Projekt 06: Projekte und Trauerarbeit

Ich habe in meiner Laufbahn bislang 2 Projekte eigenhändig versenkt. Eines davon inhaltlich, beim dem anderen Projekt habe ich das Budget und die Zeitplanung um mehr als 100% gerissen. Bei 15 Jahren Berufserfahrung ist das ein einigermaßen guter Schnitt. Soetwas ist zwar sehr tragisch, aber wohl leider nicht zu vermeiden. Ist ja auch sehr lehrreich: Eigentlich darf man sich ja erst dann erfahrener Projektleiter nennen, wenn man mindestens ein Projekt so richtig in den Abgrund geritten hat.

Aktuell bin ich ja in ein Projekt eingebunden welches auch nicht gerade sonnig abläuft. Mir fällt dabei gerade auf, dass man bei kritischen Projekte die klassischen Phasen der Trauerarbeit wieder findet:

1) Schock, Leugnung
In der ersten Phase der Trauerarbeit ist man geschockt und will es nicht wahr haben („Er/Sie kann nicht tod/weg, sein. Ich glaube das einfach nicht“).
Projekt: Obwohl alle Teilprojekte ihre Ampel auf rot gestellt haben, dauert es weitere Wochen bis das Problem offen angesprochen wird. Alle hoffen, dass sich das Problem von selber erledigt und niemand traut sich, seinem Vorgesetzten offen Bericht zu erstatten.

2) Ohnmacht und Hilflosigkeit
Hat man die Wahrheit akzeptiert, gerät man in einen Strudel aus Gefühlen. Man kann mit der Situation nicht umgehen und sieht keine Zukunft mehr für sich.
Projekt: Also genau das, was passiert, wenn das Projekt wirklich Probleme hat. Es herrscht Chaos und alle rufen nach dem weiße Ritter der ihnen hilft. Oder sie verfallen in Zynismus.

3) Neuorientierung
Nach einiger Zeit findet man sich wieder und geht die Zukunft an. Die Narbein bleiben, die Schmerzen gehen.
Projekt: Entweder, dass Projekt wird abgebrochen oder es wird mit geänderter Planung neu aufgesetzt

Alle drei Phasen sind in der Trauerarbeit unvermeindbar und auch wichtig. Die Phase 2 ist zwar schmerzlich, aber man muss das Geschehen verarbeiten um es überwinden zu können. Diese Phase dauert auch viel länger als die 1. Phase.

Und hier haben wir das Problem: In der Projektarbeit sollte man sich nicht mit Phase 2 aufhalten. Phase 1 kann man noch nachvollziehen. Aber viele Projekte landen anschließend in einer „Chaosphase“ in der alle beteiligten wie aufgescheuchte Hühner rumlaufen und quasi Projektpläne malen in denen der Schritt „ab hier geschieht ein Wunder“ auftaucht. Nur, es wird kein Wunder passieren. Durch diese Phase verliert man lediglich unnötig Zeit. Besser, man startet sofort mit der Neuorientierung. Der weiße Ritter wird nämlich nicht kommen. Und auch werden keine Außerirdischen laden und uns mit ihrer neuen Technologie aus per Patsche helfen.

Ein Gedanke zu „Projekt 06: Projekte und Trauerarbeit

  1. Robert Boulanger

    Klingt schwer nach einem Wetterbericht der Übergang von Phase 1 in Phase 2 voraussieht.
    Der gute Mann zeichnet sich dadurch aus Phase 2 gerade lange genug zu akzeptieren. Ich wuerde daher vorschlagen Phase 2.5 einzuführen : Sammeln, objektiv und ehrlich betrachten und Phase 0-1 analysieren, um Phase 3 absolut nüchtern (in jeglicher Deutung) angehen zu können.

    Das Problem stellen jedoch dann oftmals jene Stakeholder bereit, welche denken der Verkehr besteht prinzipiell nur aus grünen Ampeln. Das kann dann mühsam werden.
    Wie die Lage konkret auch ist,

    meine besten Wünsche dafür (White Knights and Aliens not included)

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