Warum überhaupt Externe nehmen?

Warum beauftragen Firmen externe Berater/Projektleiter? Natürlich gibt es die offensichtlichen Gründe: Externe räumen die Spülmaschine in der Teeküche aus. Aber daneben gibt es natürlich noch andere Gründe:

Grund 1: Ressourcenmangel
Eigentlich läuft alles perfekt. Allerdings gibt es ein Projekt mehr als man mit Bordmitteln bewältigen kann, also nimmt man sich ein paar Berater.

Grund 2: Ideenmangel oder Probleme im Projekt
Es gibt Probleme. Irgendetwas läuft nicht so, wie es soll. Also nimmt man sich einen Berater. Der soll der Geschichte neuen Schwung bringen. Evtl. muss er in einer Art Feuerwehreinsatz ‚ran und retten was zu retten ist.

Grund 3: Als Überbrückung
Der neue Festangestellte Mitarbeiter ist schon ausgewählt, kommt aber erst in 3 Monaten. Die Zeit dazwischen wird durch einen externen Berater überbrückt.

Grund 4: Zuviel Budget
Wäre doch schade, wenn man das Budget bis zum Jahresende nicht aufgebraucht hat. Dann würde ja das Budget für das nächste Jahr gekürzt …

Grund 5: Zur Beruhigung
„Ich habe alles getan. Ich habe mir sogar externe Hilfe geholt. Wenn es jetzt nicht klappt, liegt es nicht am mir“.

Grund 6: Als Statussymbol
Kein Witz. In manchen Firmen „halten“ sich Festangestellte Externe. Je mehr Externe man „hat“, desto wichtiger ist man.

Grund 7: Als Blitzableiter / Schutzschild
Es gibt einen Konflikt, Ausgang ungewiss. Da schickt man doch lieber einen Berater in die Schlacht. Nicht, dass eine Niederlage die Karriere gefährdet.

Grund 8: Als Opferlamm / Sündenbock
Das Projekt kann definitiv nix werden. Jeder weiß es, keiner will es zugeben. Also flugs einen externen Berater engagiert. Wenn das Projekt dann den Bach runter geht, schiebt man die Schuld auf den Berater und schickt ihn in die Wüste.

Als ich anfingt, mich im Projektgeschäft zu tummeln war ich so naiv zu glauben, Grund 1-3 seinen die einzigen Gründe, mich zu engagieren. Dummerweise holt man sich so schneller eine blutige Nase als es einem lieb ist. Natürlich wird kein Kunde auf Nachfrage etwas anderes sagen, als die Gründe 1-3. Aber die Wahrheit ist manchmal anders (und natürlich irgendwo da draußen). Um aber seinen Job erfolgreich machen zu können ist es extrem hilfreich zu wissen, warum man eigentlich da ist. Das erspart so manche Überraschung.

2 Gedanken zu „Warum überhaupt Externe nehmen?

  1. Stephan

    Da ich selber auch als externer Berater unterwegs bin, wollte ich noch ein paar weitere Gründe hinzufügen:

    9. Externe arbeiten härter als Festangestellte
    Da die Festangestellten ihrer Rolle sicher sind, legen sie sich nicht so ins Zeug, wie externe, die ihre Stellung im Unternehmen jederzeit verteidigen müssen. Zudem machen Externe lieber Überstunden, da dort meistens keine Beschränkungen gegeben sind.

    10. Externe sind jederzeit kündbar
    Einen internen Mitarbeiter bekommt man nur schwerlich wieder los, wenn er lästig wird. Externe kann man meistens sofort herauswerfen.

    11. Externe werden im Urlaub, Krankheit und Fortbildung nicht bezahlt
    Bei Externen sind die Kosten pro Stunde sehr klar. Wenn er da ist, kostet er, wenn nicht, dann nicht.

    12. Externen muss man keine Karriere bieten
    Interne Mitarbeiter wollen, wenn sie gut sind, im Unternehmen Karriere machen. Externen ist das egal, da sie eher an Folgeaufträgen interessiert sind, als an Personalverantwortung.

    14. Externe Mitarbeiter verursachen keine internen Kosten und reduzieren den Headcount
    Nicht zu verachten ist, dass Externe nicht zum Personal zählen und daher in Bilanzen nicht die Anzahl der Mitarbeiter erhöhen. Zudem ist es häufig so, dass Abteilungen nach Headcount bestimmte interne Kosten (Raummiete, Möbel, Infrastruktur, Verwaltung etc) berechnet bekommen. Diese Kosten fallen für externe Mitarbeiter nicht an. Daher sind diese je nach internen Verrechnungssätzen für die Mitarbeiter teilweise nach interner Kostenrechnung für die Abteilung günstiger. Externe Kosten sind keine Personalkosten sondern laufen häufig unter Dienstleistungen und Material oder ähnlichem. Es wäre einmal interessant, wenn die großen Konzerne offenlegen würden, wie hoch die Ausgaben für Externe insgesamt sind – und wie hoch ihr Headcount und wie viele Externe bereits für mehr als 2, 5, 10 Jahre für das Unternehmen arbeiten……

    15. Externe befördern die Karriere
    Der erfolgreiche Projektabschluss ist für den Projektleiter oft mit einer Bevörderung verbunden. Daher verlässt sich dieser lieber auf Externe, die ihm gegenüber loyal sind und leicht zu knechten. Bei internem Personal kann er nicht auf die Loyalität zählen und weniger Druck ausüben. Daher verlässt er sich lieber auf seine Söldner, die machen, was er verlangt.

    16. Wissen
    Oft werden Externe verpflichtet, wenn das Wissen und die Erfahrung der Internen mangelhaft sind. An interne Schulungen wird hier nur wenig gedacht.

    Die Gründe für Externe sind wohl so vielfältig, wie deren Tätigkeitsfeld. Insgesamt würde es aber ohne Externe wohl in vielen Unternehmen schwierig werden, da diese häufig vitale Funktionen in den Unternehmen durchführen oder unterhalten (siehe Software-Maintenance).

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  2. Great Gonzo

    Und nicht zu vergessen: Externe Berater sind (noch) nicht betriebsblind und haben aufgrund ihrer nur temporären Anstellung nicht mit nachhaltigen Repressionen zu rechnen. Somit ist mit echter Innovation zu rechnen, die aber nicht immer von allen Beteiligten gewünscht ist. Ich glaube das wurde schon an anderer Stelle in diesem Blog behandelt.

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