Archiv für den Monat: Februar 2006

1000 Fehler in der Projektleitung: 20

„Haben das Ziel aus den Augen verloren, kommen aber gut voran“
Im Nachbarhaus meiner Eltern wohnte jemand, der Modellflugzeuge baute. Ich durfte als Kind einige Male mitfahren, wenn er seine Flugzeuge auf einem Feld fliegen ließ.

In ganz seltenen Momenten durfte ich auch mal die Fernsteuerung halten (vermutlich dann, wenn der Bau des Fliegers nicht länger als 5000 Stunden gedauert hat). Dabei gab es eine einfache, aber eiserne Regel: Wenn du das Flugzeug nicht mehr sehen kannst, zieh‘ es sofort runter zum landen. Ich fand das doof. Wenn der Flieger hinter einer Kuppe oder einigen Bäumen verschwand, hätte ich viel lieber das Gerät mit einer eleganten Wendung wieder in sichtweite geflogen. Aber das durfte ich nicht. Ich habe irgendwann auch verstanden, wieso: Besser, das Flugzeug landet unsanft auf dem Boden, als das man im Blindflug jemanden erschlägt oder ein parkendes Auto demoliert.

Lustigerweise wird diese Regel bei Projekten eher selten beachtet. Die Anforderungen der Fachabteilung sind voller Lücken und Widersprüche? Egal, mittels misserstandenem agilen Projektmanagement schreibt man schon mal das Pflichtenheft – und wickelt das Projekt trotz unklarer Anforderungen dann per Wasserfallmethode ab. Mit dem Ergebnis kann zwar keiner etwas anfangen, aber da muss man halt leider auf Release 2 warten.

Es ist eher unklar, ob das Projekt überhaupt Sinn macht? Na und! Der Projektplan sieht den Start vor, also halten wir uns dran. Später wird klar, dass das Projekt keinen Sinn macht. Aber weil man schon mal so weit gekommen ist, bringt man es irgendwie zuende und beerdigt es stillschweigend.

Dabei helfen auch keine agilen Methoden mehr. Agile Methoden helfen mir dabei, wenn ich ein Auto baue und die Farbe erst in letzter Minute fest steht. Oder wenn ich das Fahrwerk kurz vor Auslieferung noch mal modifiziere und was auch immer.

Es hilft mir aber herzlich wenig, wenn ich ein Auto plane und eigentlich ein Flugzeug hätte bauen sollen …

Marathonvorbereitung Woche 8

Erster längerer Lauf nach der Erkältung:
30 Min: Leichter Schneefall. Ich fühle mich gut. Die Erkältung scheint mir nicht geschadet zu haben. Also entscheide ich mich für die längere Runde.
60 Min: Ich fühle mich völlig elend. Da war ich wohl ein wenig voreilig. Leider dauert der Rückweg rund 60 Minuten (für Dortmunder: Es ging vom Kreuzviertel über Bolmke und Tierpark die Galoppstr. hoch). Aber zumindest geht es jetzt nur bergab. Zum Glück schneit es nicht mehr.
70 Min: Es scheint! War ja klar. Zur Aufmunterung gönne ich mir ein Leckerchen in Form eines Energie-Gels. Wer sowas nicht kennt: Es schmeckt wie Zahnpasta und klebt schlimmer als Kokosmilch. Dafür hat man ratzfatz 300 Kalorien intus und ist zumindest kurzzeitig fitter.
90 Min: Gut, das ich keine Handschuhe mitgenommen habe. So bin ich dermaßen mit meinen kalten Händen beschäftigt, dass ich keine Gelegenheit habe mir über die Schmerzen im linken Fuß Sorgen zu machen.
120 Min: Angekommen. Für den ersten Lauf nach der Pause soll es reichen. Puls lag bei 75% HfMax, alles im grünen Bereich.
Nächste Woche versuche ich mich an 3 Stunden (davon 2 Stunden bergauf)
Gewicht: konstant, aber laut Waage geht mein Körperfettanteil zurück. Ich interpretier das mal so: Ich nehme weiter ab, aber mein Körper lagert mehr Wasser in den Muskeln. Gut so.

Angebotsverhandlung

Hmm, was soll ich davon halten.
Ein Dienstleister (Internet-Agentur) macht ein Angebot welches ich für zu hoch halte. Nach einer ersten Abstimmung kommt ein zweites Angebot (mit den in so einem Fall „üblichen“ 20% Abschlag). Auch dazu habe ich einige Nachfragen.

Dummerweise erreiche ich 3 Tage lang niemanden. Man sollte man glauben, die schicken das Angebot raus und 2 Stunden später ruft der Account Manager an um die Sache abzuschließen. Aber nein. Dann haben wir endlich ein Telefonat und können weitere Fragen klären.

