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J2EE ist auch nur eine Sprache – Quark, es ist eine Architektur

Vor einiger Zeit bei einem eigentlich sehr kompetenten Dienstleister.
Ich: “Ich kenne Sie als einen sehr erfahrenen Dienstleister im Bereich von MSWindows Applikationen. Wie sieht ihr Know How im Bereich J2EE aus?“.
Geschäftsführer: “Ach wissen Sie, wir arbeiten ja sehr strukturiert und konzentrieren und auf Methoden. Ob wir Java oder C++ programmieren macht da ja keinen Unterschied mehr“.
Gute Antwort, sie hatte nur leider nichts mit meiner Frage zu tun. Natürlich ist Java eine Sprache von vielen. J2EE (Java 2 Enterprise Edition) ist jedoch eine Architektur! Neben den Spracheigenschaften definiert J2EE noch viel mehr. Stichwörter sind u.a.
– Komponenten (die Enterprise Java Beans), – Laufzeitumgebung für Komponenten (der Java Applikationserver),
– Schnittstellenspezifikationen,
– Architekturparadigmen (Serviceorientierte Architektur) usw.
Durch den Einsatz von J2EE ergeben sich automatisch massive Auswirkungen auf die Architektur. Und das nicht erst in der Softwareentwicklung, sondern schon in den ersten Phasen der Analyse. Von N.Wirth kennt man die Behauptung, wenn man das Datenmodell aufgestellt habe, habe man 80% der Applikationen erstellt. Die Analysephase für J2EE Applikationen sollte sich jedoch eben nicht auf das Datenmodell, sondern auf Prozesse, Schnittstellen und Objektmodelle konzentrieren. Das Datenmodell (und damit auch die Datenbank) treten stark in den Hintergrund2.
Die traurige Wahrheit:
70% der große Dienstleister haben ein absolut unzureichendes J2EE Know-how!
Sie treten aber mit eben diesem Know-how an und jagen den kleinen wirklich kompetenten Firmen mit ihrem bekannten Namen das Projekt ab. Anschließend bauen diese Firmen langsame, unstabile Applikationen, erstellen datenbanklastige Konzepte und halten Web-Frontends für Unfug. Der Kunde kann natürlich nicht erkennen, dass sein Dienstleister gar nicht wirklich J2EE baut und sieht nur, dass das Ergebnis ihn nicht wirklich zufrieden stellt. Die – falsche – Schlussfolgerung: J2EE taugt nichts. Die Softwarebranche steht vor einer weiteren Stufe der Professionalisierung: Der Spezialisierung.
Wie in anderen etablierten Ingenieurs-Disziplinen auch wird es nicht mehr den „Alleskönner“ gegeben. Genau wie man sich im Laufe seines Berufslebens beispielsweise für Hoch- oder Tiefbau entscheidet, werden sich sowohl Entwickler wie auch Architekten in der Zukunft viel stärker als jetzt spezialisieren müssen.
Was man tun kann:
– Vorbereitung, Vorbereitung, Vorbereitung. Vertriebler erzählen ihren Kunden gerne, dass ihre Mitarbeiter gut ausgebildet seien; sie sind Experten mit jahrelanger Erfahrung in genau dem Problem welches man gerade gelöst haben möchte. Welch ein glücklicher Zufall. Nach Projekstart stellt sich dann heraus, dass die Projektmitglieder neu im Team (oder gar extern eingekauft) sind. Also: Sich das Team vorher benennen lassen. Die Leute auf Herz und Nieren prüfen. Gute Dienstleister werden damit keine Probleme haben. Schlechte Dienstleister kommen in Erklärungsnot. Besorgen Sie sich einen J2EE Experten dem sie vertrauen und lassen sie ihn eine Stunde mit den angekündigten Experten alleine. Sie geben sehr viel Geld für das Projekt aus. Also dürfen Sie auch gute Qualität erwarten. Die Qualität hängt nicht in den Prozessen, sie hängt nicht bei den Vertrieblern, sie liegt bei den Mitarbeitern!
– Architekturreviews: Viele Projektleiter mögen es nicht, über Architektur nachzudenken. Sie haben schon genug damit zu tun, die fachlichen Anforderungen zu verwalten. Die Architektur wird komplett dem Dienstleister überlassen. Warum? Nur um kurzfristig ein paar Euro zu sparen? Die Lösung soll doch einige Jahre halten, oder? Die Lösung soll erweiterbar sein. Also ist neben den fachlichen Aspekten die technische Umsetzung enorm wichtig. Daher sollte die Architektur (am besten von externen Personen) ständig überprüft und ggf. verbessert werden. Das kostet Geld, keine Frage. Aber es spart mittelfristig riesige Summen!

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