Archiv für den Monat: September 2005

Dinge, die ich nicht hören will

Wenn ich im Hotel sitze und frühstücke möchte ich keinem Gespräch am Nebentisch zuhören die ungefähr so gehen:
„Klar, die Luftfahrt-Zulieferer haben die Preise extrem gesenkt und liefern Qualität weit unter der Spezifikation. Kein Wunder, wenn da mal ein Triebwerk abfällt“.
Nein, das will ich nicht hören. Auch wenn es stimmt. Ich muss nicht alles wissen …

Prozesse macht man aus Kundensicht!

Es ist nie einfach, Prozesse zu erstellen. Man muss an jede Kleinigkeit denken und alle sollen zufrieden sein. Wenn Kunden eingebunden sind, wird gerne mal die Kundensicht übersehen. Der Prozess ist schlank, lässt sich wunderbar automatisieren und ist preiswert. Leider wird der Kunde dabei überrollt und ist sauer.
Die fehlende Kundensicht ist witzigerweise nicht nur ein Problem von Tekkies – da würde man es ja noch verstehen. Aber selbst gestandene Marketing-Menschen schaffen es in schöner regelmäßigkeit den Kunden zu vergessen.
Daher gibt es bei jedem Prozess folgende wichtige Fragen die man sich ständig(!) stellen sollte:

Wie würde ich als Kunde reagieren?
Würde ich damit zurecht kommen?
Würde meine 90 jährige Großmutter damit zurecht kommen?
Wie kann ich es noch Kundenfreundlicher gestalten?

Gut ist es auch, den Prozess einfach mal an einigen Leuten zu testen. Klingt selbstverständlich? Ist es aber leider nicht!
Man muss immer einen Kompromiss zwischen Kosten und Kundenfreundlichkeit finden. Aber das sollte nicht dazu führen, dass man seine Kunden fast vorsätzlich vergrault …

Initiative pro richtige Bahntür i.G.

Ich habe die Nase voll, aber richtig. Ist es denn so schwierig? Aber echt…
Ich fahre Bahn, ich fahre sogar soviel mit der Bahn, dass ich mittlerweise eine BahnCard 100 besitze. Das ist alles auch soweit ganz gut. Am Wochenende hole ich mir natürlich eine Reservierung. Dankenswerterweise steht ja auf den Wagons nicht nur die Wagennumme drauf, nein! So ein Wagon hat ja zwei Türen (an jedem Ende eine Tür…). An den Türen steht dran, welche Sitznummern man von dieser Tür aus gut erreichen kann. Also Tür 1: 11-58, Tür 2: 72-114. Oder so ähnlich. die Nummerierung der Plätze eh‘ jemand vorgenommen der zuviel Drogen intus hatte, aber darum geht es jetzt nicht.
Was passiert: 95,9% der Leute steigen genau auf der anderen Seite ein. Anschließend gibt es Stress und Ärgern, weil man in den engen Gängen nicht aneinander vorbei kommt.
Ist es denn so schwierig? Warum steigt man nicht einfach gleich auf der richtigen Seite ein?!? Die Züge halten doch lang genug. Schon würde sich die Einsteigezeit halbieren – und damit auch die ständige Verspätung der Züge. Außerdem käme ich endlich schneller zu meinem Sitz – denn dieser blöde Reservierungscomputer gibt mir immer eine Sitz in der Mitte des Wagens. Das kann doch nicht so schwierig sein, oder?
Ich habe genug. Ich gründe jetzt eine Bürgerinitiative. Einer muss es ja machen. Die nenne ich „Initiative besorgter Vielfahrer pro richtige Bahntür“ – oder so ähnlich. Und wir werden die Leute zwingen, die richtige Tür zu benutzen. Und zwar werden wir, also wir werden, na irgendwie werden wir das schon machen.

Die 1000 Fehler in der Projektleitung: 8

Scheitern ist keine Option – doch, ist es!
Was haben Projektmanagement und Kochen gemeinsam? Manchmal ist es besser, alles wegzuwerfen und nochmal zu starten!