Ich weise daraufhin, dass das Angebot immer noch zu hoch sei und der Einkauf wohl eines der Vergleichsangebote nehmen wird. Gedanklich mache ich mich bereit auf die jetzt normalerweise kommenden Argumente: „Aber wir sind viel besser“, „Qualität hat ihren Preis“, „Was können wir machen, damit Sie das Angebot noch annehmen“ etc.
Statt dessen kommt ein leises „Ah ha, gut“ durchs Telefon. Was bedeutet das?
A) Die wollten den Auftrag eh‘ nicht haben
B) Die Projektleiterin ist eine schlechte Verkäuferin
C) ich wirke so dominant, dass man sich kaum traut, mir zu widersprechen.

Wie auch immer. Das wird wohl nix werden. Schade eigentlich.

Selbstständig

Ich liebe meinen Job. Wirklich! Ich besitze das wunderbare Privileg für etwas bezahlt zu werden, was ich auch ohne Geld machen würde. Ok, wenn ich die 10 Mio. gewinne könnte ich mir vorstellen, nicht mehr IT Projekte zu machen, sondern vielleicht Umweltschutzprojekte. Oder ich manage eine erfolglose Punk-Band. Aber das, was ich momentan mache ist genau das, was ich machen will. Mein Großvater und Urgroßvater (und so weiter) haben auf einer Zeche gearbeitet. Auch die haben ihre Arbeit gemocht. Aber ich kann nicht irgendwie nicht vorstellen, dass mein Urgroßvater auch ohne Bezahlung nur aus „Spaß an der Freud'“ unter Tage eingefahren wäre .

Auch könnte ich mir jeden Tag für meine Entscheidung, mich sebstständig zu machen, auf die Schulter klopfen. Das geht nicht nur mir so. Ich habe in letzter Zeit viele ehemalige Kollegen getroffen die ebenfalls selbstständig sind. Der Tenor ist immer gleich: Jeder genießt diese Arbeitsweise. Dabei spielt die Bezahlung keine Rolle. Und um mal kurz nebenbei eine Illusion zu zerstören: Nein, es lohnt sich im Vergleich zu einem guten Angestelltengehalt nicht wirklich. Aber jeder freut sich über die Freiheit, die Eigenverantwortlichkeit und die Anerkennung für geleistete Arbeit.

Eigentlich komisch, oder? Wir freuen uns über fehlende soziale Absicherung, keinerlei Arbeitnehmervertretung und das hohes Risiko auch mal 6 Monate ohne Kunde überbrücken zu müssen. Wir sind glücklich über einen Job den wir mit hoher Wahrscheinlichkeit vielleicht 15 Jahre durchhalten aber anschließend völlig ausgebrannt sind. Wir genießen es, die meisten Nächte im Hotelzimmer (oder kleinen Wohnungen über die Mitwohnzentrale) zu verbringen.

Sollte das Arbeitgebern nicht zu denken geben? Diese Leute sind offenbar sehr motiviert. Auch sind sie nicht die Schlechtesten ihres Fachs (niemand meiner Bekannten beklagt sich über schlechte Auftragslage). Kurz um: Es sind doch ideale Angestellte. Und trotzdem finden sie in einer Firma nicht das, was sie suchen.

Hmm, interessante Frage. Was müsste mir ein Arbeitgeber bieten um mich wieder zu einer Festanstellung zu überzeugen? Es wird sich bestimmt irgendwann wieder ändern. Aber momentan fällt mir da wenig ein. Das Gehalt ist es nicht (wobei, bei einen Audi RS4 mit Vollausstattung als Dienstwagen würde ich vielleicht …). Ich werde mal drüber nachdenken.

Kaffeeküche

Liebe festangestellten Mitarbeiter meines momentanen Auftraggebers:
Wir Externe haben wirklich kein Problem damit, die Spülmaschine täglich ein- und auszuräumen. Ich habe das bei meinem ersten echten Job so gelernt (Zotty hat uns da sehr gut erzogen :-)) ). Auch räume ich gerne halb leere Tassen in die Maschine. Womit ich aber ein Problem habe: Wenn ich morgens den Dreck ein wenig lichte und ein Festangestellter dazukommt und meint, einen dummen Spruch abgeben zu müssen. So langsam weigern sich immer mehr Externe wegen solcher Dinge, die Kaffeküche aufzuräumen.
Denkt drüber nach, liebe Festangestellte: Ihr sägt auf dem Ast, auf dem ihr sitzt…

