen stehen, höre ich manchmal meinen Namen.

Km 35: Die Steigungen zwingen immer mehr Läufer zu Gehpausen. Ist ja auch albern, wenn man läuft – aber genau so langsam ist, wie die Geher daneben … Ich werfe mein zweites Kohlenhydratgel ein warte auf die Wirkung.

Km 38: Ich laufe um die Kurve, sehe die nächste Steigung und … gehe. Es ist weniger die körperliche Erschöpfung, als denn ein spontaner Frust der mich überfällt. Dem Mann mit dem Hammer bin ich davongelaufen. Aber jetzt könne ich mir ein paar Meter Pause. Ich hadere mit mir und der Strecke. Im Herbst suche ich mir einen Lauf ohne große Steigungen. Aber auf der anderen Seite ist das ja gerade der Spaß an der Sache. Man läuft ja gegen sich selber und versucht sich zu überwinden. Also weiter!

Kurz vor Km 40 treffe ich wieder auf meine Freundin. Ich könne mir die letzte Gehpause und wir plaudern ein wenig mit ihr. Mein Laufkollege ich 15 Minuten vor mir (und damit im Plan). Der Zehnkämpfer Frank Busemann liegt 30 Minuten vor mir, sah aber wohl richtig scheiße aus.

Die letzten 2 Km (Essen Rüttenscheid) sind der Hammer. Selbst jetzt noch stehen hier sehr viele Zuschauer und feuern die Läufer an. Ich fühle mich wieder besser. Krämpfe? Welche Krämpfe. 15 Minuten später als geplant laufe ich ins Ziel. Aber das ist mir in diesem Moment egal. Um eine vernünftige Zeit kümmer ich mich im Herbst. Ich bin angekommen und darum ging es mir!

Der Tag danach
Alles im grünen Bereich. Klar, ich spüre einen leichten Muskelkater. Aber meine Knie machen keine Beschwerden. Auch Treppen stellen keine besondere Herausforderung da.

Die dunkle Seite
Leider ist es fast schon üblich, dass jede größere Laufveranstaltung Todesoppfer zu beklagen hat. So auch hier. Ein Skater ist bereits kurz nach dem Start zusammengebrochen und verstorben. Ein weiterer 66 jähiger Läufer ist nach der Halbmarathonstrecke verstorben. Der Läufer an dem ich vorbeigelaufen bin konnte reanimiert werden, schwebt aber noch in Lebensgefahr. Ich hoffe, er schafft es. Ich kann natürlich nicht beurteilen, was die Ursachen waren. Aber ganz klar: Ein Marathon ist eine enorme Anstrengung für den Körper und muss daher genau vorbereitet sein. Dazu gehört in jedem Fall der regelmäßige Arztbesuch. Gerade das Herz-Kreislaufsystem leistet Höchstarbeit. Selbst eine lahme Ente wie ich habe zum Ende der Vorbereitung aktuelle einen Ruhepuls von 42.

Wenn ich dann sehe, dass Elton (der Showpraktikant von Stefan Raab) „mal eben“ in 6 Monaten von 0 auf New-York Marathon trainiert habe ich Sorge, dass viele Leute die Aufgabe überschätzen.

Trotzdem ein riesen Lob an die Veranstalter. Sie haben viel für die Gesundheit der Läufer unternommen. So fuhren mehrer Ärzte per Fahrrad auf der Strecke und schauten sich die Läufer an. An den Verpflegungspunkten gab es keinen Stau und genug Helfer. Das habe ich gerade auf den ersten Km schon anders erlebt. In Berlin z.B. klappte das zumindest beim Halbmarathon selten gut. Bei meinen Dehnpausen wurde ich immer kritisch von Anwesenden Helfern beobachtet. Anderes Beispiel: Bei Km 37,5 habe ich am Verpflegungstand einen Becher Wasser genommen, mich dann aber auf die andere Straßenseite begeben. Dort stand ein Betreuer der die Läufer mit Vornamen ansprach (stand ja auf der Startnummer) und alle angetrieben hat, ja Wasser zu trinken.

Fazit 1
Richtig lecker war das erste Bier am Sonntag Abend.

Fazit 2
Im Herbst, spätestens im nächsten Jahr laufe ich wieder. Dazwischen kommen einige 10Km und 21Km Läufe um endlich etwas schneller zu werden.

Nachtrag (15.05.):
Der Bericht im WDR Fernsehen endet mit der Nachricht über die Todesfälle. Im Abspann wird anschließend „Join me in Death“ von HIM gespielt. Klar, die Musik stand schon vorher fest. Aber ich habe das Gefühl, dass da ein Redakteur beim WDR Montag richtig Ärger bekommen hat …

3 Gedanken zu „Laufbericht Ruhrmarathon

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