Man kann nicht jedes Essen retten. Genauso unsinnig ist es, jedes Projekt auf Teufel komm ‚raus duchzuprügeln. Am Ende hat man zwar irgendein Ergebnis, kann damit aber gar nichts mehr anfangen. Ein Klassiker ist es beispielsweise, wenn mitten im Projekt neue Anforderungen auftauchen. Das ist erstmal nicht ungewöhnlich, sondern Tagesgeschäft. Schlecht ist nur folgendes: das Projekt kann 3 neue Anforderungen pro Monat umsetzen, bekommt aber jeden Monat 7 Anforderungen genannt. Auf diese Weise haben Firmen schon 2-stellige Milionenprojekte in den Sand gesetzt. Auch gerne genommen ist ein Projekt dessen Ergebnisse gar nicht nehr benötigt werden, da sich irgendwas geändert hat. Aber niemand traut sich, den Stecker zu ziehen um nicht als Bote der schlechten Nachricht geköpft zu werden.

Als Projektleiter wird am am Erfolg gemessen. Gerade als freiberuflicher Projektleiter bekommt man gerne solche Feuerwehrprojekte vor die Nase gesetzt. Aber:
Als guter Projektleiter wird man 75% dieser Projekte wieder aufs Gleis setzen und zum Abschluss bringen.
Als sehr guter Projektleiter erkennt man rechtzeitig wann man aufhören muss („Wenn das Pferd tod ist, steig vom Sattel“ )

Als Guerilla-Projektleiter nimmt man solche Projekte erst gar nicht an. Statt dessen präsentiert man einen Projektplan für ein neues Projekt welches besser, schneller und erfolgreicher ist :-)

Die 1000 Fehler in der Projektleitung: 7

Wer schreibt, der bleibt
Der Wert von mündlichen Aussagen liegt ungefähr knapp unter dem eines 3 Wochen altem Brötchens. Wenn ich für jedes „das habe ich aber so nicht gesagt“ einen Euro bekommen hätte könnte ich den Rest meines Lebens faul am Strand einer Südseeinsel verbringen…
Was also tun? Das jedes Meeting ein Protokoll braucht und man dieses Protokoll von allen Beteiligten abnehmen lässt ist klar. In Zeiten großer Festplatten kann man jede Mail speichern. Mails sollte man prinzipiell nicht löschen. Ok, die „12:30 Mittagessen?“ Mail vielleicht.
Bei persönlichen Gesprächen ist es auch ganz einfach: Für jedes (!) Telefonat wird eine kleine Telefon-Notiz angelegt. Das geht einem nach einiger Zeit in Fleisch und Blut über und kostet kaum Zeit. Auch persönliche Gespräche werden sofort protokolliert. Anschließend schreibt man an seinen Gesprächspartner eine kleine Mail die etwa so aussieht:

Hallo Herr XYZ,
um sicher zu sein, dass ich Sie gerade richtig verstanden habe, hier eine kurze Zusammenfassung unseres Gesprächs:
Bla Bla Bla.
Ich gehe davon aus, dass das so stimmt, ansonsten melden Sie sich einfach kurz bei mir.

Und schon ist man auf der sicheren Seite.
Jetzt gibt es natürlich die ganz Schlauen. Die sagen einem dann sowas wie „aber das ist jetzt nur unter uns und gehört nicht ins Protokoll“ oder so. Das bringt ein Projekt natürlich so gar nicht voran. Also gibt es nur eine Reaktion: Festnageln! Sofort klar machen, dass man bis zum Zeitpunkt X eine konkrete Aussage braucht. Diese ganzen „hätte, könnte, würde“ Aussagen mögen zwar sehr diplomatisch sein, aber für Diplomatie haben wir im Projekt keine Zeit. Wir sollen das fertig werden…

Guerilla Taktik im Nachwahlkampf

Auf den ersten Blick könnte man sich fragen, ob Schröder, Westerwelle und Co. jetzt komplett den Verstand verloren haben. Die drei möglichen Kombinationen – Große Koalition, Ampel oder „Schwampel“ – werden von allen Beteiligten vehement negiert.
Bei nähere Betrachtung kommt einem jedoch die Vermutung, dass die ganze Geschichte schon seinen Grund hat. Ich denke immer noch, dass sowohl Schwarz-Rot-Grün also auch Rot-Gelb-Grün keinen Sinn machen. Die Grünen können nicht mit der CDU und Westerwelle will nicht mit den Grünen. Neben Neuwahlen und einer Minderheitsregierung bleibt also die Große Koalition. Das ist allen Beteiligten klar.
Es ist aber auch klar, dass die Verhandlungen hart werden. In allen wichtigen Bereichen unterscheiden sich die Konzepte von SPD und CDU. Also braucht man Verhandlungspakete auf die man verzichten kann. Eines dieser Pakete ist ganz klar die Frage der Kanzlerschaft. Also beispielsweise entweder „18% Mehrwersteuer und Schröder bleibt Kanzler“ oder „Bürgerversicherung und Merkel wird Kanzler“.
Also alles nach der Regel: Möglichst viele (auch gerne unsinnige) Positionen aufbauen damit man auf die locker verzichten kann und die wichtigen Forderungen durchbekommt.
Natürlich ist Schröder klar, dass er nicht mehr Kanzler ist (sollte er wider erwarten doch Kanzler bleiben muss Doris vermutlich die Urlaubsplanung komplett umstellen). Aber er hat, als Wahlverlieren, einfach eine schlechte Verhandlungsgrundlage.