In eigener Sache: Wohnen in Osnabrück

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, aber Versuch mach kluch:
Ich werde in naher Zukunft aus dem Ruhrgebiet in Richtung Osnabrück umziehen.
Sollte zufälligerweise jemand eine Wohnung (4 Zimmer KDB, Balkon, Garage, gute Anbindung zum Hauptbahnhof) vermieten wollen oder einen Nachmieter suchen oder jemand kennen der jemand kennt der bei jemanden putzt der gerade eine Wohnung kennt, würde ich mich sehr über eine kurze Mail freuen :-)

1000 Fehler in der Projektleitung: 19

„Ich glaube auch nicht, dass es klappen wird. Aber der Vorstand will es halt.“
Es ist doch erstaunlich. Eigentlich sollte man denken, dass Leute in Vorstandspositionen nicht dorthin gekommen sind, weil sie hinlose Deppen sind. Trotzdem behandeln 80% der Mitarbeiter im mittleren Management so, als ob sie es seien. Wenn es nachvollziehbare Gründe gegen einen Zeitplan gibt, kann das auch ein Vorstand verstehen.

Die Geschichte läuft dabei immer gleich: will Projekt X in einer unmöglichen Zeit abgeschlossen sehen. äußert leise Zweifel und bekommt sofort einen Anschiss für sein Zaudern. Also wird das Projekt gestartet. Natürlich scheitert das Projekt. Selbstverständlich bekommt dafür vom Vorstand die Schuld zugeschoben.
Variante 1: weiß auch, dass das Projekt nix wird, kann die Schuld aber in die Schuhe schieben.

Eigentlich könnte man sagen, da haben sich Zwei gesucht und gefunden: Vorstände hören nicht zu und mittlere Manager sind Angsthasen.

Vermutlich ist das nur das Ergebnis einer unglücklichen Entwicklung. Der Manager hat einige Male gezaudert und das Projekt wurde trotzdem irgendwie ein Erfolg. Irgendwann hält der Vorstand seine Einwände für „das übliche“ Gejammer und gibt nicht besonders viel auf das Geschwätz.

Das lustige bei der Geschichte: Gute Führungspersönlichkeiten sind oftmals richtig glücklich wenn sich endlich mal wieder jemand traut, ihnen die Wahrheit zu sagen. Sie werden oftmals in einer künstlichen Scheinwelt gehalten die ihnen ihre Führungsaufgabe sehr schwer macht. Ein wenig Wahrheit kann da nur helfen (oder anders ausgedrück: das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern ist auch heute noch aktuell).

Ok, es gibt genug Vorstände und Firmenchefs die tatsächlich nicht zuhören können oder wollen (unter solchen Leuten habe ich auch ein paar Jahre gelitten). Aber das erledigt sich – leider – meist von selber: solche Firmen gehen pleite…

Festpreisprojekte

Aktuell verhandel ich mit einem Dienstleister über ein Angebot. Welch eine Überraschung: Ich finde es zu hoch, der Dienstleister hält es für angemessen.
Unabhängig davon, der nun im Recht ist: Ich glaube, bei Festpreisprojekten verlieren so oder so beide Seiten.

Als Kunde hat man immer ein wenig Angst vor Abrechnung nach Aufwand (T&M: Time and Material). Aber letztlich beruht eine vernünftige Kalkulation für ein Angebot auch auf den Aufwänden. Nur, dass die Aufwände nicht exakt abgerechnet, sondern vorher geschätzt werden. Auf diese Schätzung packt man dann noch einen Sicherheitsaufschlag und ein wenig Luft für Nachverhandlungen drauf. Also ist ein sauber kalkuliertes Angebot stehts teurer, als Abrechnung nach T&M.

Aber angenommen, ich vertraue dem Dienstleister nicht? Es kann ja genauso gut sein, dass der Dienstleister 2 Tage arbeitet und 5 abrechnet. Wenn ich den Dienstleister nicht im Haus habe, kann ich ihn nicht kontrollieren. Und was ist, wenn der Dienstleister mir Mitarbeiter schickt, die nichts taugen und sich auf meine Kosten einarbeiten?
Antwort 1: Das passiert auch bei Festpreisangeboten. Die Wahrheit über Beratungsfirmen: Lernen auf Kosten des Kunden ist nicht die Ausnahme, es ist der Normalfall.
Antwort 2: Wenn ich meinem Dienstleister so wenig vertraue, hat er etwas falsch gemacht. Vielleicht sollte man sich dann besser Gedanken über einen anderen Dienstleister machen!

Keine 24 Mio.

Da ist wohl was schief gelaufen. Ich habe die 24 Mio. nicht gewonnen. Außerdem bin ich erkältet und meine Nase läuft aus und dann habe ich das Ladekabel meines Ipods vergessen und komme erst Sonntag Abend wieder nach Hause (2 lange Zugfahrten) und die möblierten Wohnungen die ich mir angeschaut habe sind alle Schrott.
Ich könnte ’ne Runde Mitleid brauchen.