Ich habe soetwas mal als Guerilla-Taktik im IT Projekt erlebt:
Subunternehmer will seine Leistung von mir als GU-Projektleiter abgenommen bekommen. Leider war Subunternehmer nicht gerade gut – ich habe im Projekt 3 Projektleiter verschlissen. Zur Strafe hat mit Subunternehmer einen „Kettenhund“ vorgesetzt. Der hat – obwohl ja eigentlich in der schwachen Verhandlungsposition ist – die ersten 3 Meetings im Streit platzen lassen und sogar meinen Kunden wüst beschimpft. Er hat ständig unsinnige Forderungen aufgestellt. Zum Beispiel wollte er den durch ihn selber verschuldeten Verzug auch noch bezahlt haben. anschließend hat er „großzügig“ auf diese Forderung verzichtet wenn wir ihm im Gegenzug die Abnahme erteilen…

Trickreiche Tricks

Die Offene Punkte Liste
OP Listen werden gerne in der Kommunikation zwischen Dienstleister und Kunde eingesetzt. Neben der offensichtlichen Aufgabe solcher Dokumente – Nachverfolgung und Klärung offener Punkte – gibt es noch den versteckten Nutzen das der Dienstleister seinem Kunden zeigen kann, wieviele Fragen noch nicht geklärt sind und die ganzen Verzögerungen durch den Auftraggeber selber zu verantworten sind.
Aber auch intern macht eine OP Liste enorm Sinn. Als Projektleiter beantwortet man täglich duzende von Fragen (bzw. muss die Hälfte der Fragen noch klären). Durch eine solche Liste organisiert man sich zum einen selber. Auf der anderen Seite kann man die Liste auch als FAQ periodisch verteilen. Und schließlich hilft es ungemein, um einem Fragesteller zu zeigen, dass man seine ungemein wichtige Anforderung mittlerweile zum 5. Mal beantwortet hat…
Die Liste erstellt man am besten mit einer Tabellenkalkulation. Spalten: Aufnahmedatum, Aufnehmer, Stickwort, Beschreibung, Kommentare, Lösung, Lösungsdatum, Status (offen, in Bearbeitung, geschlossen)

Erste Hochrechnungen der Wahl

Wow, na werden sich die Meinungsforscher aber umschauen. Mit dem Ergebnis haben wohl die Wenigsten gerechnet. SPD liegt „nur“ 2 Prozentpunkte hinter der CDU. Das ist für Merkel der GAU. Nicht nur, dass sie als Kanzlerin eh‘ schon Koch, Merz und Wulf im Nacken gehabt hätte, nein, jetzt würde sie in der großen Koalition auch noch einen Partner haben, den man schlechterdings als Juniorpartner bezeichnen kann.
Und nu‘?
Rot-Grün scheidet ebenso wie Schwarz-Gelb aus.
Rot-Rot-Grün scheidet aus. Nicht, weil die SPD etwas gegen die PDS hätte, aber Schröder würde es Lafontaine niemals gönnen das Schröder ihm seine Macht verdankt.
Blieben also Ampel-Koalition, große Koalition und Neuwahl. FDP und Grüne unterscheiden sich in sovielen Punkten, das würde hart werden. Außerdem würde Fischer Gerhard wohl kaum das Außenministerium überlassen.
Ergo: Es gibt eine kurzlebige große Koalition. Denn: Nach ca. 2 Jahren wird Merkel das von den eigenen Leuten niedergestreckt werden.
Es bleibt spannend.
Wie auch immer es weiter geht, einen Vorteil hat die Geschichte gehabt: ich habe das Gefühl, dass sich jetzt viel mehr Menschen für Politik interessieren, also noch vor ein paar Jahren.